Freeletics Running im Test: Läuft noch nicht ganz rund

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Freeletics will jetzt auch Läufer coachen
Freeletics will jetzt auch Läufer coachen(© 2014 CC: Flickr/Steve Ransom)

Intervall statt Muckibude. Ausdauerlauf statt Zirkeltraining. Mit der App Freeletics Running und dem eingebauten Coach will Euch das Fitness-Start-up auf die Laufbahn schicken. Wir haben uns der Herausforderung gestellt und in mehreren Läufen die neue App ausprobiert.

Die Weihnachtszeit und das Essen in den USA während der CES in Las Vegas haben ihre Spuren hinterlassen. Die Anzahl der zugenommen Kilos und die Anzahl der gelaufenen Kilometer stehen bei mir in keinem Verhältnis mehr zueinander. Nur gut, dass das Fitness-Start-up Freeletics dann Ende Januar 2016 die App Freeletics Running vorgestellt hat.

Die verfügt, wie die Haupt-App, über eine Coach-Funktion. Ein digitaler Trainer schickt Euch also mit Übungen auf die Bahn. Das Ziel von Freeletics Running: den Sportler, bei Freeletics gern Athlet genannt, mit einer Mischung aus Intervall- und Ausdauerläufen fit zu machen.

Quälix lässt grüßen

Bevor der Coach zu ersten Einheit bittet, mache ich mich erstmal nackig. Nicht sprichwörtlich, versteht sich, sondern digital. Ich gebe mein Geburtsdatum, meine Größe und mein Gewicht an. Schummelangaben sind sinnlos, der Coach soll ja vernünftig funktionieren. Danach gebe ich an, dass ich locker fünf Kilometer durchhalte und mindestens zwölf Mal im Monat laufe. Zum Schluss gilt es, ein Ziel auszuwählen. Ich wähle "Generell fit werden" - entspricht ja auch der Wahrheit. Fertig ist die Einrichtung, und auch der Trainingsplan steht sofort.

In der ersten Woche stehen drei Einheiten zum "Kennenlernen" auf dem Programm: das Workout "Toth" (abwechselnd je acht 400- und 100-Meter-Läufe, dazwischen Pausen), ein Sechs-Kilometer-Lauf und das Workout "Horus" (drei Intervalle). Bei Training 1 und 3 soll ich "hohe Intensität" an den Tag legen. Der Langlauf ist im gemäßigten Tempo zu absolvieren. Zu Befehl, Coach! Auch wenn die Beine schon nach dem ersten Lauf schmerzen.

Dabei offenbar sich auch das größte Problem: Tipps zu Pausen bekommt der Athlet von der App nicht. Soll ich zwischen zwei Intervallen gehen, stehen bleiben oder locker joggen? Der Coach sagt es mir nicht. Alles, was mir der, in Louis van Gaals Worten "Trainercoach" mit ernster Stimme mitteilt, sind Angaben wie "Los", "Erstes Viertel", "Noch 100 Meter" oder "Fertig!" Angaben zur Geschwindigkeit oder motivierende Sprüche? Fehlanzeige. Dabei soll man doch nicht nur die Fitness und Gesundheit, sondern auch die Motivation steigern.

Schlimmer noch: Wer schon länger läuft, kennt hoffentlich seinen Körper. Wer neu ist, kann so schlagartig über die körperlichen Fähigkeiten hinaus trainieren. Das Verletzungsrisiko ist groß. Ebenso die Chance, Muskeln und Bänder zu überfordern.

Kritik von Freeletics-Nutzern

In Ermangelung eines richtigen Zeitplans ist eine Erholungsphase offenbar auch nicht drin: Die Übungen einer Trainingswoche sind zu absolvieren an Tag 1, Tag 2 und Tag 3. Ob damit wirklich die ersten drei Tage der Woche gemeint sind, bleibt ein Geheimnis der App. Nur so viel: Straftraining droht bei Verstoß gegen den Plan nicht. Das ist auch besser so: Mir als Dauerläufer ist schon klar, dass mein Körper nach einer Einheit regenerieren muss und drei Intervall-Einheit nacheinander Unsinn sind. Anfänger, für die sich die App auch eignen soll, wissen das vielleicht nicht.

Der Coach gibt das "Was" vor. Wenn Ihr die Einheiten erledigen wollt, bleibt Euch überlassen.(© 2016 CURVED)

Von eingefleischten Freeletics-Nutzern hagelt es im App Store und im Play Store ordentlich Kritik aus einem anderen Grund: Viele stören sich daran, dass die App keine Anbindung zum Hauptprodukt "Freeletics Bodyweight" hat. Zurecht. Denn in der Anwendung ist ein eigenes soziales Netzwerk enthalten, in dem Ihr Euch und Eure Freunde zu Bestleistungen pushen könnt. Auch die erreichten Leistungen der beiden Apps sind nicht miteinander kombinierbar.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Zeit: Viele Workouts dauern durch die Pausen zwischen den Intervallen ziemlich lange. Wer die Pausen überspringen will, weil er sich schon nach zwei statt fünf Minuten wieder fit fühlt, hat Pech. Das ist momentan nicht möglich.

Immerhin können Freeletics-Kunden, die den Coach schon in der Bodyweight-App abonniert haben, Freeletics Running kostenlos benutzen. Alle Neulinge, die den Coach benutzen wollen, werden mit Preis von 34,99 Euro für drei Monate bis 79,99 Euro für ein Jahr zur Kasse gebeten. Ganz schön happig für eine Lauf-App. Zumal es nicht die einzige Anwendung im App Store ist. Kostenlos gibt es vier Workouts und die Zeitmessung für die Langstreckenläufe.

Fazit: auf die Strafbank!

Die Coach-Funktion gefällt mir ganz gut. Ich laufe in meiner Freizeit sowieso gern. Wenn ich dabei ein wenig mehr machen kann, als nur meine übliche Runde zu drehen - warum nicht? Nachholbedarf gibt es aber beim Zeitplan. Eine Datumsangabe für jedes Training und ein Export in den Kalender wären wünschenswert. Importieren würde ich gern meinen Bodyweight-Account und vor allen meine Kontakte - damit sie meine Fersen sehen. Vor allem sollten die Macher daran arbeiten, die App mit Blick auf Anfänger tauglicher zu machen. Sonst dürften sich viele Beginner mit Intervall-Trainings verheizen, anstatt ihre Fitness zu steigern.

Sinnvoll wäre außerdem eine Erweiterung für Laufuhren und Smartwatches, damit ich mein iPhone nicht die ganze Zeit mitschleppen muss. Weil Freeletics "schnelle Ergebnisse" verspricht, bleibe ich bei der Running-App am Ball. Bis dahin geht es erstmal auf die Strafbank. Denn fertig wirkt diese App nämlich noch nicht.


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