Flops in Serie: Geht DC's Superhelden die Kraft aus?

Sehen wir diese Helden noch einmal gemeinsam?
Sehen wir diese Helden noch einmal gemeinsam?(© 2018 Warner Bros. Picture)

Eigentlich wollte der Time-Warner-Konzern dem Konkurrenten Disney das luktrative Superheldenfilm-Business nicht kampflos überlassen. Doch bislang gehen die ehrgeizigen Pläne des Studios ins Leere. Woran liegt das? Welche Filme kommen noch? Und um welche Helden müssen Fans nun fürchten?

Dicke Luft bei DC! Vor Kurzem wurde bekannt, dass Time Warner einen der bisherigen Chefs der DC-Filmabteilung, Jon Berg, gegen Walter Hamada, vorher Chef von New Line, ausgetauscht hat. Geoff Johns, auch kreativer Chef der DC-Comics, bleibt zwar weiterhin mitverantwortlich. Doch offenbar soll Hamada der neue starke Mann der DC-Filme werden und somit das Gegenstück zu Kevin Feige bei Marvel bilden. Aber wird das reichen?

"Arrow" ist ein Erfolg für DC - ins Kino ließen sie ihn dennoch nicht.

Die guten, gar nicht so alten Zeiten

Heute kaum zu glauben, aber es gab eine Zeit, in der beherrschte DC den zugegebenermaßen damals übersichtlichen Superhelden-Kinomarkt eindeutig. Erst schickten sie Superman, gespielt von Christopher Reeve, in insgesamt vier Abenteuern auf die Leinwand. Denn kamen die ersten beiden Batman-Filme von Regisseur Tim Burton, denen zwei weitere, deutlich schlechtere, folgten. Aber in all der Zeit war von Marvel im Kino weit und breit nichts zu sehen. Und auch, als es erste Gehversuche der Helden von Stan Lee im Kino gab, zuerst mit den Spider-Man-Filmen von Sam Raimi, da galt Christopher Nolans Batman-Trilogie als das Maß aller Superhelden-Dinge. Zwar hatten die X-Men bereits an der Kinokasse eingeschlagen, aber die Rechte hatte Marvel an Fox verkauft und hatte mit dem Erfolg ihrer Helden denkbar wenig zu tun. Erst 2008 tauchte Marvel selbst mit "Iron Man" auf der Bildfläche auf – und legte sofort einen Megahit hin. Nun war das Rennen um die Publikumsgunst zwischen den beiden großen UIS-Comicverlagen offiziell eröffnet.

Was lief falsch?

DC schien wie gelähmt zuzusehen, wie Marvel aus dem einen Erfolg schnell mehrere machte. Und schon im ersten Film war absehbar, dass Marvel einen groß angelegten Plan verfolgte: Das Marvel Cinematic Universe entstand. Schon im ersten "Iron Man" ließ sich ein gewisser Nick Fury sehen, der bald die Fäden mehrerer Helden zusammenhalten und die Avengers ins Leben rufen sollte – einen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Konnte DC anfangs noch mit dem Meilenstein "The Dark Knight" und "Watchmen" dagegen halten, so brachten sie später Gurken wie "Jonah Hex" und "Green Lantern" ins Kino – und bezogen von Publikum und Fans fürchterlich Prügel. Ganz offensichtlich fehlte DC ein Konzept, wie es Marvel verfolgte.

Stattdessen verlegte sich DC auf TV-Serien und machte dort zunächst einen guten Job. Nach dem Erfolg von "Arrow" erweiterte der zuständige Showrunner Greg Berlanti das TV-DC-Universum bald um "Flash", dann kamen die "Legends of Tomorrow" und "Supergirl" dazu. "Black Lightning" ist auf Netflix verfügbar, spielt aber nicht im Arrow-Universum. Doch auch hier konnte Marvel kontern und brachte mit "Agents of SHIELD" und in Koproduktion mit Netflix "Daredevil" heraus – klarer Punktsieger unter allen Superhelden-Serien. Mit "Jessica Jones" legte Marvel dann gleich noch nach. Dazu machte der Verlag klar, dass es bei Marvel nur ein großes Universum gäbe, in dem alle Kinofilme und Serien beheimatet seien – und unterstrichen das mit regelmäßigen Verbindungen zwischen den SHIELD-Agenten und den Avengers.

Die SHIELD-Agenten sind auch als TV-Serie Teil des Marvel-Cinematic-Universe.

Und wieder machte DC einen Fehler, die Popularität ihrer Serien nicht zu nutzen. Statt mit Darstellern wie Stephen Amell und Grant Gustin auch Kinoauftritte zu planen, trennten die Macher ganz offiziell TV- und Kino-Universum. Zudem legten sie die Zukunft ihrer Helden im Kino in die Hände von Zack Snyder. Der hatte bewiesen, dass er mit guten Vorlagen ausgezeichnete Filme machen konnte, das "Dawn of the Dead"-Remake, "300" und "Watchmen" zeigten das deutlich. Aber Snyder hatte auch schon angedeutet, dass er kein guter Drehbuchautor war, sein selbstgeschriebenes Projekt "Sucker Punch" floppte derbe.

