Galaxy Tab S im Hands-on: Samsung bekennt Farbe

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Samsung Galaxy Tab S
Samsung Galaxy Tab S(© 2014 CURVED)

Mit dem Galaxy Tab S  will Samsung endgültig den Tablet-Markt erobern und Apple auch hier das Wasser abgraben. Damit das gelingt, setzen die Koreaner aber nicht nur auf äußere Werte. CURVED-Redakteur Gerd Blank konnte sich in New York einen ersten Eindruck von dem neuen Tablet-Flaggschiff der Südkoreaner machen.

Oberflächlich betrachtet lässt sich an einem Tablet kaum noch etwas verändern, wodurch es sich zumindest optisch von den Mitbewerbern abhebt: Die Größe der Bildschirme ist ein Quasistandard, das Gehäuse ist bei dieser Geräteklasse von vorne kaum noch zu sehen. Doch schaut man genauer hin, gibt es offenbar tatsächlich noch viel Spielraum für Verbesserungen – innen wie außen. Und das will Samsung mit dem Galaxy Tab S beweisen.

Zwar hat Samsung erst vor kurzem Tablets der Pro-Reihe vorgestellt, die von CURVED auch ausführlich getestet wurden, doch offenbar will der südkoreanische Konzern eher das Galaxy Tab S als Flaggschiff-Klasse etablieren. Aus diesem Grund hat Samsung nach New York eingeladen, um im Madison Square Garden die neueste Version des Tablets vorzustellen. CURVED konnte dort vorab einen exklusiven Blick auf das Tablet werfen.

Ein Tablet, zwei Versionen

Samsung bietet das Galaxy S ab Juli 2014 in zwei Größen an, nämlich in 8,4 und in 10,5 Zoll. Die kleinere Version wiegt knapp 300 Gramm, die größere ist mit rund 460 Gramm ebenfalls noch relativ leicht und dadurch gut zu halten. Ansonsten sind beide Varianten außer der Display-Größe identisch. Gleich auf dem ersten Blick fällt bei beiden Geräten das mit gerade einmal 6,6 Millimeter flache Gehäuse positiv auf. Trotz der geringen Bautiefe ist an der Kante genug Platz für alle wichtigen Anschlüsse, nur in den Wlan-Versionen fehlt natürlich der Simkarten-Einschub.

Wenig spektakulär ist die Selfiekamera mit 2,1 Megapixel, auch die acht Megapixel der hinteren Kamera sind nicht mehr als guter Standard, dafür ist allerdings ein LED-Blitz verbaut. Der Speicher ist mit 16 Gigabyte eher knapp bemessen, dieser lässt sich aber per Micro-SD um bis zu 128 Gigabyte erweitern. Die Rückseite des Tablets besteht wie beim Galaxy S5 aus Kunststoff. Während sich dies beim Smartphone negativ auf die Haptik auswirkt, fühlt sich die Verarbeitung insgesamt beim Tab S stimmiger an. Dafür ist das Gehäuse nicht vor Spritzwasser geschützt und lässt sich daher wohl nur ein einziges Mal mit in die Badewanne nehmen.

Echt scharf

Beim Display kann das Tab S voll überzeugen, jedenfalls im kurzen Hands-on. Samsung hat den Tablets ein Amoled-Display mit einer Auflösung von 2560 x 1600 Pixel spendiert. Das alleine sorgt schon für gestochen scharfe und sehr farbintensive Bilder. Sogar aus ungünstigen Blickwinkeln und bei starkem Lichteinfall zeigt das Display keine Schwächen.

Der Clou ist allerdings nicht alleine die Pixeldichte oder die Hintergrundbeleuchtung: Das Display passt die Darstellung der Inhalte automatisch an unterschiedliche Umgebungsbeleuchtungen an. Das Tablet erkennt, ob das Licht, zum Beispiel in einem Lokal, zu gelb ist, und justiert die Farbwerte so nach, dass die Inhalte immer perfekt dargestellt werden. Das ist praktisch, wenn man auf der Terrasse sitzt, und sich plötzlich eine Wolke vor die Sonne schiebt. Samsung nennt diese Funktion "Adaptive Display". Bei der Vorführung dauerte die Farbwertveränderung zwar jedes Mal ein paar Sekunden, dafür war das Resultat aber sehr angenehm für die Augen. Damit erklärt sich auch das Motto der Show: "Tab into colors"

Das alleine wäre zwar schon eine Bereicherung, war aber auch eigentlich an der Zeit. Schließlich ist Samsung einer der weltweit größten Display-Hersteller – und dieses Know-how sollte sich schon längst in bei den Displays der Samsung-Smartphones und -Tablets widerspiegeln, schließlich ist die Qualität der Bildschirme für viele Nutzer ein wichtiges Kaufkriterium. Nun gut, erledigt.

