Fitbit, Jawbone & Co: Das können Fitnesstracker-Apps

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Nicht jede App motiviert gleichermaßen dazu sich mehr zu bewegen.
Nicht jede App motiviert gleichermaßen dazu sich mehr zu bewegen.(© 2015 CC: Flickr/János Balázs)

Die schönste Hardware wird nutzlos, wenn ihre Software nichts taugt. Das gilt besonders bei Fitnesstrackern, bei denen die zugehörige App für die Motivation zu mehr Bewegung sehr wichtig ist. CURVED sagt Euch, wie sich die Programme der wichtigsten Smartbands unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten sie haben.

Die Hardware und vor allem die Zählgenauigkeit der verschiedenen Fitnesstracker habe ich mir ja bereits genauer angeschaut. Heute werfe ich einen Blick auf die zugehörigen Apps, denn beim Kauf einer solchen Motivationshilfe spielen nicht nur das Design, der Tragekomfort und die Präzision eine Rolle, sondern auch die Funktionalität der zugehörigen Anwendung – und da gibt es große Unterschiede.

Fitbit

Die Fitbit-App funktioniert mit allen Fitnesstrackern des Herstellers wie dem Flex, dem Charge oder dem Charge HR. Ihr könnt allerdings immer nur ein Gerät zur Zeit mit der Anwendung verknüpfen, wobei sich der Funktionsumfang je nach Modell leicht unterscheidet, da nicht alle Stockwerke zählen oder Euren Puls messen.

In jedem Fall zeigt Euch die App aber an, wie viele Schritte Ihr gelaufen seid und welche Strecke Ihr dabei zurückgelegt sowie die dabei verbrauchten Kalorien an. Nicht fehlen dürfen die aktiven Minuten und bei den Smartbands auch Zahlen zum Schlaf. Selber eintragen könnt Ihr zu Euch genommene Kalorien – mit Hilfe einer umfangreichen Datenbank – und die tägliche getrunkene Menge an Wasser. Ein Klick auf die jeweiligen Werte führt zu einem Tagesverlauf und einer Übersicht der letzten Tage.

Fitbit setzt darüber hinaus auf eine motivierende Gemeinschaft. Angeblich sind Nutzer mit mindestens einem Freund 27 Prozent aktiver als Benutzer ohne virtuelle Freunde. Hier hilft die soziale Kontrolle, den inneren Schweinehund zu überwinden. Immer nur die Daten der anderen zu sehen, wird auf Dauer langweilig.

Damit Ihr aber langfristig motiviert seid, könnt Ihr jederzeit einen von vier Wettkämpfen - die meisten Schritte an einem Tag, an einem Wochenende, in fünf Tagen oder bis zu einem bestimmten Datum - mit Personen Eurer Wahl starten. Durch das viele Weiß, das von etwas Farbe unterbrochen und strukturiert wird, wirkt die Oberfläche der Fitbit-App übersichtlich und ansprechend.

Jawbone Up

Die App von Jawbone ist ebenfalls für die verschiedenen Fitnesstracker des Herstellers ausgelegt. Im Fokus von Jawbone Up stehen optisch die zurückgelegten Schritte und die im Bett verbrachte Zeit. Ein Kick auf die Balken bringt Euch zu einer detaillierten Verlaufsansicht für den aktuellen Tag, die in Form einer Zeitleiste auch einen Blick in die Vergangenheit ermöglicht.

In der unteren Hälfte der Startseite erscheint der Up Feed, in dem wichtige Meilensteine von Euch und Euren Teammitgliedern auftauchen. Ja, auch bei dieser App könnt Ihr in Konkurrenz zu Euren Freunden und anderen Nutzern treten.

Darüber hinaus könnt Ihr die App mit anderen Anwendungen wie MyFitnessPal, IFTTT, RunKeeper, MapMyFitness, Strava oder Nest zwecks Datenaustausch verknüpfen. Selbstverständlich dient die App auch dazu, die Fitnesstracker von Jawbone zu verwalten und zum Beispiel den Schlafmodus ein- und auszuschalten.

Ich fand das Design und vor allem die Menüführung von Jawbone Up am Anfang verwirrend. Die Nuzteroberfläche ist aber nicht hässlich, und nach einigen Tagen hat man auch den Aufbau verstanden und findet sich gut in der Anwendung zurecht.

Misfit

Optisch wirkt die App von Misfit sehr schlicht. Es dominieren Weiß, Schwarz und Orange als Schmuckfarbe. Im Hauptfenster wartet eine Übersicht der gelaufenen Schritte und der Schlafaktivität auf Euch - jeweils mit einem Verlaufsdiagramm. Per Facebook könnt Ihr mit Euren Freunden in Verbindung treten und darum wetteifern, wer mehr Schritte macht. Auf Badges oder andere Auszeichnungen zur Motivation verzichtet die App allerdings.

Zusätzliche Funktionen bietet die Misfit-App im Vergleich nur wenige an. Aber immerhin könnt Ihr sie zum Datenaustausch mit anderen Anwendungen wie MyFitnessPal, RunKeeper, MapMyFitness oder IFTTT verknüpfen.

Sony Lifelog

Sony hat keine eigene App für seine Fitnesstracker wie das SmartBand Talk. Sie übertragen Ihre Daten in die Lifelog-App des Herstellers, die wie der Name nahelegt, das ganze Leben festhält.

Und so zeigt die App nicht nur mit Hilfe von Wearables an, wie viel man gelaufen ist, wie viele Kalorien man verbrannt oder wie lange man geschlafen hat, sondern auch, wann Ihr telefoniert, eine SMS verschickt oder ein Foto aufgenommen habt und wie das Wetter in den jeweiligen Momenten war.