Dennoch gab DC ihm grünes Licht für "Man of Steel". Obwohl die Story von David S. Goyer stammte, der auch bei der Batman-Trilogie von Nolan als Autor dabei gewesen war, waren die Fans über den Film geteilter Meinung. Die nächste Zusammenarbeit der beiden an "Batman vs Superman" spielte zwar Geld ein, aber die meisten DC-Fans hassten den Film regelrecht. Doch noch immer hielt DC an Snyder fest, der nun den nächsten wichtigen Schritt plante: "Justice League", das Gegenstück zu Marvels Avengers. Währenddessen setzte David Ayer auch noch "Suicide Squad" vor die Wand, der trotz guter Ergebnisse an der Kasse fast ebenso gehasst wurde wie "Batman vs Superman".

Als dann im Frühjahr 2017 ein privates Unglück Snyder zwang, "Justice League" in andere Hände zu geben, holte DC Joss Whedon an Bord, der bereits einen "Batgirl"-Film für DC in Arbeit hatte. Und der schuf aus Snyders bierernster Vorlage in zahlreichen Nachdrehs einen Hybrid, der überhaupt nicht funktionierte. Die ernsten Szenen von Snyder passten mit dem lockeren Ton von Whedon nicht zusammen, der Film wirkte exakt so, als hätten ihn zwei Leute gemacht – der nächste Flop.

Wie geht es weiter?

Aquaman taucht Ende 2018 in den Kinos auf - die letzte Chance für DC?

Und nun? "Aquaman", der Ende 2018 anlaufen soll, wird sicher kommen. Auch an einem zweiten "Suicide Squad" wird angeblich nach wie vor gearbeitet, obwohl David Ayer offenbar im Moment mehr Spaß an der Fortsetzung von "Bright" für Netflix hat. Dazu kommen "Shazam" und "Black Adam", die beide bereits in Produktion sind. Aber von den großen DC-Plänen, ein eigenes Cinematic Universe zu schaffen, ist zumindest im Moment nichts mehr zu hören. Der nächste "Wonder Woman", Nachfolger des einzigen Films, der Geld verdiente und Fans und Kritiker begeistern konnte, wird erneut in früheren Zeiten spielen, um bloß nicht in den Verdacht zu geraten, etwas mit Justice League zu tun zu haben. Pläne zum Solofilm "The Batman", den DC aus Ben Afflecks Händen in die von Matt Reeves ("Planet der Affen: Survival") legte, kommen seit Monaten kaum voran. Auch von "The Flash: Flashpoint" gibt es widersprüchliche Meldungen, ob er überhaupt kommt. Von Ideen wie dem "Green Lantern Corps" ist schon lange nichts mehr zu hören. Ob Whedons "Batgirl" kommt, steht ebenso in den Sternen wie Justice League 2, der das DC-Universum mit dem Bösewicht Darkseid eigentlich so richtig etablieren sollte. Ob aus dem "Joker"-Film von Martin Scorsese etwas wird, weiß im Moment auch niemand. Vor allem aber fällt auf, dass die meisten Projekte nicht den Eindruck machen, als spielten sie im gleichen Universum.

Wie sieht die Rettung aus?

Dass DC Zack Snyder offenbar von allen Aufgaben außerhalb des Produzierens entbunden hat, ist sicher der richtige Weg. Nicht nur waren alle Snyder-DC-Filme furchtbar ernst, sie hatten auch alle den gleichen Schluss. Hier muss DC dringend nachbessern. Ein Film wie "Batgirl", der komplett von Joss Whedon stammt, ist bestimmt eine gute Idee. Denn DC-Filme brauchen entschieden mehr Humor, was die erfolgreichen TV-Serien ja deutlich zeigen.

Dazu sollte der neue starke Mann es ruhiger angehen lassen und die Maxime verfolgen, die Kevin Feige stets nennt, wenn es um das Erfolgsrezept geht: "Erst einmal einen guten Film machen und dann sehen, wie er in Verbindung mit den anderen Filmen zu bringen ist." Bei DC drehte sich offenbar so viel darum, den Rückstand auf Marvel aufzuholen, dass niemand merkte, wie mäßig die aktuellen Produktionen waren. Denn mit mehr Qualität haben auch die eigentlich weltweit bekannteren, weil deutlich älteren Superhelden an der Kinokasse wieder eine gute Chance. Ganze Universen kommen dann vielleicht später wieder dazu. Für den Moment dürfte sich das DC-Cinematic Universe aber erledigt haben.


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