Filmkritik zu "Ant-Man and the Wasp": So gut ist der neue Marvel-Streifen

Diesmal im Team: Scott und Freundin Hope.
Diesmal im Team: Scott und Freundin Hope.(© 2018 Marvel)

Nach dem Verschwörungsthriller "Back Panther" im Februar und dem düsteren Meisterstück "Avengers: Infinity War" im April geht im Juli für Marvel-Fans endlich wieder eine freundlichere Sonne auf. "Ant-Man and the Wasp" steht im Ruf, eine locker-leichte Komödie zu werden. Stimmt das?

Bereits "Ant-Man", der 2015 in die Kinos kam, war im Kern eine durchgeknallte Komödie, auch wenn die Einbruchs-Aspekte im Film eine große Rolle spielten. Obwohl der britische Regisseur Edgar Wright das Projekt vor Drehstart verlassen hatte, steckte im von ihm verfassten Drehbuch, das schließlich Peyton Reed umsetzte, noch viel Humor. Reed durfte auch für den zweiten Teil ran – wieder ein großer Spaß?

Ant-Man und Partnerin Wasp im Einsatz.

Die Handlung

Scott Lang (Paul Rudd) musste seine Mitwirkung auf der Seite von Captain America in "Civil War" bitter bezahlen. Seit Jahren sitzt er mit einer elektronischen Fußfessel zu Hause fest, darf weder sein Grundstück verlassen, noch jemals wieder als Ant-Man in Erscheinung treten. Aber ausgerechnet wenige Tage vor dem Ende seiner Strafe hat Scott einen sehr realistischen Traum von Janet van Dyne (Michele Pfeiffer), der ersten "Wasp" und Frau von Hank Pym (Michael Douglas). Die wurde seit 30 Jahren für tot gehalten, nachdem sie bei einem Einsatz auf subatomare Ebene schrumpfte und als im Quantum-Realm verloren galt.

Doch seitdem Scott selbst einmal dort war und überlebte, hegen Pym und seine Tochter Hope (Evangeline Lilly) wieder Hoffnung – und Scotts Bericht von seinem Traum bestärkt die beiden darin. So muss Scott wieder zu Ant-Man werden, denn sowohl der Gangster Sonny (Walter Goggins) als auch die unheimliche "Ghost" (Hannah John-Kamen) sind, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven, hinter Hanks tragbarem Geheimlabor her, mit dem er Janet finden will. Kann Scott die Familie wieder zusammen bringen, ohne dafür 20 Jahre in den Knast zu wandern?

Der brillante Wissenschaftler Hank Pym will seine verschollene Frau Janet retten.

Federleichter Quatsch

Bei Licht betrachtet sind die Fähigkeiten von Ant-Man wohl die unglaubwürdigsten aller Marvel-Kinohelden. Doch Peyton Reed macht erneut genau aus dieser Schwäche eine Tugend und präsentiert den zweiten Film um den kleinen Helden als noch größeren Spaß-Quatsch als Teil eins. Hatte der Vorgänger schon ein paar echt wilde Ideen, wie die hundsgroße Ameise, so gehen dem Drehbuch-Quintett, zu dem auch Star Paul Rudd gehörte, endgültig die Gäule durch. Ob eine ganze Kollektion von Autos, die auf Knopfdruck zu Matchbox-Größe schrumpfen oder Süßigkeiten-Spender in der Größe von Stahlträgern – den Autoren ist nichts zu wild, so lange es optisch effektiv und lustig ist.

Da fällt es gar nicht so sehr ins Gewicht, dass die Story des neuen Marvel-Blockbusters sehr dünn ist. Drei verschiedene Gruppen jagen alle demselben Gegenstand nach – viel mehr hat die Geschichte nicht zu bieten. Das ist wirklich nicht viel, funktioniert aber trotzdem gut, weil Peyton Reed seine Helden kennt und auch den witzigen Nebencharakteren wie Scotts Freundestrio oder seiner Ex-Frau samt Cop-Gatten Platz für lustige Momente einräumt und in einigen Szenen sogar echte Slapstick-Feuerwerke zündet. So sorgt beispielsweise eine Fehlfunktion in Scotts Ant-Man-Anzug für eine der witzigsten Szenen im ganzen Film.

Die geheimnisvolle Ghost ist hinter Pyms Erfindung her.

Pures Popcorn-Kino

Humor wurde bei Marvel schon immer deutlich größer geschrieben als beim Konkurrenten DC, die ihre Superhelden bislang meist allzu ernst auf die Leinwand brachten. Bei Filmen wie "Thor: Tag der Entscheidung" schossen die Macher um Mastermind Kevin Feige aber auch schonmal übers Ziel hinaus und präsentierten den Untergang Asgards, wahrlich kein lustiger Stoff, als gagstrotzende Komödie. Das passt bei "Ant-Man and the Wasp" deutlich besser, denn hier ist auch die dünne Story komödiengeeignet, die zwar durchaus auch mal dramatisch wird, aber nie ihre Leichtigkeit verliert.

Und so tischt Reed seinem Publikum einen Lacher nach dem anderen auf und setzt dabei ganz nebenbei Hope van Dyne als neue  Actionheldin in Szene, denn den Löwenanteil der coolen Kämpfe darf der flugfähige weibliche Winzlings-Held für sich verbuchen. Das kann sicherlich bereits als Anfang der Entwicklung angesehen werden, die laut Kevin Feige mit Phase 4 kommen soll – deutlich mehr weibliche Helden. Evangeline Lilly erledigt den Heldenjob jedenfalls ausgezeichnet und darf gern in kommenden Filmen wieder dabei sein.

Bei den beiden Post-Credit-Szenen ist der Unterschied gewaltig. Die erste ist großartig und stellt die Weichen für kommende Filme, die zweite komplett überflüssig – und mit wenigen Sekunden auch sehr kurz.

Fazit

"Ant-Man and the Wasp" bietet zwei Stunden puren Spaß, weil sich der Streifen keine Sekunde ernst nimmt und bis an die Grenze zur Albernheit geht, um das Publikum zu amüsieren. Wie bei Marvel gewohnt, passiert das natürlich tricktechnisch auf hohem Niveau. Dem grandiosen ersten Teil kann die Fortsetzung aber nicht ganz das Wasser reichen.

"Ant-Man and the Wasp" startet am 26. Juli 2018 in den deutschen Kinos.


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