Eine interessante Reise in das Innere des Lutea 3

Es gibt schon viele interessante Artikel von dem neuen Flaggschiff der BASE eigenen Smartphones, die leider alle nicht auf das Innenleben des Gerätes eingehen. Eine Auflistung der Gerätedaten ist nicht das Ziel dieses Artikels. Wer diese Daten benötigt, wird in anderen Artikeln unserer Mobilfunkexperten fündig. Mit diesem Artikel beginne ich eine Reise, die ein bisschen die Hardware streift, das Betriebssystem und die sehr großzügigen vorinstallierten - ich sage es mal so - Kundenbeglückungs-Apps.

Hardware

Die Hardware ist etwas speziell, da Alcatel (TCT) eine unübliche Einbaumethode der SIM-Karte gewählt hat. Im Gegensatz zu allen anderen Herstellern wird die SIM auf dem Kopf eingeschoben. Einige Anwender fallen darauf herein und wundern sich, dass das Gerät meldet: keine SIM-Karte.

In dem Bild sieht man die korrekte Einbaumethode, die Kontakte der SIM zeigen nach oben und die Abschrägung ist beim Einschieben sichtbar.

NFC

Das BASE Lutea 3 hat eine Besonderheit, die zurzeit noch recht selten in Smartphones zu finden ist. Die Besonderheit nennt sich NFC (Near Field Communication), auf Deutsch bedeutet es Nahfeldkommunikation. Viele begrüßen NFC, aber genauso viele stehen der Technik skeptisch, wenn nicht gar ablehnend gegenüber.

Das Bild zeigt ein Teil der NFC-Antenne, die im Grunde nur eine metallische Spirale ist und mit einer schwarzen Isolierung auf der Rückabdeckung des Lutea 3 aufgebracht wurde. Deutlich sind auch die Kontakte zu sehen, dessen Pedant an der Geräteunterseite als zwei kleine Kontaktstifte zu finden sind. Wer der NFC-Technik misstraut, kann diese Kontakte auf der Rückabdeckung mit einem guten Elektriker-Isolierband abdecken und somit der Hardware den "Stecker ziehen", also Datenübertragung verhindern. Hier sei noch angemerkt, dass man diese NFC-Antenne auch aus mehr als ein paar Zentimeter mit der richtigen Ausrüstung beeinflussen und Daten im Gerät verändern kann.

Unterdrückung der Umweltgeräusche

Eine weitere, kaum oder gar nicht erwähnte positive Eigenschaft, die in der Regel nur bei Highend-Smartphones zu finden ist, ist die Unterdrückung von lauten Umgebungsgeräuschen. Diese Eigenschaft ist nebenbei bemerkt bei fast allen Alcatel-Geräten, wie auch beim kleinen Bruder, dem BASE Varia, vorhanden (eine Firma wirbt damit sogar im Fernsehen). Wer sich sein BASE Lutea 3 von hinten einmal genauer anschaut, findet links neben der Kamera ein ganz kleines Löchlein. Dieses Löchlein bringt die Umgebungsschallwellen an ein hinteres Mikrofon.

Dieses hintere Mikrofon dient bei dem Erstellen von Videos der direkten Tonaufnahme in Richtung des Objektes.

Um auf die Unterdrückung von Umweltgeräuschen zurück zu kommen, fragen sich bestimmt einige, wie so etwas funktioniert. Es ist im Grunde ganz simpel und die Technik ist uralt. Das Frontmikrofon nimmt eure Sprache und Umweltgeräusche auf. Da das hintere Mikrofon auf der gegenüberliegende Seite platziert ist, nimmt es fast nur die Umweltgeräusche auf.

Der vom hinteren Mikrofon aufgenommene Schall wird einfach in der Phasenlage umgedreht und zusammen mit dem Schall des vorderen Mikrofons in einen sogenannten Diskriminatorverstärker geleitet. Die Umweltgeräusche werden abgezogen und es bleibt nur noch die Stimme übrig. Natürlich ist das die Theorie und praktisch wird es auch so gemacht, dass ein Rest der Umweltgeräusche vorhanden sein muss. Sonst klingt die Stimme unnatürlich, was besonders in Sprachpausen sehr unangenehm für den Menschen ist.

Betriebssystem

Verlassen wir jetzt scheinbar die Hardware und ihre Vorzüge und wenden uns langsam dem Betriebssystem zu. Bevor wir damit aber anfangen, geht es erst mal wieder zurück zur lieben Hardware. Ich erwähnte ja, nur scheinbar. Die Hardware ist im Grunde genommen ein richtiger ausgewachsener PC, den man in der Hand halten kann. Damit diese Hardware sich auch wie ein PC verhält, muss man diesen erst booten; das heißt ein sogenannter Bootstraploader muss die Verbindung zu dem folgenden System herstellen.

