Filmkritik zu "Aquaman": Taucht DC aus der Versenkung auf?

Grimmiger Held: Aquaman bleibt sich in seinem Film treu.
Grimmiger Held: Aquaman bleibt sich in seinem Film treu.(© 2018 Warner Bros.)

Bisher konnte das DC-Comic-Universum seine Fans weltweit noch nicht mit sonderlich vielen Filmen wirklich begeistern. Lediglich "Wonder Woman" kam in den vergangenen Jahren richtig gut an. Kann "Aquaman" ebenfalls überzeugen oder säuft DCs neuster Streifen gnadenlos ab?

Warner Bros hat es mit seinen eingekauften DC-Lizenzen wahrlich nicht gerade leicht. In den vergangenen Jahren hat außer der unsterblichen Amazone kein Film gute Kritiken bekommen. Die düsteren "Zack Snyder"-Filme kamen ebenso wenig an wie der deutlich lustigere, aber durch zwei Regisseure sehr unrunde "Justice League". Was kann Horror-Spezialist James Wan ("The Conjuring") nun mit "Aquaman" reißen?

Die Handlung

Der Leuchtturmwärter Tom Curry (Temuera Morrison) findet eines Nachts eine verletzte Frau (Nicole Kidman) am Strand seiner kleinen Insel. Er pflegt sie gesund und bald verlieben sich der Mensch und Atlanna, die Königin von Atlantis, ineinander – Arthur wird geboren. Doch das Glück währt nicht lange: Die Atlanter schicken Truppen zur Insel, um Atlanna zurückzuholen. Um Mann und Kind nicht zu gefährden, willigt sie ein.

Um die Familie zu schützen, muss Arthurs Mutter nach Atlantis zurückkehren.(© 2018 Warner Bros.)

Als Erwachsener besitzt Arthur Curry (Jason Momoa) die Kräfte der Atlanter, kann unter Wasser atmen, schnell schwimmen und ist kugelsicher. Aus dem Königreich seiner Mutter, in dem nun sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) regiert, hält er sich aber fern. Doch eines Tages kommt Prinzessin Mera (Amber Heard) zu ihm, um ihn in die Pflicht zu nehmen. Orm will die Oberflächenbewohner mit Krieg überziehen – und nur Arthur alias Aquaman kann ihn aufhalten. Wenn er ein machtvolles, längst verschollenes Artefakt findet …

Nettes Durcheinander

Regisseur James Wan schien bei seinem "Aquaman" eine klare Prämisse gehabt zu haben – so viel Unterhaltung in den Film zu packen wie irgend möglich. Deshalb sind auch viele Szenen zumindest von anderen Blockbustern inspiriert, wenn nicht kopiert. Da gibt es eine "Indiana Jones"-Ähnlichkeit ebenso wie Anleihen bei "Avatar" und vielen anderen Hits der vergangenen Jahrzehnte. Daraus bastelt das Team um Wan ein Drehbuch, das nicht nur knapp 150 Minuten braucht, bis es seine Story erzählt hat – sondern auch den düsteren Grundton der DC-Vorgängerfilme verlässt. Und so geraten weite Teile des Unterwasserspektakels trotz einiger eher seltsamer Entscheidungen recht unterhaltsam.

Zwischen Amber Heard und Jason Momoa stimmt die Chemie auf der Leinwand.(© 2018 Warner Bros.)

Das ist definitiv Jason Momoa zu verdanken, der seinen Aquaman so beibehält, wie er in "Justice League" bereits zu sehen war: als grummeligen Kämpfer für das Gute, der sich ungern anpasst und am liebsten für sich bleibt. Dass ausgerechnet ihm mit Mera eine Partnerin an die Seite gestellt wird, macht ihm Probleme – und dem Publikum immer wieder Spaß. Da die Chemie zwischen Momoa und Heard gut funktioniert, sorgen die kleinen Reibereien zwischen ihnen immer wieder für launige Momente. Und auch der Rest der Schauspieler arrangiert sich mit den recht eindimensionalen Rollen gut und bietet Comicfans eine ordentliche Ladung markiger Sprüche.

Action satt

Den Fokus legt Wan aber auf die Action. In seinen fast zweieinhalb Stunden hetzt er Aquaman und Mera nicht nur um den halben Globus, sondern auch in zahlreiche Kämpfe, die allesamt sauber choreografiert und dynamisch inszeniert sind. Und erfüllt damit schon einmal das wichtigste Kriterium für einen gelungenen Superhelden-Film. Dazu gelingt es ihm immer wieder, seine Helden und Schurken derart episch einzufangen, dass Standbilder der Szene locker in jedem Comicheft Verwendung finden könnten. Selbst die Farbgebung des Films passt Wan dem Comiclook an. Wer also nicht nur die Filme mag, sondern auch die Vorlagen, der hat bei „Aquaman“ gleich noch mehr Spaß beim Zusehen.

Die Action kommt in "Aquaman" natürlich nicht zu kurz.(© 2018 Warner Bros.)

Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film auch Schwächen hat. So ist die Story zwar lang, aber nicht wirklich originell, das CGI-Effektegewitter wird vor allem gegen Ende wieder zu viel – wie in fast jedem DC-Film bisher – und auch der Soundtrack birgt manche arg seltsame Entscheidung, die für Stirnrunzeln sorgt. Dank eines extrem coolen Jason Momoa und einem sehr viel helleren Grundton als bisher gehört "Aquaman" aber in jedem Fall zu den bisher besseren Versuchen, den DC-Helden auf der Leinwand ein neues Zuhause zu geben. Denn auch wenn Warner hier sicher kein tiefgründiges Werk präsentiert, so hat der Film doch auch kaum Längen, gute Action und den nötigen Schuss Humor, um zu unterhalten. Allerdings werden jüngere Zuschauer hier sicher mehr Spaß haben als ältere. Denn für die sind viele der Szene noch neu, die erfahrene Filmfans anderen Werken zuordnen können.

Fazit

James Wan inszeniert seinen "Aquaman" als knallbuntes Popcorn-Kino, das vor allem eines tun soll: Spaß machen. Und so stopft der Horror-Spezialist seinen Film derart mit Action und coolen CGI-Kreaturen voll, dass vor allem jüngere Comicfans voll auf ihre Kosten kommen. Ganz klar einer der besseren DC-Filme der vergangenen Jahre!


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