Facebook: Mark Zuckerbergs Mobile-Wette geht auf

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Daumen nach oben:  Die Geschäfte laufen gut in Menlo Park
Daumen nach oben: Die Geschäfte laufen gut in Menlo Park(© 2014 CC: Flickr/queenkv, CURVED Montage)

Es war ein Konzernergebnis wie ein Triumphzug: Facebooks Umsätze stiegen zwischen  Januar und März um 72 Prozent auf respektable 2,5 Milliarden Dollar, während sich die Nettogewinne gar auf 642 Millionen verdreifachten. Das weltgrößte Social Network hat alle Skeptiker Lügen gestraft und sich als zweite Kraft des Webs hinter Google etabliert. Ist langfristig noch mehr drin?   

Auch Mark Zuckerberg kennt Waterloo-Momente. Es war im Juni 2010, als der Facebook-Gründer das erste Mal mit seinem Hoodie auffiel. In einem Interview auf der Digitalkonferenz D8, das Zuckerberg vollkommen entglitt, sollte die bärbeißige Wall Street Journal-Reporterin Kara Swisher ihm sein Markenzeichen auf offener Bühne ausziehen.

Es war eine Demütigung im ganz großen Stil. Zuckerberg, der ewige Nerd und amateurhafte Kommunikator, schwitzte wie ein Stier. Er kam nicht aus dem Hoodie. Er stöhnte. Er war entzaubert. Und schwor insgeheim Rache.

Nach einem vollkommen verpatzten Börsendebüt...

Zwei Jahre später trug Zuckerberg wieder den Hoodie. Diesmal trotzig vor arroganten Analysten in Maßanzügen und Krawatten, die sich für etwas Besseres hielten. Er war immer noch der Nerd, der eine Milliarde Menschen vernetzt und keine Lust auf die Speichelleckereien der Wall Street vor dem langerwarteten Börsengang hatte. Diesmal schwitzte Zuckerberg nicht, er zuckte bloß die Achseln und zog Reißverschluss noch etwas höher.   

Doch die Wall Street rächte sich. Die Facebook-Aktie kam zum Börsendebüt schwer unter die Räder und halbierte sich binnen weniger Monate. Zuckerberg hatte sich verzockt: Der Internet-Überflieger hatte sich den Luxus erlaubt, ohne Mobil-Strategie an die Börse zu gehen. Es gab zwar seit Tag eins des Apple AppStores im Juli 2008 eine Facebook-App, aber  Anstalten, sie zu monetarisieren, machte das Social Network nicht. Facebook war im Jahr 2012 eine Desktop-Story, so verrückt das heute klingen mag.

...folgte ein furioses Comeback dank Mobile-Boom  

Wieder zwei Jahre später spielt es keine Rolle mehr, ob Zuckerberg, der in wenigen Wochen dreißig wird, den Hoodie trägt oder nicht – er hat gewonnen. Das Facebook des Jahres 2014 ist wahrscheinlich das erfolgreichste mobile Internet-Unternehmen der Welt.  Natürlich verdienen Google und auch der chinesische E-Commerce-Champion Aliababa unterm Strich noch mehr, doch kein anderes Internet-Unternehmen hat sich mobil in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten so stark verbessert wie Facebook. 

Wie die gestern vorlegten Quartalszahlen beweisen, ist Facebook zur wahren Gelddruckmaschine avanciert. Bei Umsätzen von immerhin schon 2,5 Milliarden Dollar blieben in den ersten 90 Tagen des Jahres 642 Millionen Dollar hängen. Laufen die Dinge, wie es sich die Analysten vorstellen, dürfte der nach Google zweitwertvollste Internetkonzern dieses Jahr mehr als stolze 10 Milliarden Dollar umsetzen und wohl knapp 3  Milliarden Dollar Gewinn einbehalten.

Zukäufe Instagram und WhatsApp bislang kaum monetarisiert

Mancher wird sich fragen: Wie verdient Facebook eigentlich sein Geld? Der Löwenanteil wird von Online-Werbung bestritten, die wiederum bereits zu 59 Prozent mobil erlöst wird. Bemerkenswert: Die Anzeigen in Form von gesponserten Posts sind so subtil in der Timeline eingebunden, dass sie die wenigsten Nutzer stören bzw. sie sie überhaupt bemerken. Bedeutet im Umkehrschluss: Das weitere Anzeigenpotenzial ist mit etwas aggressiverer Vermarktung bei inzwischen 1,3 Milliarden Nutzern enorm. 

Und dann sind da noch die Zukäufe. Instagram, vor zwei Jahren für gerade mal 715 Millionen Dollar übernommen und heute wohl etwa das Dreißigfache des Kaufpreises wert, hat kaum mit der Monetarisierung begonnen. Neuzukauf WhatsApp, das gerade die 500 Millionen-Nutzer-Marke durchschlagen hat, kratzt mit seinem Abo-Modell ebenfalls nur an der Oberfläche seiner Erlösmöglichkeiten.

Mark Zuckerberg weiß das. „Es war ein großartiger Start in 2014“, kommentierte der Gründer des zehn Jahre alten Netzwerks die erste Geschäftsbilanz des Jahres. "Facebooks Geschäft ist stark und wächst.“  Der Himmel scheint die Grenze zu sein. Oder der Hoodie…


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