Das folgende System, das danach gestartet wird, ist nicht Android, sondern ein speziell angepasstes UNIX-Derivat. Meist basiert das System auf dem Linux Debian und kontrolliert die Hardware und dessen Funktionen. Der Benutzer des Smartphone hat keinerlei Einfluss oder Einsicht in das System. Was auch nicht sinnvoll wäre.

Android

Kommen wir nun zum Android. Android ist eigentlich kein Betriebssystem, sondern nur ein Emulator, der eine Schnittstelle vom Benutzer zum eigentlichen Betriebssystem Linux herstellt. Zu Android muss auch eine grafische Oberfläche existieren, die als Launcher bezeichnet wird. Mit diesem Launcher werden dann die einzelnen Apps kontrolliert und angewendet. Die Apps sind oberhalb des Android angesiedelt.

Vorinstallierte Apps

Das sind 5, in Worten fünf, Bildschirmseiten der Anwendungsliste.

Wir haben die Hardware und das Betriebssystem hinter uns gelassen und wenden uns jetzt den vorinstallierten Apps zu. BASE hat es mal wieder sehr gut mit uns Kunden gemeint und uns mit vielen vorinstallierten Apps beglückt - egal ob man sie braucht oder nicht.

Das Problem mit diesen vorinstallierten Apps ist weniger der unnötig belegte Speicherplatz, sondern dass viele davon selbständig starten, ungefragt ins Internet gehen und zeitweise für eine Update-Orgie mit dem Play Store sorgen. Wer sich mit Linux auskennt, kann die Apps DigiSSHd und DigiControl installieren und sich per WinSCP+Putty (Windows), beziehungsweise rssh (Linux) Zugang zum Linux des Smartphones verschaffen und die Prozessliste mit „ps“ ausrufen. Abgesehen davon, belegt das reine Starten und der laufende Betrieb dieser Apps unnötige Systemressourcen. Bei einem BASE Lutea 3 mit all diesen Apps dauert die Einschaltphase gute 30 bis 40 Sekunden, während ein Lutea 3 ohne diese Apps schon nach sechs bis acht Sekunden betriebsbereit ist.

Deinstallieren/Deaktivieren der vorinstallierten Apps

BASE hat sich deswegen etwas Gutes ausgedacht. Denn die vorinstallierten Apps lassen sich deinstallieren, bleiben aber im Filesystem des BASE Lutea 3 erhalten. Das ist notwendig, um sein Gerät auf die Werkseinstellungen zurücksetzen zu können, wenn es benötigt wird. Allerdings habe ich bei meinen Recherchen herausgefunden, dass das vermeintliche Deinstallieren die Apps nicht davon abbringt, weiterhin aktiv im System zu sein. Es gibt in Android 4.0 (ICS), das auf dem BASE Lutea 3 installiert ist, eine bessere Möglichkeit. Die Lösung heißt nicht deinstallieren, sondern deaktivieren.

So wird es nach den Deaktivieren aussehen: Die Anwendungsliste umfasst nur noch etwas mehr als 2 Bildschirmseiten.

Um Apps zu deaktivieren, ruft ihr die Anwendungsliste auf und drückt lange auf die App, die ihr deaktivieren wollt. Es öffnet sich der Launcher und ganz oben ein Hinweisfeld namens "App-Info". Dorthin zieht ihr die App ohne loszulassen. Es öffnet sich ein spezielles Fenster. Dort stoppt ihr zuerst die Anwendung, löscht die Daten und deaktiviert dann diese Anwendung. Wiederholt den Vorgang mit allen Apps, die ihr wirklich nicht benötigt.

Deaktivieren einer App am Beispiel von "Talk"

Im Bild sind die vier kurzen Schritte zum Deaktivieren einer App bildlich erklärt. Persönlich habe ich alle vorinstallierten Apps deaktiviert, auch die BASE-Verbrauchs- und MeinBASE-App, da diese für meinen Geschmack etwas zu viele Rechte fordern. Entscheidet einfach selbst welche Apps ihr benötigt und welche nicht.

Falls ihr euch entscheidet eine App doch wieder zu aktivieren, ruft ihr in den Einstellungen erst den Punkt "Anwendungen" und dann den Reiter "Alle" auf. Scrollt dann nach unten, wo alle deaktivierten Apps, wie in obigen Bild zu sehen, aufgelistet sind. Beim Antippen der gewünschten App erscheint ein Fenster mit der Auswahl "Aktivieren".