Gamescom 2018: Das sind unsere Messe-Highlights (Teil 3)

Tastatur am Fuß: Der Bcon von Caplab erkennt bis zu 24 Tasten.
Tastatur am Fuß: Der Bcon von Caplab erkennt bis zu 24 Tasten.(© 2018 Alexander Kraft)

Wer sich abseits neuer Konsolen oder Grafikkarten für neue Hardware interessiert, findet auch auf der Gamescom ein paar Überraschungen – vor allem bei der Peripherie, die teils ungewöhnliche Entwicklungen vorantreibt.

Druck von hinten: Senseforce

Force Feedback am PC oder die Rumble-Funktion im Controller der PlayStation 4 oder Xbox One sind heutzutage absoluter Standard. Die Jungs von Senseforce aus Erlangen wollen die Idee vom immersiven Spielerlebnis durch haptisches Feedback aber auf die nächste Stufe heben.

Sie haben eine Stuhlauflage entwickelt, die vibriert. Wer schon mal auf einer elektrischen Massageliege gelegen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie das Senseforce Pad-Extreme 2D funktioniert. Die Auflage wird entweder per HDMI oder Bluetooth mit dem PC, der Konsole oder dem Smartphone gekoppelt und zieht fortan während des Spielens seine Informationen aus der Audioquelle. Knallt es auf dem Bildschirm, vibriert es im Rücken. Das macht durchaus Spaß und sorgt zumindest kurzfristig für ein intensiveres Spielen.

Denn Senseforce, so die Jungs hinter dem Produkt, soll "das Home-Entertainment durch die Dimension 'Fühlen' erweitern". Und zwar nicht nur bei Spielen, sondern gleichermaßen bei Filmen und Musik. Theoretisch ließe sich damit die spürbare Wucht eines Live-Konzertes ins eigene Wohnzimmer holen – sofern man bei Konzerten gerne sitzt. Allerdings soll dem taktilen Erleben bei Spielen auch eine taktische Komponente zugutekommen, versprechen die Entwickler. Statt nur zu hören, aus welcher Richtung Gegner kommen, spürt man vielmehr durch sanften Druck auf dem linken oder rechten Schulterblatt, wohin man möglichst schnell zielen sollte.

Ob Senseforce auch langfristig begeistern und einen wirklichen Mehrwert beitragen kann, muss sich erst noch beweisen. Bei 279 Euro ist zumindest noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. Das Senseforce Pad-Extreme 2D soll ab November 2018 verfügbar sein.

Spielend mit dem Fuß: Bcon

Eine weitere neue Idee stammt ebenfalls aus Deutschland, genauer aus Karlsruhe. Dort haben sich drei Jungs zusammengetan, um als Caplab den Bcon zu entwickeln. Das als "Game Changing Wearable" vorgestellte Gadget ist etwa handteller groß und wird um den Fuß geschnallt. Ja, richtig. Klingt im ersten Moment komplett albern, erweist sich in der Praxis aber als gut funktionierende und originelle Idee, die Steuerung zumindest in Teilen auf den Fuß auszulagern. Die Idee dahinter ist simpel. Im Grunde wird der Bcon vom PC als neue Tastatur erkannt und als solche angesteuert. Über eine eigens entwickelte Software lassen sich dem Bcon einzelne Tasten zuweisen. Insgesamt bis zu 24, allerdings nur in der Theorie.

Durch Neigen und Kippen des Fußes werden diese Tasten ausgelöst. Hebe ich zum Beispiel die Ferse, lasse ich Tracer in "Overwatch" eine Granate werfen; hebe ich stattdessen die Zehen an, vollführt sie eine Ausweichbewegung. Letztlich übernimmt der Fuß also nur Kommandos, die ich ansonsten auf der überfrachteten Tastatur ausführen würde – was natürlich auch weiterhin geht. Es dauert einen Moment, bis sich der Fuß als weiteres Eingabegerät intuitiv in mein Spiel einfügt, nach einiger Zeit gehen aber zumindest die einfachen Befehle wie von selbst. Wer es komplizierter mag, führt mit dem Bcon auch gleich ganze Befehlsketten auf einmal aus.

Von den 24 Tasten, die ich theoretisch auf den Bcon auslagern könnte, lassen sich allerdings nur ein Teil realistisch einsetzen. Denn der Bewegungssensor in dem diamantförmigen Gadget erkennt Neigungen bis zu 90 Grad – die wenigstens dürften aber körperlich dazu in der Lage, den Fuß tatsächlich im rechten Winkel nach oben oder unten zu neigen. Dennoch entwickelt Caplab mit dem Bcon eine vielversprechende Peripherie, die das Spielen am PC sinnvoll um eine neuartige Eingabemöglichkeit erweitert. Die Eingewöhnungsphase ist relativ kurz, der Nutzen sofort erkennbar. Zum Ende des Jahres will Caplab den Bcon auf den Markt bringen.