Mehr Power und gute Verbindung

Aber Samsung hat auch unter der Haube kräftig geschraubt. Beim Prozessor setzt der koreanische Techkonzern ebenfalls auf eine hauseigene Lösung: Beim Tab S wird das Betriebssystem Android 4.4 Kitkat vom Exynos-Chip angetrieben, einem Achtkernprozessor – oder besser – zwei Quadcore-Prozessoren mit 1,9 und 1,3 GHz. Beim Spielen, Filme schauen oder Internetsurfen wäre das Mehr an Leistung sicher nicht nötig. Doch Samsung macht aus dem Tablet quasi einen zweiten Monitor und eine Fernbedienung fürs Smartphone.

Mit der Funktion Sidesync 3.0 werden die Inhalte von einem Galaxy-Smartphone in einem seperaten Fenster auf das Tab S gespiegelt. Mehr noch: Es lassen sich dann auf dem Tablet Anrufe entgegennehmen, Textnachrichten verschicken oder Spiele spielen, die eigentlich auf dem Smartphone installiert sind. Und will man ein Foto vom Galaxy S5 auf das Tab S kopieren, zieht man das Bild einfach mit dem Finger aus dem virtuellen Fenster an die gewünschte Stelle des Tablets.

Geerbte Funktionen

Vom Galaxy S5 kennt man die Multitasking-Funktion, mit der zwei Anwendungen gleichzeitig ausgeführt werden können. Auf dem größeren Displays der Tablets machen diese aber mehr Sinn. Ebenfalls übernommen wurde der Fingerabdrucksensor, mit dem sich das System bequem sichern lässt. Bis zu drei Finger können pro Nutzer gespeichert werden.

Apropos Nutzer: Auf dem Galaxy Tab S lassen sich acht Nutzer-Konten anlegen, darunter auch Profile extra für Kinder. So können Eltern ohne Einschränkung im eigenen Profil eine simplere Oberfläche für ihren Nachwuchs gestalten und nur ausgewählte Funktionen freigeben.

Apps (derzeit) ohne Wert

Interessant könnte die App "Paper Garden" werden, mit der man interaktive Magazine kaufen und anschauen kann. Dafür kooperiert Samsung mit Verlagen wie Conde Nast und Marvel. Allerdings wird dieser Dienst zum Start des Tab S vorerst nicht Deutschland zur Verfügung stehen und erst im laufe des Jahres nachgereicht. Genauso wie die Möglichkeit, Netflix-Filme in höchster Auflösung anzuschauen, ist in Deutschland eher witzlos - da der Streamingservice hierzulande erst im September seinen Dienst aufnimmt.

Das Zubehör kommt bekannt vor

Auch passendes Zubehör hat Samsung in New York vorgestellt. Neben einer Bluetooth-Tastatur, die aus dem Tablet optisch ein Notebook macht, ist vor allem das "Book Cover" hervorzuheben, das zum Start in sechs verschiedenen Farben zu haben ist. Dabei handelt es sich um eine flexible Schutzhülle, die einfach an das Tablet geklickt wird. Optisch erinnert diese Hülle ein wenig an das Smart Cover für das iPad von Apple, aber auch in der Funktion: In der Samsung-Version lässt sich das Cover ebenfalls zur Stütze umfunktionieren.

Weder die Preise für das Zubehör noch für das Tab S wollte Samsung verraten. Aber man darf davon ausgehen, dass er in etwa auf dem Niveau der Konkurrenzprodukte liegt. Die 8-Zoll-Variante des Galaxy Tab S in der Wlan-Version dürfte also rund 400 Euro kosten, das 10-Zoll-Tablet etwa 500 Euro. Und in der LTE-Version müssen Käufer dann jeweils 100 Euro mehr berappen.

Abschied und Neubeginn

Es scheint fast so, als habe Samsung diesmal alles richtig machen wollen: Das Gerät sieht gut aus und wirkt gut verarbeitet. Das Display kann überzeugen und gerade die umfangreichen Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Samsung-Geräten sind vielversprechend.

Doch erst ein späterer Test wird zeigen, wie gut sich das Galaxy Tab S in der Praxis schlägt – vor allem in Vergleich zu Konkurrenz-Produkten. Aber eines scheint jetzt schon sicher: Mit dem Galaxy Tab S macht Samsung die teurere Pro-Reihe überflüssig. Auch wenn der Konzern nicht ganz auf diese Geräte-Linie verzichten will, handelt es sich um Auslaufmodelle. Bei diesem Ersatz dürfte auch niemand darüber traurig sein.

Spezifikationen im Detail

  • Exynos Octacore mit 4 x 1,9 GHz + 4 x 1,3 GHz-Kernen
  • WQXGA Super AMOLED-Display mit einer Auflösung von 2560 x 1600 Pixel
  • 3GB RAM
  • 16 interner Speicher, per microSD erweiterbar um bis zu 128 GB
  • 8 MP-Cam auf der Rückseite, 2,1 Megapixel vorn
  • Akku: 4.900 mAh (8,4 Zoll), bzw. 7.900 mAh (10,5 Zoll)
  • 6.6 mm dünn
  • Gewicht: 294 Gramm (8,4 Zoll) bzw. 465 Gramm (10,5 Zoll)
  • verfügbar in den Farben Bronze und Weiß
  • Android 4.4 Kitkat

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