Facebook Lite ausprobiert: Das taugt die Mini-App

Am Montag hat Facebook eine Lite-Version seiner Android-Anwendung veröffentlicht, die es vor allem auf Geräten mit schwacher Hardware, wenig Speicherplatz und in Gebieten mit geringer Netzabdeckung erlauben soll, leichter und schneller auf dem Social Network unterwegs zu sein. Wir haben uns aber die internationale APK-Datei installiert und ausprobiert, ob Facebook so "entschlackt" überhaupt noch Spaß macht.

Der offensichtlichste Vorteil von Facebook Lite gegenüber der regulären Facebook-App ist die geringe Download- und die kompakte Installationsgröße: Wo Facebook auf dem Smartphone über 100 MB belegt, genehmigt sich Facebook Lite auf dem Honor 6, auf dem wir es installiert haben, derzeit lediglich 888 KB — die Installationsdatei selber ist mit 252 KB noch kompakter.

Und leider war das dann aber auch schon der einzige für uns erkenntliche Vorteil — denn inhaltlich haben wir es bei Lite eigentlich nur mit einem sogenannten Wrapper für die mobile Facebook-Seite zu tun. Die App ist im Grunde nur ein eigener Browser, der m.facebook.com anzeigt — das aber auch noch in einem Design, das die mobile Website richtig modern erscheinen lässt: Die Optik von Lite ist absolut reduziert, Postings sehen äußerst schnöde und auch irgendwie unformatiert aus, es fehlen Schnellzugriffe zum Einchecken, Wischen zwischen den Kategorien geht natürlich auch nicht, gepostete Fotos können nicht mittels Pinch-Geste dynamisch, sondern nur per Doppeltipp vergrößert angezeigt werden, es gibt keinerlei Videos, und selbst im schnellen WLAN dauert das Nachladen der Bilder beim Scrollen stets einen kleinen Moment.

Das ist das zweite Problem mit Facebook Lite: Wäre es durch das viele Weglassen und Minimieren wenigstens schnell und flüssig, wäre es für manchen Nutzer, der eher an Inhalten anstatt deren Aufmachung interessiert ist, ja durchaus ein Alternative — aber Lite ruckelt an allen Ecken und Enden. Wir können uns nicht vorstellen, dass das auf schwächerer Hardware und bei langsamerer Verbindung besser funktionieren würde. Nutzern mit Einsteiger-Geräten und in Regionen mit schlechter Netzabdeckung tut Facebook mit dieser Lite-Anwendung derzeit also eher einen Bärendienst; die reguläre App jedenfalls flutsch in unserem Test deutlich besser ... gut möglich zwar, das Facebook hier softwareseitig optimieren könnte. Wenn wir uns aber daran erinnern, wie viele Jahre es gedauert hat, bis die eigentliche Facebook-App unter Android einigermaßen performant war, hängen wir unsere Hoffnungen nicht allzu hoch.

Dennoch: Anhand der ersten 800 Bewertungen im Play Store lässt sich ablesen, dass die "leichte" Version der Facebook-App zumindest in den Märkten, in denen sie derzeit offiziell erhältlich ist (namentlich Bangladesch, Nepal, Nigeria, Südafrika, Sudan, Sri Lanka, Vietnam und Simbabwe), sehr gut ankommt — wir gehen davon aus, dass das vornehmlich an dem erwähnten kleinen Speicher-Fußabdruck und eventuell auch an den Einsparungen hinsichtlich der Bandbreite bei der Nutzung liegt.

Daneben gibt es aber auch für hiesige Nutzer noch zwei kleine Lichtblicke: Zum einen setzt Euch die Lite-App (anders als der Besuch der mobilen Webseite) per Push-Benachrichtigungen über Neuigkeiten im Netzwerk in Kenntnis; zum anderen benötigt Ihr den umstrittenen Messenger nicht mehr, da Facebook Lite Euch die Kommunikation innerhalb der kompakten App erlaubt — natürlich aber ohne die sogenannten Chatheads. Dennoch könnte allein das schon ein Grund für viele sein, Lite zumindest auszuprobieren.

Wie eingangs erwähnt findet Ihr Facebook Lite zwar im Play Store, könnt die App von dort aber nicht auf deutsche Geräte installieren. Stattdessen müsst Ihr Euch die APK-Datei aufs Smartphone laden, auf diesem in den Einstellungen die "Installation aus unbekannten Quellen" temporär zulassen und dann die Datei "com-facbook-lite_1.0.0.0.0.apk" aus dem Download-Ordner doppelt antippen.


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