Ganz ehrlich, Microsoft: So wird's was mit dem Surface

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Surface Pro 3: Wohin geht die Reise für Microsoft?
Surface Pro 3: Wohin geht die Reise für Microsoft?(© 2014 CURVED)

Die Reaktionen auf das Review-Video von Shu und mir zum Surface Pro 3 und seinem Vorgänger waren teils destruktiv, teils konstruktiv. Eine Richtigstellung - und ein paar Verbesserungsvorschläge für den Redmonder Software-Riesen.

Kann das Surface Pro 3 dem Macbook Air gefährlich werden. Diese Fragen hatten wir uns gestellt, als wir das Surface Pro 3 einem zweiten Blick unterzogen haben - und dazu gleichzeitig einen Blick auf seinen Vorgänger geworfen haben. Unser Fazit: Die Hardware weiß zu gefallen, die Idee ist gut, aber die Umsetzung mit Windows 8 und dem permanenten Wechsel zwischen Metro-UI und Desktop-Modus verwirrt.

Was das Surface Pro 3 sein will - und was es (noch) nicht ist

Nun kann man uns freilich Apple-Fanboytum vorwerfen. Aber nützt das der Diskussion? Schließlich kommuniziert Microsoft das Surface Pro 3 ist als Konkurrenzprodukt zum Macbook Air. Das neue Microsoft-Flaggschiff ist ein innovatives Gerät - fraglos. Aber bei Innovation geht es nicht nur um die Chancen und die Möglichkeiten, die ein Gerät hat. Müssen wir nicht eher der Frage nachgehen: Was mache ich als Nutzer aktuell mit solch einem Gerät? Dazu müssen wir erst einmal definieren, was das Surface Pro 3 ist. Und haben wir schon das Problem: Es ist ein Notebook, es ist ein iPad, es unterstützt Multi-Monitor-Setups.

Kurzum: Es ist einmal mehr die eierlegende Wollmilchsau aus Redmond. Es soll die ansprechen, die ein Macbook Air haben. Es soll die ansprechen, die mit ihrem Notebook zocken wollen. Es soll die ansprechen, die ein iPad haben. Und es soll idealerweise die ansprechen, die ihren Rechner in erster Linie zu Business-Zwecken benutzen. Soweit der Anspruch.

Herausgekommen ist ein Gerät, das man getrost als Generalisten bezeichnen kann. Das Surface Pro 3 tanzt auf mehreren Hochzeiten - aber eben nur mit begrenzten Möglichkeiten. Warum? Ein paar Gründe, warum ich nur allzu gerne mit dem Surface Pro 3 liebäugeln würde, aber nicht kann:

Eine Sache, die ich an meinem Macbook Air über alles schätze, ist die für mich schlichtweg perfekte Tastatur. Als Journalist hacke ich tagtäglich tausende Zeichen ins Netz. Da kommt jede Tastatur an ihre Grenzen - und ich habe wahrlich schon viele verschlissen. Die Tastatur des Macbook Air hat den perfekten Druckpunkt, ist leise und im Dunkeln dezent beleuchtet. Die Tastatur des Surface Pro 3 ist vor allem eines: extrem dünn. So dünn, dass sie in sich instabil ist. Ist der Untergrund nicht ein Schreibtisch, sondern die eigenen Beine, dann liegt sie mitunter etwas schief. Das minimiert den Schreibkomfort. So erinnert das Setup an die vielen unbrauchbaren iPad-Tastaturen, die mich in der Vergangenheit dann doch immer wieder zur Bluetooth-Variante der Mac-Tastatur greifen ließen - auch wenn diese weniger gut transportabel ist.

Ein großes Plus des Surface Pro 3 ist, das sich das Display mit der Recheneinheit ruckzuck von der Tastatur abnehmen lässt. Im Vergleich zum Vorgänger hat Microsoft den Neigungswinkel extrem vergrößert, wodurch sich das Gerät als Tablet angenehm abknicken lässt - etwa, um darauf zu zeichnen. Ein mögliches Einsatzgebiet: Ich arbeite an meinem Rechner und nehme nur das Tablet mit auf einem Termin. Das Problem: Ein Leichtgewicht ist das Surface Pro 3 auch ohne Tastatur nicht. 800 Gramm bringt es auf die Waage - im Vergleich zu 478 Gramm der LTE-Version des iPad Air. So wird das Device schnell schwer in der Hand - und ist ohne das Type Cover auch nicht mehr vor Kratzern geschützt. Hier wäre zumindest ein reiner Bildschirmschutz sinnvoll.

Apropos LTE: Warum hat Microsoft dem Surface Pro 3 keine Kompatibiltät zu mobilen Datennetzen verpasst? Ja, natürlich ist Tethering eine Option, aber nicht gerade die komfortabelste. In Sachen Mobilität gewinnt das iPad hier für mich leider haushoch.

