Facebook-Konto beschlagnahmt

Ein schwäbischer Richter hat den Facebook-Account eines 20 Jahre alten Angeklagten beschlagnahmt. Er soll seinem Freund per Facebook-Nachricht entscheidende Informationen für einen Einbruch ins Wohnhaus einer bekannten Familie geschickt haben. Über Facebook Irland hat der zuständige Richter Rechtshilfeersuchung beantragt, nachdem die deutsche Niederlassung keine Daten preisgeben wollte. Bis eine Antwort vorliegt, könnten einige Tage vergehen.

Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein Richter in Deutschland ein Facebook-Konto beschlagnahmt. In den USA ist dies eine gängige Vorgehensweise. Hierzulande wurden bis jetzt nur E-Mail-Postfächer durchsucht. Zwar rufen Ermittler oftmals die Facebook-Profile von Verdächtigten auf, doch dabei können sie nur die öffentlichen Meldungen einsehen. Private Nachrichten bleiben ihnen verwehrt. "In den USA ist das schon anders. Da ist es gang und gäbe, dass Ermittler oder auch Anwälte Zugriff auf solche Daten bei sozialen Netzwerken erwirken", erläuterte der Stuttgarter Rechtsanwalt Carsten Ulbricht gegenüber heise. Ob das im aktuellen Prozess genauso endet, bleibt noch ungewiss - das kommt ganz auf die Antwort aus Irland an. Deshalb hat der schwäbische Richter den Angeklagten aufgefordert, freiwillig Einblick in seine Facebook-Datenbank zu gewähren. Bis zum nächsten Verhandlungstag am Donnerstag hat der 20-Jährige nun Zeit sich zu entscheiden.

Aus den Kreisen von Juristen war zu hören, dass sie sich lieber den offiziellen Weg wünschen und die Daten über den Antrag bei Facebook Irland in die Hände des Richters gelangen. "Dann wird es künftig wohl häufiger eine Beschlagnahme von Facebook-Accounts geben", kommentierte der Fachanwalt für Informationstechnologierecht Thomas Stadler das Geschehen. Bis zur Fortsetzung der Verhandlung am Donnerstag ist noch nicht mit einer Antwort aus Irland zu rechnen.