Als Tagebuch mag die Lifelog-App hilfreich sein, aber als App für einen Fitnesstracker sind es mir zu viele nicht benötigte persönliche Daten, die die Anwendung sammelt. Zudem sagt mir die Optik nur bedingt zu. Ich finde sie nicht schön und wenig übersichtlich. Dazu trägt auch die Fülle an überflüssigen Informationen ihren Teil bei.

Garmin Connect

Optisch spricht mich Garmin Connect überhaupt nicht an. Ich finde die dunklen Farben und die verschiedenen Karten für Schritte, Kalorien, Schlaf, Aktivitäten, persönliche Bestzeiten, Strecken und Trainings unübersichtlich - auch wenn ich nichtbenötigte ausblenden kann.

Diese thematische Auswahl macht schon deutlich, dass Garmin nicht nur Spaziergänger im Visier hat, sondern auch Amateur- und Hobby-Sportler zufrieden stellen will, was angesichts von Uhren wie der Garmin Forerunner 220 kein Wunder ist.

Zusätzlich setzt Garmin auf eine sich selbst motivierende Community. Ihr könnt Euch mit anderen Nutzern befreunden und bekommt anschließend deren Aktivitäten in einem Newsfeed angezeigt, könnt an Challenges teilnehmen, Euch in Gruppen zusammenschließen und Bestenlisten für Schritte, Laufen Radfahren und Schwimmen ansehen. Die Connect-App behält ihre Daten für sich, Verknüpfungen zu anderen Apps sind bisher nicht möglich.

Runtastic Me

Runtastic Me ist die App für den Runtastic Orbit. Sie zeigt nur die von dem Armband gesammelten Daten an und dient dazu, seine Einstellungen zu verändern. Optisch finde ich sie ansprechend, auf zusätzliche Funktionen wie eine Lebensmitteldatenbank, Wettkämpfe gegen Freunde oder motivierende Auszeichnungen müsst Ihr allerdings verzichten - zumindest direkt in der App.

Zwar lässt sich die Me-App mit der Lauf-App von Runtastic koppeln, allerdings nur, um deren aktuellen Laufdaten beim Joggen auf dem Display anzuzeigen. Eine Datenweitergabe vom Orbit zu Eurem Runtastic-Profil ist momentan nicht möglich. Was den Anbieter nicht daran hindert, Euch seine anderen Fitness-Apps anzupreisen.

Darüber hinaus vermisse ich eine Wochen- und Monatsübersicht, denn bisher zeigt die App die Daten immer nur für einen Tag zur Zeit an. Frech finde ich zudem, dass die Anwendung ständig alleine Bluetooth einschaltet, um die Daten vom Orbit zu übertragen - selbst wenn Ihr die Synchronisation zum Strom sparen ausschaltet.

Withings Health Mate

Die Health-Mate App von Withings ist Sammelstelle für die Daten verschiedener Geräte des französischen Herstellers. So erfährt sie zum Beispiel von der Waage "Smart Body Analyzer" neben dem Gewicht und dem Körperfettanteil noch Eure Herzfrequenz und die Luftqualität im Raum. Der Withings Pulse liefert vom Handgelenk aus Daten über Eure Aktivitäten, Euren Schlaf sowie Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung. Die schicke Uhr Activité zählt dagegen nur Schritte und beobachtet Euch beim Schlafen.

Die aktuellen Schritte zeigt die App ganz oben an, darunter befindet sich eine Zeitleiste mit wichtigen Ereignissen. Ein Klick auf die Schritt-Grafik für zu einer detaillierten Tagesansicht. Angaben zum täglichen Gewicht und Blutdruck könnt Ihr auch von Hand hinzufügen und bei Bedarf zählt die App Eure Schritte auch mit Hilfe der Sensoren im Smartphone.

Und auch Health Mate bietet Euch die Möglichkeit mit Freunden in einen Wettbewerb zu treten sowie die Daten mit den Partner-Apps von MyFitnessPal, RunKeeper oder BodyMedia zu teilen. Als Belohnung für Meilensteine verteilt die Anwendung kleine Auszeichnungen.

Ein kurzer Hinweis noch zum Schluss: Ich habe mir die Android-Versionen der Apps angeschaut. Teilweise gibt es bei den iOS-Versionen kleine Unterschiede im Design und mitunter auch bei den Funktionen. So kann zum Beispiel bisher nur die iOS-Variante von Health Mate Daten mit der Withings Activité synchronisieren. Die Android-App soll erst Ende Februar 2015 so weit sein. Außerdem könnt Ihr mit der Kamera des iPhone Euren Puls im Zeigefinger messen, mit Android-Smartphones geht es nicht.

Zünglein an der Waage statt KO-Kriterium

Die gute Nachricht: Keine der Apps ist so schlecht, dass sie mich vom Kauf eines der Fitnesstrackers abhalten würde, wenn die Hardware wirklich gelungen ist. Könnte ich mich aber nicht zwischen zwei Geräten entscheiden, so wäre die Software das Zünglein an der Waage.

Höchstens von Sony würde ich mir eine App wünschen, die einen klaren Fokus auf Gesundheits- und Fitness-Aspekte legt und nicht als Tagebuch für das ganze Leben dient. Je nachdem, was Euch besonders wichtig ist, wie etwa die Protokollierung der Nahrungsaufnahme, die nicht zum Standard-Funktionsumfang der Programme gehört, kann die App auch deutlich stärker in die Kaufentscheidung mit einfließen.


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