Facebook bezahlte Nutzer für vollen Zugriff auf ihre Daten

Zumindest iPhone-Nutzer sollen künftig vor Facebooks Spionage-App sicher sein
Zumindest iPhone-Nutzer sollen künftig vor Facebooks Spionage-App sicher sein(© 2017 CURVED)

Anfang 2018 berichteten wir darüber, dass Facebook Spyware auf iPhones und iPads verbreitet hat. Ein einmaliger Ausrutscher? Offenbar nicht, denn nun heißt es, Facebook bezahle Nutzer seit 2016 für umfassenden Zugriff auf ihre Daten.

Dabei soll das soziale Netzwerk auch vor Teenagern nicht halt gemacht haben, wie TechCrunch berichtet. Bis zu 20 US-Dollar monatlich sollen iOS- und Android-Nutzer zwischen 13 und 35 Jahren für die Installation der sogenannten "Facebook Research"-VPN-App erhalten haben. Die iOS-Version will Facebook infolge des Berichts einstellen. Sie verstößt offenbar gegen Apples Richtlinien. Denn die App gebe Facebook unter anderem Root-Zugriff auf den Datenverkehr der Nutzer. Unter Android führt das Unternehmen das Programm fort.

Zugriff auf Nachrichten, E-Mails und Fotos

Facebooks Ziel sei es gewesen, die Smartphone-Nutzung der Anwender zu entschlüsseln und zu analysieren. Das habe das Unternehmen gegenüber TechCrunch bestätigt. Außerdem soll es die Nutzer um Screenshots ihres Amazon-Verlaufs gebeten haben. Um seine Beteiligung zu verschleiern, habe Facebook außerdem auf Crowdtesting-Dienste wie Applause, BetaBound und uTest zurückgegriffen. Die Plattformen sollen Facebooks Beteiligung nicht erwähnen und das Angebot unter dem Namen "Project Atlas" führen.

TechCrunch hat einen Sicherheitsexperten gebeten, sich die "Facebook Research"-App genauer anzuschauen. Sollte Facebook vollen Gebrauch von den Zugriffsrechten der App machen, könnte das soziale Netzwerk fortlaufend Folgendes abfragen: Privatnachrichten in Social-Media-Apps, Messenger-Chat-Verläufe samt versendeten Fotos und Videos, E-Mails, Anfragen in Suchmaschinen, den Browserverlauf und den Standort der Nutzer.

Zwar sei es unklar, woran Facebook genau interessiert ist. Doch das Unternehmen erhalte nahezu unbegrenzte Einsicht in das Smartphone der Nutzer. TechCrunch zufolge sei es unklar, ob Facebook die iOS-Version freiwillig zurückgezogen oder Apple dies gefordert hat. Der Vorfall dürfte das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den beiden Tech-Giganten aber weiter belasten. Apple hat das soziale Netzwerk bereits in der Vergangenheit wiederholt für seine Praktiken kritisiert.


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