Gebrauchte Gadgets in 97 Minuten versteigern mit Fobo

So geht es schneller als auf dem Flohmarkt: mit  Fobo Gadgets in 97 Minuten versteigern
So geht es schneller als auf dem Flohmarkt: mit Fobo Gadgets in 97 Minuten versteigern(© 2010 istock.com/nievesm)

Nur in San Francisco: Die neue iPhone-App Fobo verspricht, Gadgets innerhalb von 97 Minuten zu versteigern. Wenn sich kein Bieter findet, kauft das Startup das gelistete Gerät. Curved hat das Service getestet.

Verstaubte Gadgets loswerden

Das Schöne an San Francisco ist, dass in dieser Stadt Dienstleistungen getestet werden, bevor andere Märkte betreten werden. So testet Google aktuell hier seinen Zustelldienst "Shopping Express". Das Startup Shyp nimmt den Einwohnern den Weg zum Postamt ab. Und neuerdings will Fobo dabei helfen, verstaubte Gadgets zu verkaufen.

Das Prinzip der App, die bisher nur am iPhone verfügbar ist: Produkte, die ein User listet, werden innerhalb von 97 Minuten garantiert verkauft, im schlimmsten Fall nimmt Fobo selbst das Gerät ab. An einem warmen Sonntagnachmittag beschließe ich also, meine Schublade voll von Fitness-Trackern zu räumen. Für den Fobo-Test dienen ein Nike Fuelband sowie ein Fitbit One, beide so gut wie nie benutzt, und ein nie geöffneter Pedometer eines unbekannten Anbieters. Nach der Installation und der Registrierung der App kann der User gleich mit einer Auktion starten.

Fobo, CURVED Montage

Garantierter Listenpreis basiert auf eBay-Werten

Fobo teilt die Produkte in verschiedene Kategorien: Apple-Geräte, Home Automation oder Kamera-Ausrüstung etwa. Meine drei Gadgets landen in "Health Tech". Um ein Gerät zu listen, muss der User das Modell auswählen. Für das Fuelband und das Fitbit sind bereits Modellnamen angelegt. Im nächsten Schritt muss mindestens ein Foto vom Verkaufsobjekt gemacht werden. Dann schlägt Fobo einen garantierten Listenpreis vor. Laut dem Startup errechnet sich dieser durch die durchschnittlichen Versteigerungspreise auf eBay. Das Fuelband, immerhin schon nicht mehr das neueste Modell, wird mit 44 US-Dollar garantiert, das Fitbit um einen Dollar mehr. Für den unbekannten Pedometer hat Fobo jedoch keine Schätzung parat. Es dauert einen Tag, bis das Team einen Garantiepreis festgelegt hat. Letztendlich werden mir fünf Dollar für das Gerät zugesichert.

Sobald ein Angebot online ist, läuft der Countdown von 97 Minuten. Wie potenzielle Käufer gefunden werden? Nutzer können verschiedene Kategorien abonnieren und erhalten Benachrichtigungen, wenn ein gewünschtes Gerät zum Verkauf angeboten wird.

Überschaubare Reichweite

Ich verbringe gut eine Stunde damit, immer wieder auf mein iPhone zu schielen. Beide Produkte haben nicht mehr als vier Views. Sonntagnachmittag scheint kein guter Zeitpunkt zu sein, um kurzfristig zu versteigern. Fobo hatte im November 2013 eigenen Angaben zufolge 1.000 Beta-User. Wie viel es seit dem offiziellen Start im Januar sind, ist nicht bekannt. Die einzelnen Kategorien haben meist rund 1.500 Follower. Noch ist Fobo also überschaubar.

Engagiert das Team von Fobo Freunde, die im letzten Augenblick einspringen?

Eine halbe Minute bevor meine Versteigerungen auslaufen, erhalte ich zwei Benachrichtigungen. Chello will mir um 45 Dollar das Fuelband abnehmen, Jennifer schnappt sich für den gleichen Betrag das Fitbit.  Dass sich jeweils eine halbe Minute vor Auktionsschluss zwei Bieter gefunden haben, hinterlässt bei mir einen schäbigen Eindruck. Engagiert das Team von Fobo Freunde, die im letzten Augenblick einspringen? Das würde die enttäuschende Optik, dass das Startup die Geräte selbst aufkaufen muss, vertuschen.

Die Übergabe

Die Regeln sehen vor, dass die Übergabe des versteigerten Gadgets innerhalb von 48 Stunden erfolgen muss. Per SMS oder Telefon können sich der Käufer und Verkäufer verabreden. Üblicherweise holt der Käufer sein Gerät ab. Ich bitte also Chello und Jennifer, Montagabend vorbeizukommen. Chello bleibt im Auto sitzen und drückt auf ihrem iPhone herum, während ich ihr das Fuelband überreiche. Auf meine Frage, ob das ihre erste Fobo-Auktion sei, meint sie nur knapp:"Ja." Jennifer hat das Fitbit für ihre Mutter ersteigert, auch für sie ist es die erste Transaktion.  "Reibungslose Übergabe, gute Kommunikation", hinterlässt sie mir als Review in der App.

Wurden die beiden von Fobo geschickt? Ich weiß es nicht, zumindest Jennifer wirkte authentisch. Was das Startup aber gern versteckt, ist die Gebühr, die es für die Versteigerung einbezieht. Am Ende bleiben mir nur 38,25 Dollar pro Verkauf übrig. Auch die Bezahlung ist etwas verwirrend. Die App erinnert nicht aktiv daran, die Kontodaten anzugeben. Jedenfalls soll das Geld innerhalb von zwei Tagen bei mir landen.

Fazit: Konzept hat Potenzial

Fobo ist eine gute Methode, nicht verwendete Elektrogeräte loszuwerden und dafür schnelles Geld zu machen. Würde ich woanders mehr als 38,25 Dollar für ein Fitbit oder Fuelband bekommen? Sehr wahrscheinlich. Bei Anzeigenmärkten wie Craigslist werden die zwei Tracker teilweise für das Doppelte gelistet. Allerdings vergehen dort Wochen bis sich ein Käufer findet - wenn überhaupt  - und man muss sich mit Scammern, Bezahlung und Abwicklung herumschlagen.

Derzeit steigen bei Fobo wohl eher Käufer gut aus, weil das Angebot noch überschaubar ist und der garantierte Listenpreis gering. Für Verkäufer hat Fobo den Vorteil, dass das Gerät garantiert verkauft wird und die Holschuld beim Käufer liegt. Die Funktionalitäten der App sind auf jeden Fall noch ausbaufähig. Das Konzept an sich hat jedoch Potenzial, gerne auch für andere - deutsche - Städte.


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