Game of Thrones Finale: "Jon Snow ist ein Jammerlappen"

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Game of Thrones ist zu Ende. In der CURVED-Redaktion gab es daher einiges an Redebedarf. Von links: Die Redakteure Benjamin Krischke, Martin Haase und Viktoria Vokrri.
Game of Thrones ist zu Ende. In der CURVED-Redaktion gab es daher einiges an Redebedarf. Von links: Die Redakteure Benjamin Krischke, Martin Haase und Viktoria Vokrri. (© 2019 hbo)

Mit der finalen Episode der achten Staffel endet der Krieg um Westeros – und damit Game of Thrones, die erfolgreichste Serie aller Zeiten. Auch in der CURVED-Redaktion löst das gemischte Gefühle aus. Wir ziehen Bilanz. (Achtung, Spoiler!)

Am 2. November 2011 erreichte der Krieg um Westeros Deutschland. Alles begann mit drei Männern der Nachtwache, die das Tor zum Norden passierten – und dort auf einen weißen Wanderer trafen. Zwei von ihnen verloren ihr Leben noch im kalten Weiß der nordischen Wälder; der dritte starb bald darauf – als Eddard "Ned" Stark, Lord von Winterfell, ihm den Kopf von den Schultern schlug. Und spätestens als Ned Stark ebenfalls der Kopf von den Schultern geschlagen wurde, war klar, dass mit Game of Thrones eine große Geschichte auf uns zukommt. Wie groß tatsächlich, das ahnten zunächst aber wohl die wenigsten.

Das Erfolgsrezept der Serie Game of Thrones ist ihre Gesamtkomposition, zu der die großen Schlachten und Hauptcharaktere ebenso gehören wie die Nebencharaktere und die kleinen Szenen, die Game of Thrones so grausig wie liebevoll machen, so humorvoll wie todernst, so vereinnahmend wie abstoßend. Die entscheidende Zutat aber ist – manch einer findet auch "war" – die Unberechenbarkeit der Geschichte.

Die Serie Game of Thrones nahm kaum Rücksicht auf die Befindlichkeiten ihrer Zuschauer. Im Gegenteil: Sie forderte aktiv heraus, provozierte bei Bedarf – und manchmal brachte sie ihre Fans auch zur Weißglut. Da macht die allerletzte Folge, also das Finale der achten Staffel und damit das Finale der Serie ingesamt, selbstredend keine Ausnahme.

Mit Daenerys' Tod, der Rückkehr Jon Snows zur Nachtwache und der Inthronisierung Brans – der einen heiteren Kreis von Charakteren zu seinen engsten Vertrauten ernennt – endet der Krieg um Westeros. Dies löst auch in der CURVED-Redaktion gemischte Gefühle aus – und führt zu reichlich Redebedarf. Unsere Redakteure Viktoria Vokrri, Martin Haase und Benjamin Krischke ziehen Bilanz.

Benjamin Krischke: Liebe Mitstreiter aus dem Hause CURVED: Wie findet ihr das Ende von Game of Thrones? Um das vorweg zu nehmen: Ich fand es super, auch, weil ich mich frage, was man hätte groß anders machen sollen.

Martin Haase: Das Ende hat mich positiv gestimmt. Was mir gut gefallen hat, ist, dass es davor Zack-Zack-Zack ging und die letzten 30 Minuten schön ausklingen. Komplett begeistert bin ich allerdings nicht.

Viktoria Vokrri: Mich haben die vielen kitschigen Momente überrascht. Aber nicht zum Positiven. Zum Beispiel die Szene, als Jon Snow auf Daenerys zugeht und der Drache die Flügel aufstellt, sodass es aussieht, als seien es die Drachenflügel von Daenerys. Aber auch Daenerys' Todesszene war mir insgesamt zu kitschig und hat mich ein bisschen an Romeo und Julia erinnert.

Martin Haase: Was ich überhaupt nicht leiden kann – und das hat sich auch in der letzten Folge wieder gezeigt – ist, dass Jon Snow einfach der Klischee-Jammerlappen geworden ist. Insofern bin ich eigentlich ganz froh, dass er am Ende zurück zur Nachtwache geht. Vor allem auch wegen Geist.

"Sie haben es nicht geschafft, eine finale, epische Schlacht mit Inhalt zu zeigen"

Benjamin Krischke: Lass uns die Diskussion etwas weiter fassen: Ist denn Game of Thrones die beste Serie aller Zeiten?