Ein weiteres Feature, mit dem Microsoft seinen Notebook-Hybriden bewirbt, ist die Business-Tauglichkeit. Wer ein Surface Pro 3 besitzt, der hat nicht nur irgendeine Mobil-Variante von Office zur Hand, sondern bekommt Zugriff auf das “richtige” Excel, Word und Powerpoint. Dazu kann ich mir in Meetings mit dem Digitizer-Stift handschriftliche Notizen machen, die direkt umgewandelt werden. Hands down: Aus Business-Sicht ist das Surface Pro 3 ein unschlagbares Gerät. Würde ich in einem Unternehmen arbeiten, dessen IT auf Windows-Systemen basiert, dann wäre das Pro 3 das Arbeitsgerät meiner Wahl. Das Problem: Diese Wahl liegt nicht unbedingt bei mir. Hier ist Microsoft gut beraten, auf B2B-Seite Unternehmen die Vorzüge seine Surface Pro 3 schmackhaft zu machen.

Da geht noch so viel mehr

Kurz zusammengefasst: Weder als Notebook-, noch als Tablet-Ersatz überzeugt mich das neue Microsoft-Flaggschiff momentan. Um einen Spruch aus Deiner aktuellen Werbekampagne zu zitieren, liebes Microsoft: Ganz ehrlich, das könnt Ihr doch besser! Freilich kann man mir als Mac-Nutzer vorwerfen, ich würde das Surface mit der Apple-Brille sehen. Aber hey: Ich bin nun einmal ein überzeugter Mac-Nutzer. Nichtsdestotrotz halte ich Microsoft für einen innovativen Konzern und das Surface Pro 3 für ein innovatives Produkt. Weil ich es Microsoft gönnen würde, mit dem Gerät im Notebook-Markt Fuß zu fassen, hier ein paar Verbesserungsvorschläge:

Nutzt Eure Ressourcen: Ihr habt Windows, Ihr habt Windows Phone 8, Ihr habt die Xbox One und Ihr habt die Cloud. Doch wenn ich das Surface Pro 3 aufklappe, dann habe ich gefühlt nur ein weiteres Windows-Notebook in der Hand. Im Review-Video kritisierten Shu und ich die teils inkonsquente Steuerung bzw. unbeabsichtigte Eingaben per Touch. Hier der Deal: Lasst das Surface Pro im Hintergrund auf zwei Systemen laufen. Das ist technisch problemlos möglich - Hybriden, wie etwa das Transformer Book Trio von Asus, machen’s vor. Das bedeutet: Nutze ich das Surface mit der Tastatur, dann habe ich die Desktop-Ansicht vor mir und kann meine Inhalte wunderbar auch auf mehrere Bildschirme verteilen. Nehme ich das Display aus der Tastatur, dann bekomme ich die reine Kachelansicht von Windows Phone. Das würde gleichzeitig die Synchronisierung mit meinem Smartphone mit Windows Phone 8 erleichtern, auf dem ich dann permanent alle Files zur Verfügung hätte.

Wo wir schon bei der mobilen Nutzung sind: Verpasst dem Surface der nächsten Generation einen Simkarten-Slot für mobiles Internet. Für ein Gerät in der Preisklasse ab 700 Euro und mit einem Gehäuse mit diesen Maßen sollte das machbar sein. Ferner würde es die Nutzer nicht mehr an ein WLAN binden.

Verpasst dem Device eine vernünftige Tastatur. Das Surface selbst verfügt über ein schickes Alu-Finish. Warum man der Tastatur auf der Unterseite einen Mikrofaser-Look, der Staub magisch anzuziehen scheint, verpasst hat, ist mir schleierhaft. Hier wäre eine flache, starre Tastaurvariante meiner Meinung nach nicht nur schicker, sondern auch praktischer - weil nicht mehr so instabil.

Integriert den Digitizer ins Gehäuse. Belegte beim Surface Pro 2 der Stift noch den Anschluss fürs Ladekabel, hat Microsoft ins neue Type Cover eine Schlaufe integriert. Eine Schlaufe. Das erinnert mich nicht nur an mein erstes Schuletui, das ist auch dann unpraktisch, wenn ich das Surface in der Tasche mit mir herumtragen will und der Stift durch die Erschütterungen aus der Schlaufe fällt. Mein Vorschlag. Macht den Stylus kleiner und integriert ihn in das Gehäuse, wie es Samsung etwa beim Galaxy Note seit Jahren macht.

Bis es soweit ist, bleibt das Surface Pro 3 für mich hinter seinen Möglichkeiten. Die Idee ist erkennbar, aber noch hinter einem für mich inkonsequent umgesetzten Bedienkonzept versteckt. Dennoch habe ich Hoffnungen, dass der Nachfolger die Kritikpunkte ausmerzen könnte. Vielleicht, aber nur vielleicht, lege ich dann einmal mein Macbook beiseite...


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