Streamt PC-Spiele aufs Smartphone: Shadow Blade

Ob Streaming tatsächlich irgendwann den physischen Datenträger vollständig ablösen wird, ist zumindest in Deutschland fraglich. Erste spür- und spielbare Entwicklungen in die Richtung gibt es aber seit längerem.

So geht zum Beispiel Sony mit PS Now auf der PlayStation 4 erste Schritte in die Richtung, Nvidia bietet mit Geforce Now ebenfalls einen eigenen Streaming-Dienst an und erste Gerüchte wollen erfahren haben, dass Microsoft zwei Versionen einer neuen Xbox plant, von denen eine ausschließlich streamen können soll.

Mit Blade will Shadow einen ähnlichen Dienst anbieten, der Streaming auf nahezu allen Plattformen ermöglichen soll. Bei meinem Termin auf der Gamescom habe ich Fortnite und das aktuelle Doom sowohl auf einem 300-Euro-Notebook als auch auf einem Smartphone gespielt, jeweils gestreamt von einem Server den Niederlanden. Während PS Now auf der Sony-Konsole ausschließlich ausgewählte Spiele aus der PlayStation-Bibliothek enthält, will Shadow Blade grundsätzlich alle PC-Spiele anbieten, egal ob von Steam kommend, von Ubisofts Uplay oder von EAs Origin.

Fortnite auf dem Smartphone – möglich macht es Shadow Blade, das Spiele auf nahezu jedes Endgerät streamt.(© 2018 Shadow)

Bei dem Service handelt es sich letztlich um ein Abo-Modell, bei dem man ein einen High-End-PC mietet, der die Spielinhalte lediglich auf das Endgerät zuhause streamt. Dabei ist es egal, ob auf den TV oder etwa das Smartphone. Eine App für Android soll bereits zum Start am 4. September verfügbar sein. Bei iOS wird es etwas länger dauern, weil Apple die Bluetooth-Schnittstelle nicht für alle Controller und Tastaturen freigibt. Das günstigste Abo-Modell kostet knapp 30 Euro im Monat bei einer einjährigen Mitgliedschaft. Voraussetzung, um den Shadow Blade nutzen zu können, ist eine DSL-, Koax- oder Glasfaser-Leitung mit mindestens 15 MBit pro Sekunde.

Surround-Sound für die Augen: Philips Hue Play

Die Spielerfahrung ebenfalls sinnlich erweitern will Signify bzw. ehemals Philips Lightning mit Hue Play. Die Beleuchtungsexperten arbeiten dafür mit Razer zusammen, die mit Razer Chroma bereits Erfahrungen in effektvoller Visualisierung von Spielinhalten haben. Hue Play ist die Idee, das smarte LED-System Hue auch für Videospieler interessant zu machen. Wer mit Philips Ambilight vertraut ist, ahnt bereits, wie in etwa das aussehen soll. Philips Hue Play ist eine relativ kurze, aber leuchtstarke Lightbar, die hinter dem TV oder Monitor positioniert oder mit Hilfe eines Klebepunkts direkt daran angebracht wird. Dort strahlt sie, abgestimmt auf den Inhalt des Bildschirms einen gleichmäßigen, indirekten Lichteffekt auf die Wand dahinter ab.

Die Informationen für die Farbwahl erhält sie direkt aus dem Videosignal, sodass idealerweise Bild und Licht perfekt und ohne Zeitverzögerung aufeinander abgestimmt sind.

Philips Hue Play bringt das Wohnzimmer zum Leuchten. Abgestimmt auf die Grafik im Spiel leuchten die LEDs auf.(© 2018 Signify/ Philips)

In dunklen Räumen schafft Philips damit eine durchaus stimmungsvolles Ambiente, das mit seinen 16 Millionen Farben die Stimmung des Spiels oder Films bis in den Raum hinein transportiert. Hue Play wird entweder über die eigene Software Hue Sync konfiguriert oder aber über Razer Synapse, um so im Gleichklang mit deren Mäusen oder Tastaturen zu leuchten.

Wer sein Wohn- oder Spielzimmer mit Philips Hue Play illuminieren möchte, muss allerdings noch bis Oktober warten. Ab dann sind die smarten Lightbars auch hierzulande für 69,99 Euro als Einzelpack oder 129,99 Euro als Doppelpack erhältlich. Eine Philips Hue Bridge liegt übrigens nicht bei, ist aber – natürlich – zwingend notwendig.

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