Viktoria Vokrri: Nicht mehr. Ich würde sagen, bis zur Hälfte etwa war Game of Thrones richtig gut. Aber dann – zumindest hatte ich das Gefühl – wurde die Geschichte schlechter. Die ganz krassen Wendungen fehlten und vieles wurde absehbar. Was mich zudem störte, war, dass manche Charaktere plötzlich ganz untypisch gehandelt haben. Bestes Beispiel: Als Tyrion stellvertretend für Daenerys die Kapitulation von Königsmund fordert, sind alle Geschütze auf Daenerys und ihre paar Soldaten gerichtet. Ich verstehe nicht, warum Cersei die Gunst der Stunde nicht einfach genutzt und Daenerys und ihr Gefolge getötet hat. Ich meine, Cersei hat einige Folgen zuvor eine ganze Kirche in die Luft gesprengt.

Benjamin Krischke: Ich weiß, was du meinst. Leider gibt es so ein paar Szenen gegen Ende, die nicht so recht zu stimmen scheinen. Nehmen wir die Szene, als einer der beiden Drachen von Euron Graufreud von einem Schiff aus per überdimensionaler Armbrust vom Himmel geholt wird. Später dann, als Daenerys Königsmund angreift, sind – keine Ahnung – ungefähr 40 Geschütze auf den Mauern postiert, aber keines wird dem Drachen auch nur ansatzweise gefährlich.

Martin Haase: Den Drachen nicht zu vergessen, der plötzlich super wendig ist. Naja. Was sie insgesamt nicht geschafft haben, denke ich, ist, im Stil von Herr der Ringe eine finale, epische Schlacht zu veranstalten, die wirklich Inhalt hat. Bei derlei krassen Gewaltdarstellungen, wie es sie vor allem bei der Schlacht um Königsmund gab, habe ich immer das Gefühl, dass die Macher zu kaschieren versuchen, dass die Handlung fehlt.

Benjamin Krischke: Wie bei Rambo.

Martin Haase: Genau. Bei der Hinrichtung von Varys zum Beispiel lag der Fokus noch auf den traurigen Gesichtern der Umstehenden. Das hatte eine gewisse Tiefe. In der Stadt werden dann Frauen und Kinder geröstet. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Benjamin Krischke: Ich sehe das anders. Also einerseits deine Kritik an der Schlacht um Königsmund, aber auch die ganze Kritik an der Schlacht um Winterfell, die die meiste Zeit im Dunkeln spielt und mitunter sehr verwirrend ist. Was Game of Thrones – im Gegensatz zu Herr der Ringe, wo Legolas bei bestem Wetter einen ganzen Elefanten samt 20 Soldaten platt macht – geschafft hat, war den Krieg ins Wohnzimmer zu bringen. Was ich damit meine: Dadurch, dass man als Zuschauer teils nur mit Facetten und kleinen Impressionen der Schlacht konfrontiert wird, sieht der Zuschauer nicht nur eine Schlacht, sondern wird Teil von ihr. Das Gefühl, das dabei entsteht, auch die Verwirrung, die dabei entsteht, dürfte einer echten Schlacht näher kommen als Vieles, was ich bisher in diese Richtung gesehen habe.

Martin Haase: Das mag sein. Ob das funktioniert hat, ist aber eine andere Frage. Teilweise erinnerte mich die Schlacht im Dunkeln an eine Bildstörung.

Viktoria Vokrri: Zu der Schlacht um Winterfell kann ich gar nicht viel sagen, die kenne ich nur verpixelt. (lacht)

"Der letzte Satz von Tyrion versöhnt mich mit allem"

Benjamin Krischke: Nachdem wir nun wissen, wie die Geschichte endet. Wer war denn euer Lieblingscharakter? Wer hat sich besonders weiterentwickelt?

Martin Haase: Jon fand ich lange cool, allerdings hat er es in der letzten Staffel versaut. Mich hat überrascht, wie naiv er plötzlich war. Ich kannte ihn über die vergangenen Staffeln als jemanden, der gefestigt ist in seinen moralisch-ethischen Ansichten. Einer, der gesagt hat, was er für richtig hält, und sich auch nicht das Maul verbieten lässt. Nachdem Daenerys Frauen und Kinder gemetzelt hat und im Nazi-Outfit dastand und ein entsprechende Rede samt Weltherrschafts-Fantasien gehalten hat, kommt Jon zu Tyrion und sie reden über Daenerys. Und Jon sagt immer noch, dass Daenerys nur das Beste will. Das fand ich sehr seltsam.

