Facebook Messenger: Die Privacy-Kritik ist fehlgeleitet

Gab’s schon29
Und täglich grüßt der Bieber: Facebook zieht Eure Nachrichten um
Und täglich grüßt der Bieber: Facebook zieht Eure Nachrichten um(© 2014 Facebook)

Nutzt Facebook den Zwangsumzug auf den Messenger, um mehr Daten aus Euch herauszuquetschen? Die Kritik häuft sich - ist aber fehlgeleitet.

Der Bieber macht Druck. Nein, nicht der Justin Bieber, sondern der Facebook-Bieber. Ihr wisst schon: Das kleine Nagetier, das jetzt jedes Mal auftaucht, wenn Ihr in der regulären Facebook-App versucht, eine Nachricht zu lesen oder zu verschicken. Denn: Facebook verfolgt seit Monaten eine einfache Strategie: eine Funktion, eine App.

Ihr wollt Beiträge lesen auf Facebook? Dann nutzt Paper. Ihr wollt mit Euren Freunden Bilder hin- und herschicken? Dann nutzt Slingshot. Ihr seid ein Promi und wollt direkter mit Euren Fans kommunizieren? Dann nutzt Mentions. Und so lagert das Social Network den Nachrichtenversand auch auf eine gesonderte App aus: den Facebook Messenger.

Die Vorwürfe sind nicht neu - und nicht korrekt

Allerdings mehren sich seit dem Zwangsumzug die Gerüchte, dass die App doch allzu datenhungrig sei. Dabei handelt es sich vor allem um Wiedergekäutes eines HuffPo-Beitrages aus dem vergangenen Dezember. Dabei ging es in erster Linie um die vielen Berechtigungen, die der Messenger unter Android einfordert.

Wir zitieren aus den App-Berechtigungen des Play Stores:

Identität
  • Konten auf dem Gerät suchen
  • Kontaktkarten lesen
Kontakte/Kalender
  • Kontakte lesen
Standort
  • Ungefährer Standort (netzwerkbasiert)
  • Genauer Standort (GPS- und netzwerkbasiert)
SMS
  • SMS oder MMS bearbeiten
  • SMS empfangen
  • SMS oder MMS lesen
  • SMS senden
  • MMS empfangen
Telefon
  • Telefonnummern direkt anrufen
  • Anrufliste lesen
Fotos/Medien/Dateien
  • Zugriff auf geschützten Speicher testen
  • USB-Speicherinhalte ändern oder löschen
Kamera/Mikrofon
  • Bilder und Videos aufnehmen
  • Audio aufnehmen
WLAN-Verbindungsinformationen
  • WLAN-Verbindungen abrufen
Geräte-ID & Anrufinformationen
  • Telefonstatus und Identität abrufen
Sonstige
  • Daten aus dem Internet abrufen
  • Dateien ohne Benachrichtigung herunterladen
  • Beim Start ausführen
  • Ruhezustand deaktivieren
  • Netzwerkverbindungen abrufen
  • Verknüpfungen installieren
  • Audio-Einstellungen ändern
  • Google-Servicekonfiguration lesen
  • Über anderen Apps einblenden
  • Zugriff auf alle Netzwerke
  • Synchronisierungseinstellungen lesen
  • Vibrationsalarm steuern
  • Netzwerkkonnektivität ändern

Liest sich doch gleich wie der Lauschangriff in der Hosentasche, oder? Mehr noch: Die App nimmt sich das Recht heraus, eigenständig Telefonnummern anzurufen. Geht's noch?

Ja, durchaus. Denn das Problem ist nicht hausgemacht, sondern die Konsequenz der mitunter kruden Rechte-Politik unter Android. Sagt Facebook. Denn tatsächlich ist es nicht möglich, detailliert eigene Rechte beim Nutzer für eine App-Nutzung einzufordern. Vielmehr muss man aus einem vordefinierten Set auswählen. Um dem Problem entgegenzuwirken, hat das Social Network sogar einen längeren Support-Beitrag verfasst. So ist etwa mit "Telefonnummern direkt anrufen" nicht gemeint, dass die App ungefragt kostenpflichtig ohne Wissen des Nutzers Nummern wählt. Es geht lediglich um die Erlaubnis, dass Nutzer aus der Messenger-App auf Wunsch einen Kontakt direkt anrufen können. Dort heißt es auch: "Bitte denkt daran, dass Google darüber entscheidet, wie die zu vergebenden Rechte genannt werden."

Ein Beleg dafür ist die andere Rechtevergabe bei der Installation unter iOS. Apples Betriebssystem gebe, so Facebook, mehr Möglichkeiten zur Individualisierung. So können Nutzer außerdem entscheiden, ob sie der App Zugriff aufs Mikrofon oder die Kontaktliste sowie den Fotostream geben wollen - und die App dennoch installieren. Unter Android benötigt es die volle Zustimmung, bevor sich die Anwendung herunterladen und installieren lässt.

Ist der Zwangsumzug zum Messenger also der Versuch, von den Nutzern mehr Daten abzugreifen? Nein. Vielmehr ist der Fall ein Beleg mehr, dass es eine verbesserte Rechte-Politik bei der Installation von Apps aus dem Play Store braucht.

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