Google I/O 2012: Nexus 7, Android 4.1 und Nexus Q

Die Google I/O ist in vollem Gange. Bei der Keynote am 27. Juni 2012 hat der Internet-Konzern einige Neuheiten vorgestellt und konnte trotz der vielen Gerüchte, Spekulationen und Leaks im Vorfeld noch mit der einen oder anderen Überraschung aufwarten.

Weniger überraschend war die Präsentation des Nexus 7, des ersten eigenen Google Tablets. Das 7 Zoll große Gerät soll vor allem dem Amazon Kindle Fire Konkurrenz machen, auch mit dem Preis von $199,- (rund €160,-, 8 GB Speicher) bzw $249,- (€200,-, 16 GB Speicher). Wie im Vorfeld schon häufig proklamiert stellt Asus das Google Tablet her. Angetrieben wird das Google Nexus 7 von Nvidias Tegra 3, einem leistungsstarken Quadcore-Prozessor, der von 1 GB Arbeitsspeicher unterstützt wird.

Nexus 7 – das Volks-Tablet?

Das 7 Zoll große Backlit IPS-Display des Google Nexus 7 löst mit 1.280 x 800 Pixeln auf und ist aus kratzfestem Corning Glas. Auf die rückwärtige Kamera verzichtet Google, eine 1,2 MP Frontkamera für Videotelefonie ist jedoch vorhanden. Neben WLAN und Bluetooth ist auch NFC mit an Bord. Google Chrome wird wie erwartet der Standard-Browser für das Nexus 7, außerdem wurden einige Apps speziell für das Tablet optimiert. Das Google Tablet soll ab Mitte Juli in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien erhältlich sein und kann jetzt schon vorbestellt werden. Wann es nach Deutschland kommen wird, ist bislang noch unbekannt.

Wie zu erwarten war läuft auf dem Google Nexus 7 schon Android 4.1 Jelly Bean als Betriebssystem. Auch die neue Android-Version stellte Google auf der Entwickler-Konferenz in San Francisco vor. Jelly Bean soll schon Mitte Juli für das Galaxy Nexus, das Nexus S und das Motorola Xoom als OTA-Update ausgerollt werden. Die Neuerungen, die das überarbeitete Betriebssystem mitbringt, können sich durchaus sehen lassen.

Jelly Bean wird schneller

Eine Neuerung, die wohl zu den wichtigsten bei Android 4.1 Jelly Bean gehört, aber eher weniger offensichtlich ist, ist das sogenannte Project Butter. Project Butter bündelt diverse Maßnahmen wie zum Beispiel eine erhöhte Framerate, Triple Buffering oder eine bessere Touch-Erkennung, um das gesamte Betriebssystem flüssiger zu machen. Ordentlich geschraubt hat Google auch an der Spracheingabe, die ab Android 4.1 auch ohne Internet-Verbindung funktioniert. Vorerst wird das nur in englischer Sprache der Fall sein, weitere Sprachen sollen jedoch folgen. Auch die Sprachsuche hat einige Verbesserungen erfahren. Optimiert wurde Google Now, ein Teil der Suche, der somit zu einem praktischen Helferlein wird. Google Now lernt dazu, speichert auf Wunsch Suchanfragen und besuchte Orte (dieses Feature muss separat aktiviert werden), erinnert an Termine und schickt den Nutzer unter Einbeziehung der Verkehrsverhältnisse zum richtigen Zeitpunkt auf den Weg, um pünktlich beim Termin einzutreffen. Leider ist momentan noch unklar, ob wir in Deutschland auch von Anfang an in den Genuss dieses Features kommen werden.

Gründlich überarbeitet wurde auch die Kamera App. Dank Swipe-Gesten lassen sich Bilder schneller löschen, indem man das Bild einfach nach oben zieht. Auch das Blättern durch die Galerie wurde durch Swipe-Gesten verbessert und für den Nutzer komfortabler gemacht. Mit Hilfe von Pinch-to-Zoom können die Aufnahmen in der Galerie für einen besseren Überblick so verkleinert werden, dass sie als Filmstreifen angezeigt werden. Fotos und Videos können unter Android 4.1 Jelly Bean auch via Android Beam ausgetauscht werden, bislang war so nur das Übertragen von kleineren Datenpaketen möglich. Mit Hilfe von Android Beam lassen sich jetzt auch Bluetooth-Geräte verbinden.