Benjamin Krischke: Ja, aber du weißt doch, dass "die Liebe der Tod der Pflicht ist" (Zitat Jon Snow – Anm. d. Red.).

Viktoria Vokrri: Gutes Stichwort. Mir waren in der letzten Folge insgesamt zu viele Glückskeks-Sprüche und Bran war ein einzelner rollender Glückskeks, der irgendwelche seltsamen Sachen von sich gegeben hat. Auch die Szene, wie er dann zum König ernannt wird: "Aber Bran, du wolltest doch nie regieren." Und er dann so: "Hätte ich sonst all das auf mich genommen?".

Benjamin Krischke: Das war mir insgesamt zu blöd, dass es dann Bran wird. Zuerst kloppen die sich die Köpfe ein, um auf den Thron zu kommen, und dann setzen sie ausgerechnet den auf den Thron. Warum ist Bran plötzlich König, obwohl er davor doch noch der dreiäugigege Rabe und nicht mehr Bran war? Schräg.

"Daenerys steht einfach nur da und alle tanzen nach ihrer Pfeife"

Martin Haase: Ich glaube, seine Rolle als dreiäugiger Rabe war mit dem Tod des Nachtkönigs zu Ende.

Benjamin Krischke: Wirklich? Das ging irgendwie an mir vorbei. Was waren denn deine Lieblingscharaktere, Viktoria?

Viktoria Vokrri: Als Charakter mochte ich auch Jon Snow lange Zeit am meisten. In der letzten Staffel hat er dann plötzlich nur noch mit seinem Penis gedacht. Als er in die Wildlingsfrau Ygritte verliebt war, war das anders: Da hat ihn sein Pflichtbewusstsein zurück zur  Nachtwache geführt. Wenn ich von der Entwicklung wiederum ganz cool fande, war Sansa. Bis zur siebten Staffel fand ich sie ziemlich doof, so als naives Püppchen, aber gegen Ende bekommt sie dann noch die Kurve. Und wie!

Benjamin Krischke: Verstehe ich total. Auch die Entwicklung von Jaime oder von Arya fand ich großartig. Richtig gut fand ich auch jene Charaktere, die sich die ganze Zeit so durchgeschlängelt haben; so Taktiker wie Varys oder Tyrion eben. Und Bronn fand ich mega cool, weil er absolut kein Interesse an der Macht hatte, sondern nur an Geld, Kampf und Nutten – und daran, dass er seine Ruhe hat. (lacht)

Viktoria Vokrri: Wer dagegen gar nicht ging, war Daenerys. Klar, hübsche Frau und so. Aber, dass jedes männliche Wesen seine Prinzipien über den Haufen wirft, sobald es ihr begegnet, fand ich unlogisch. Ich meine, die Frau hat ja nicht einmal groß was dafür getan.

Martin Haase: Das stimmt. Sie stand einfach nur da und alle tanzten nach ihrer Pfeife. Dann war sie sauer, dass Jon nicht mit ihr schlafen will, dann Eskalation, dann halt Weltherrschaft. Das ging mir alles zu schnell. Ja, Daenerys hat Konflikte, kommt irgendwo hin, wo sie niemand kennt und sich die Liebe erst erkämpfen muss. Aber das war mir insgesamt einfach zu oberflächlich, verglichen mit einem Jaime Lannister zum Beispiel. Bei Daenerys gab es nur zwei Extreme: entweder ein bisschen touchy und süchtig nach Liebe oder halt Leute verbrennen.

"Ich bin einmal mit einem Maultier und einer Honigwabe ins Bordell gegangen"

Viktoria Vokrri: Etwas verwundert hat mich die Runde, als Bran zum König ernannt wird. Da waren Charaktere dabei, von denen ich nicht wusste, dass die überhaupt noch am Leben sind. Schön fand ich dagegen die Zusammensetzung des Rats am Ende. Und als Bronn der Meister der Münze wurde, musste ich lachen.

Benjamin Krischke: Ja, das hat mir auch gut gefallen, auch der Humor in dieser Szene. Davor gab's folgenweise Tod und Verderben und verbrannte Kinder und dann sagt Tyrion seinen allerletzten Satz: "Ich bin einmal mit einem Maultier und einer Honigwabe ins Bordell gegangen..." (lacht). Das versöhnt mich mit allem. Euer Fazit?

Viktoria Vokrri: Auch versöhnlich, obwohl ich gut finde, dass die Serie ein Ende hat.

Martin Haase: Auch versöhnlich. (kurze Pause) Aber mich ärgert, dass Jon der neue Theon Graufreud ist; also der neue Jammerlappen.


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