Galaxys im Metall-Unibody: Samsungs mutiger Neuanfang

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Samsung Galaxy A5
Samsung Galaxy A5(© 2014 Samsung)

Mit den gerade vorgestellten Galaxy A3- und A5-Smartphones, hat Samsung etwas getan, das viele den Koreanern gar nicht mehr zugetraut haben: Sie haben ihren bisherigen, angestaubten Design-Pfad tatsächlich verlassen und gehen den mit dem Galaxy Alpha begonnenen neuen Weg konsequent weiter — viel weiter und haben den Alu-Rahmen in einen metallenen Unibody verwandelt. Das heißt für ein Unternehmen, das bislang stoisch auf Polycarbonat setzte, schon etwas; vor allem aber hat es Bedeutung für die Zukunft Samsungs auf dem Smartphone-Sektor.

Als hätten die in Seoul gestern Abend CURVED gelesen: In seinem Artikel zu den mageren Gewinnen, die Samsung mit seiner Smartphone-Sparte verglichen mit Apple trotz vergleichsweise hoher Absatzzahlen einfährt, postulierte Nils Jacobsen, Samsung müsse sich neu erfinden, um eine andauernde Talfahrt abzuwenden — und zitierte unter anderem den Chef der Mobilsparte des Unternehmens mit der Ankündigung, das eigene Produktportfolio "fundamental zu revolutionieren".

Diese Revolution hat nun über Nacht begonnen. Nein, begonnen hat sie eigentlich schon Mitte August mit dem Galaxy Alpha und dessen Metallrahmen. Sie wurde nun vielmehr fortgeführt. Denn auch wenn mit der fundamentalen Umwälzung der Produktpalette auch eine Optimierung der bislang völlig unübersichtlichen Vielzahl und Positionierung der Samsung-Smartphones gemeint ist, auch am "Look and Feel" ihrer Geräte müssen die Koreaner dringend etwas verändern, wenn sie auf Dauer konkurrenzfähig sein wollen — nicht nur gegenüber Apple, sondern mehr und mehr auch gegen die erstarkenden Wettbewerber aus China.

Polycarbonat hat Vorteile — aber muss das so doof aussehen?

Dabei geht es gar nicht so sehr direkt um das von Samsung bislang mit Vorliebe eingesetzte Material: Kunststoff bringt Gewichtsvorteile und ist robuster und widerstandsfähiger als Glas oder Aluminium. Es ging mehr um das "Wie" — Samsungs Smartphones waren zuletzt allesamt keine Schönheiten, nicht mal ansatzweise. Sie waren praktisch und funktional, zuweilen auch sehr potent und vielseitig. Aber sie waren keineswegs attraktiv für das Auge des Betrachters.

Mir kann niemand erzählen, dass er beim Anblick eines Samsung Galaxy S4 oder Samsung Galaxy S5 dachte "Gott, ist das schön!"; je nach Geschmack wird es zahlreichen Nutzern bei iPhone, HTC One, Xperia Z, zuletzt beim LG G3, dem OnePlus One, Xiaomis Mi4 und all den anderen schickeren Geräten aber durchaus so gegangen sein.

Das Samsung Galaxy Alpha

Dann kamen das Galaxy Alpha, das Galaxy Note 4 und das Galaxy Note Edge und wir ahnten: Samsung kann ja doch hübsch! Wenigstens zaghaft läuteten die Koreaner eine Abkehr von ihrer bisherigen, biederen bis pragmatischen Designlinie ein und versprachen im gleichen Atemzug, zukünftige Geräte noch wertiger, noch mutiger zu gestalten. Ich hatte meine Zweifel ...

... und wurde nun eines Besseren belehrt: Galaxy A3 und Galaxy A5 sind metallene Unibody-Schönheiten, die daneben mit nur 6,9 Millimetern respektive 6,7 Millimetern Dicke auch noch betörend schlank sind. Klar, die Spezifikationen sind nicht wirklich High-End und die Geräte richten sich eher an ein junges, Selfie-verliebtes Publikum. Aber zum einen steht das große Galaxy A7 ja noch aus, zum anderen ist nun wirklich stark davon auszugehen, dass ein kommendes Galaxy S6 die neue Designsprache der A-Modelle übernehmen und damit nach langer Zeit mal wieder ein Samsung-Flaggschiff sein wird, das so richtig attraktiv ist.