Verbesserter Homescreen, überarbeitete Benachrichtigungen

Auch der Homescreen von Android 4.1 Jelly Bean wurde überarbeitet. Apps und Widgets können einfacher gelöscht werden, indem sie – ähnlich wie Bilder – einfach nach oben aus dem Display heraus gezogen werden. Widgets werden außerdem dynamisch angepasst, schaffen sich selbst Platz und müssen nicht mehr manuell an ihren Platz gesetzt werden. Auch die Benachrichtigungen, die mit Ice Cream Sandwich schon deutliche Verbesserungen erhalten haben, wurden erneut überarbeitet und optimiert. So bekommt der Nutzer unter Jelly Bean die oberste Benachrichtigung etwas detaillierter angezeigt. Wischt man sie weg oder hat sie erledigt, erscheint die folgende Benachrichtigung mit mehr Informationen. Entwickler können Benachrichtigungen, die ihre Apps ausgeben, individuell anpassen.

Google hat außerdem das Platform Developer Kit (PDK) vorgestellt. Hardware-Partner sollen damit bereits zwei bis drei Monate, bevor eine neue OS-Version erscheint die Gelegenheit bekommen, die neue Plattform-Version an die eigenen Bedürfnisse und die entsprechende Hardware anzupassen. Damit will man wohl den gesamten Update-Prozess beschleunigen, sodass Hardware-Partner zukünftig wesentlich zeitnaher ihre Updates ausrollen können. Hier scheint Google auf die vielen Beschwerden von Nutzern zu reagieren, die teilweise unglaublich lange auf Updates warten müssen.

Änderungen im Detail sorgen für mehr Komfort

Auch wenn man auf den ersten Blick keine revolutionäre Innovation bei Android 4.1 Jelly Bean entdeckt – alles in allem scheint die neue OS-Version ein deutliches Mehr an Komfort zu bieten, bereits vorhandene Funktionen wurden weiter ausgebaut und optimiert. Damit dürfte Jelly Bean zu einem wichtigen und interessante Update werden, das das gesamte Android-OS verbessert und abrundet. Hier kann man nur sagen: Weiter so, Google!

Überraschung: Nexus Q, die Entertainment-Zentrale fürs Wohnzimmer

Die größte Überraschung bei der Keynote der Google I/O war sicherlich die Vorstellung des Nexus Q, mit dem niemand gerechnet hatte. Dabei handelt es sich um eine Art kleinen Computer fürs Wohnzimmer, der sämtliche Medieninhalte bündelt. Google nennt den (oder das?) Nexus Q einen "sozialen Streaming Player“. Über Nexus Q lassen sich Musik und Videos streamen, er ist ständig mit der Cloud verbunden. Außerdem sollen beispielsweise auch Gäste die Möglichkeit haben, über Nexus Q Musik oder Fotos von ihrem Smartphone auf die Stereo-Anlage bzw. den Fernseher ihres Gastgebers zu übertragen. Gleiches gilt natürlich für Filme. Ein interessantes Produkt ist Nexus Q allemal, mit $299,- (rund €240,-) aber auch nicht ganz billig.

Nach der ersten von zwei Keynotes auf der Google I/O 2012 gibt es also erst einmal richtig viel zu verdauen. Auf jeden Fall ist es spannend zu sehen, in welche Richtung sich Android entwickelt und wie sehr man bei Google auch um Verbesserungen des mobilen Betriebssystems bemüht scheint. Mit dem Nexus 7 Tablet wurde ein Produkt für die breite Masse, mit dem Nexus Q eher ein Nischenprodukt vorgestellt. Jetzt sind wir gespannt, was uns auf der Entwickler-Konferenz von Google noch alles erwartet!