Google Maps: Standortverlauf bringt Radfahrer fast ins Gefängnis

GPS aktivieren, Handy in Halterung einlegen, Radtour machen – so könnt ihr offenbar als Verdächtige bei der Polizei landen
GPS aktivieren, Handy in Halterung einlegen, Radtour machen – so könnt ihr offenbar als Verdächtige bei der Polizei landen(© 2016 CURVED)

Radtour bis ins Gefängnis? So hätte eine Geschichte in Florida enden können. Der Standortverlauf von Google sorgte dafür, dass ein nichtsahnender Fahrradfahrer plötzlich im Fokus der Polizei stand. Dieser Fall zeigt deutlich auf, welche Vor- und Nachteile moderne Technik mitbringt.

Zachary aus Florida bekam im Januar 2020 eine E-Mail von Google, laut der die Polizei Informationen über ihn beziehungsweise seinen Google-Account von dem Unternehmen angefordert hat. Wie NBC News berichtet, war das eine große Überraschung für den 30-Jährigen, da er offenbar nicht gegen das Gesetz verstoßen hat. Für die Einsatzkräfte wurde er allerdings zum Verdächtigen wegen eines Einbruchs. Diese hatten nämlich seinen Standortverlauf näher einsehen können, den ihr übrigens gar nicht so leicht ausschalten könnt.

Wäre er nun direkt zur nächsten Polizeiwache gelaufen, um die Sache aufzuklären, wäre er womöglich direkt im Gefängnis gelandet – wenn vermutlich auch nur zur Untersuchung. Zum Glück entschied er sich, mit seinen Eltern und einem Anwalt zu sprechen. So konnte er nämlich nachverfolgen, wieso er ins Visier der Ermittler geraten ist.

Google-Standortverlauf zeigte verdächtige Strecke

Was war passiert? Eigentlich hat Zachary nur eine Fahrradtour gemacht. Dafür nutzte er eine App, um seine Strecke zu tracken. Diese bediente sich wiederum der Google-Dienste, sodass seine Route auch vom Standortverlauf aufgezeichnet wurde, den ihr bei Google Maps findet. Da die Polizei im Falle des Einbruchs wohl eher ratlos war, werteten sie alle Standortverläufe im Umkreis des betroffenen Hauses aus.

Zachary fuhr am Tag der Tat gleich mehrmals an dem Gebäude vorbei – und radelte sich somit in den Fokus der Ermittler. Mit diesem Hintergrundwissen konnte er die Sache aber offenbar schnell aufklären.

Zumindest in den USA sind Polizisten dazu in der Lage, die Google-Standortverläufe von Personen in der Nähe eines Tatortes auszuwerten. Diese Daten erhalten sie aber vorerst wohl nur anonymisiert. Erst wenn sie Auffälligkeiten entdecken, so wie etwa bei Zachary, können sie wohl weitere Details beim Suchmaschinenriesen anfordern.

Fehlende Infos sorgten für Angst

Der Radler wusste von all diesen Dingen (also auch von dem Einbruch) natürlich erst später. Zunächst einmal hatte er nur eine E-Mail auf seinem Handy, dass die Polizei seine Daten angefordert hat. Und das führte bei ihm anscheinend zu Angst und Panik, da er immerhin nicht wusste, das die Beamten von ihm wollten. Erst durch die in der Mail von Google hinterlegten Aktennummer konnte er sich langsam zusammenreimen, was passiert war.

Dieser Fall zeigt: Für die moderne Verbrechensbekämpfung kann etwa ein Google-Standortverlauf hilfreiche Hinweise liefern, wenn die Polizei in einem bestimmten Fall nicht weiter weiß. Auf der anderen Seite kann das aber auch dafür sorgen, dass hin und wieder auch Unbeteiligte zu Verdächtige werden. Der alte Spruch "Zur falschen Zeit am falschen Ort" bezieht heutzutage eben auch GPS mit ein.

Beachtet jedoch, dass sich dies in den USA zugetragen hat. In Deutschland geht die Polizei womöglich ganz anders vor oder darf nur in ganz besonderen Fällen Standortverläufe rund um Tatorte einsehen.


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