Samsung Galaxy Note Edge

Beachtenswerter Mut des Marktführers

Vor anderthalb Jahren hatte ich für androidnext.de einen Kommentar geschrieben, in dem ich aufgrund des erneut mauen Designs des Galaxy S4 postuliert hatte, dass Samsung in seiner Position als Marktführer gar nicht anders könne, als am Status quo festzuhalten. Denn wie hätte das Unternehmen, das damals noch unangefochten an der Spitze der Android-Armada stand, seinen Aktionären erklären sollen, dass man nun plötzlich mal was ganz Neues probiert und das Risiko eingeht, die bis dato guten Verkaufszahlen zu gefährden.

An der Spitze indes können keine großen Experimente gewagt werden, weil es suizidal wäre, ein gut funktionierendes und etabliertes System einfach so umzuschmeißen.

Da verhielt es sich wie auch in anderen Bereichen der Wirtschaft: Immer wieder gibt es das Phänomen, dass führende Unternehmen aufkommende Trends oder Trendwenden vermeintlich verschlafen. Nur schlafen sie eigentlich nicht wirklich, sondern sind schlicht nicht in der Not oder in der Lage, aus ihrer Marktführerschaft heraus die Risiken eines Neuanfangs zu wagen — bis es dann zuweilen eben zu spät ist.

Das galt für Nokia, für Microsoft und in Ansätzen in der jüngeren Vergangenheit auch für Apple: Es läuft solange unglaublich gut, bis ein Underdog ein besseres Konzept vorstellt. An der Spitze indes können keine großen Experimente gewagt werden, weil es suizidal wäre, ein gut funktionierendes und etabliertes System einfach so umzuschmeißen (übrigens: Auch beispielsweise in der Formel 1 tritt dieses Problem auf, wenn wir einmal an die Hochzeiten und die folgenden Durststrecken von Ferrari, McLaren oder aktuell Red Bull Racing denken).

Nun ist Samsung zuletzt aber merklich unter Druck geraten und das wird der Grund gewesen sein, warum die Koreaner den Richtungswechsel beziehungsweise die Kurskorrektur doch wagen. Dennoch ist die Führungsetage in Seoul zum Mut, der dazu gehört, zu beglückwünschen: Ganz so katastrophal ist die Lage für Samsung denn nun noch nicht, das Unternehmen verkauft immer noch mehr Smartphones als jeder andere Hersteller des Planeten. Und es gab und gibt genug Player, denen Einsicht und Bereitschaft zum Wechsel fehlten, auch wenn das Wasser bereits deutlich höher stand.

Wie Phoenix aus der Asche — oder der Anfang vom Ende

Samsung Galaxy A5

Wie die Neuerfindung Samsungs ausgeht, ob sie die schwindenden Gewinne auffangen kann, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass nicht allein die Designsprache kommender Gerät das Ruder für die Koreaner herumreißen wird — wie bereits erwähnt gehört dazu auch eine Straffung der Produktpalette und eine Neusortierung der Budgets, allen voran der horrenden Marketingausgaben der Konzernsparte.

Zu wünschen ist es der Smartphone-Ikone aus Korea aber, dass es ihr gelingt, sich für die kommenden Jahre optimiert und erstarkt aufzustellen. Nicht nur, weil der aktuell gezeigte Mut zum Wandel belohnt werden muss, sondern auch, weil Samsung in den vergangenen Jahren unermesslich stark am Erfolg des Android OS und damit an der allgemeinen rasanten Evolution der mobilen Welt beteiligt war. Und bis heute macht Samsung abseits von den angesprochenen Kritikpunkten in Sachen Smartphones und Tablets so viele Dinge richtig und besser als viele Konkurrenten — es wäre bedauerlich, wenn dieser Innovationsmotor der Branche verlustig gehen würde.

Wenn alles gut ausgeht für die Koreaner, dann dürfen wir in ein paar Jahren an diese Spätsommer- respektive Herbsttage 2014 zurückdenken und uns daran erinnern, dass es das Galaxy Alpha, das Galaxy A3 und das A5 waren, die Samsung Mobiles zweite Genesis eingeläutet haben.


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