Filmkritik zu "Deadpool 2": Sprücheklopfen als Superkraft

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Deadpool sucht Trost bei Blind Al.
Deadpool sucht Trost bei Blind Al.(© 2018 Fox)

Zwei Jahre nach seinem ersten Abenteuer kehrt Deadpool diese Woche auf die Leinwand zurück – und hat sich nicht verändert. Noch immer würde der unkaputtbare Mutant lieber eine Hand verlieren – die ja nachwächst – als sich einen dummen Spruch zu verkneifen. Kann Teil 2 mit dem wunderbaren Erstling mithalten?

Einen Vater des Erfolgs hat es bereits bei den Dreharbeiten zum zweiten Teil gerissen: Tim Miller, Regisseur des ersten "Deadpool"-Films, geriet angeblich über die kreative Ausrichtung des Films in Streit mit dem Star Ryan Reynolds – und zog den Kürzeren. Man beeilte sich zwar, ein freundschaftliches Ausscheiden aus dem Projekt zu vermelden, aber es wurde doch klar: Fox nimmt den möglichen Box-Office-Erfolg des zweiten Films trotz des lustigen Inhalts sehr ernst. Muss das Studio um seine eingesetzten Millionen fürchten?

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Die Handlung

Eigentlich könnte Wade Wilson (Ryan Reynolds) alias Deadpool nicht glücklicher sein: Seine Beziehung zu Vanessa (Morena Baccarin) ist wieder intakt und die Aufträge als Elitekiller kommen reichlich. Doch von einem Moment zum anderen gerät Deadpools Leben erneut aus den Fugen und er steht vor den Trümmern seiner Existenz. Gut, dass der russische X-Man Colossus an Deadpool einen Narren gefressen hat und den ewig redenden Überlebenskünstler in die X-Mansion holt, um ihn zu einem der ihren zu machen.

Aber schon der erste Einsatz als X-Man geht für Deadpool deutlich schief. Weil er sich auf die Seite des jungen Russell alias Firefist schlägt, der sich für seine schreckliche Kindheit in einem Waisenhaus am Personal rächen will, landet er gemeinsam mit dem Jungen in einem Hochsicherheitsknast für Mutanten. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, taucht auch noch der geheimnisvolle Cable (Josh Brolin) aus der Zukunft auf, um Russell zu töten, bevor der als erwachsener Mann zum berüchtigten Killer wird. Kann Deadpool das Leben von Russell retten und ihn auf die richtige Bahn lenken, bevor Cable seinen tödlichen Plan umsetzt?

Alles für den Spaß

Obwohl sich die Autoren Mühe geben, hier einen halbwegs vernünftigen Plot zu zimmern und ihn mit vielen Actionsequenzen zu füllen, spielt es bei "Deadpool 2" eigentlich keine Rolle, welche Geschichte der Film nun wirklich erzählt. Denn es geht hier ausschließlich darum, Deadpool in schräge Situationen zu bringen, in denen er seinen noch schrägeren Humor im Dauerfeuer auf den Zuschauer abfeuern kann.

Domino hat einfach unverschämtes Glück - ihre Mutantenkraft.

Und das tut Reynolds, der auch am Drehbuch mitarbeitete, ebenso souverän und überdreht wie im Vorgänger. Der Kanadier hat den Charakter schlicht und einfach verinnerlicht und wirkt in jeder Szene so spontan, als habe er sich den Spruch tatsächlich gerade eben erst ausgedacht. Und Sprüche gibt es auch im zweiten Teil reichlich, von denen die meisten so witzig sind, dass man bei der Geschwindigkeit, in der sie fallen, aus dem Grinsen kaum herauskommt.

Dazu kommt mit dem neuen Regisseur David Leitch ("John Wick", "Atomic Blonde") ein absoluter Actionspezialist, der die Fights und Katastrophen eine ganze Spur besser inszeniert als Miller im ersten Versuch. Dabei hat allerdings das deutlich höhere Budget sicher auch geholfen.

Für Comicfans zweischneidig

Wo eine Figur derart dominiert, bleibt logischerweise weniger Platz für andere. Wer sich also auch auf jede Menge coole Szenen mit dem spannenden Helden Cable gewünscht hat oder dachte, er würde richtig viel vom neuen "X-Force"-Team sehen, mag ein wenig enttäuscht sein. Auch Cable und Domino (Zazie Beetz), die beiden wichtigsten Nebenrollen, sind kaum mehr als Staffage für weitere Witze und bekommen weder eine Hintergrundstory noch einen wirklich vernünftigen Grund, in der Handlung zu sein. Mit den Comicvorbildern haben die beiden jedenfalls nicht so viel zu tun, wie man sich als Fan vielleicht gewünscht hätte.

Der junge Russell muss im Leben etliche Tiefschläge einstecken. Macht ihn das zum Killer?

Dafür haben Reynolds und die beiden Autoren Rhett Reese und Paul Wernick, die schon den ersten Teil schrieben, dieses Mal noch mehr Anspielungen auf anderen Filme, das Marvel-Universum und Seitenhiebe auf weniger gelungene Umsetzungen von Superheldenfilmen untergebracht. So wird von Deadpool, der als einziger weiß, dass er eine Comicfigur ist, wieder reichlich abgelästert – ob über DC oder Marvel. Lediglich einen Witz über Disney soll Fox aus dem fertigen Film entfernt haben. Diese stetig überdrehter werdende Story gipfelt schließlich in der Port-Credit-Szene zum absoluten Humor-Overkill, wenn Deadpool Dinge tut, die man sehen muss, um sie zu glauben. Für Fox dürfte der Film kein Verlustgeschäft werden, so viel ist sicher.

Fazit

Deadpool 2 erzählt weder eine richtig packende Story, noch ist die Action so bahnbrechend, dass man vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommt. Das schafft aber Reynolds als Revolverklappe Deadpool, der die boshaften Sprüche derart unverfroren und schmerzfrei raushaut, dass man es kaum für möglich hält. Wer Teil eins schon wegen des schrägen und unkorrekten Humors mochte, wird Deadpool 2 lieben. Comicpuristen verdrücken dagegen eine Träne ob der verpassten (X-Force)-Chancen.


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