Google mobilisiert gegen Leistungsschutzrecht

„Willst Du auch in Zukunft finden, was Du suchst? Mach' mit: Verteidige Dein Netz“ - so ist es heute auf der Startseite von Google zu lesen. Die Bedeutung dieser Zeile ist wohl den wenigsten auf den ersten Blick klar. Hinter dem Aufruf des Internet-Konzerns steckt ein Gesetzentwurf, der am kommenden Donnerstag im Bundestag diskutiert wird und der das (deutschsprachige) Internet massiv verändern könnte.

Leistungsschutzrecht für Presseverleger – was ist das eigentlich?

Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger sieht vor, dass Suchmaschinenbetreiber wie Google dafür bezahlen müssen, Inhalte der Verlage in den Suchergebnissen aufzuführen. Wenn man bei Google etwas sucht, dann bekommt man in den Ergebnissen den Titel des entsprechenden Artikels sowie sogenannte Snippets, kurze Textauszüge, die einen kleinen Einblick in die Inhalte des Artikels geben, zu sehen. Und genau dafür sollen Google, Microsoft und Co. nach Meinung der Presseverleger bezahlen, denn sie verdienen (durch Werbung) ja auch Geld mit den Suchergebnissen.

Auch wenn nicht nur Google vom Leistungsschutzrecht betroffen wäre, so trifft es den Suchmaschinen-Konzern wohl am schwersten - von den Nutzern einmal abgesehen. (Bild: Google)

Google kostet die Verlage Leser?

Die Verlage, die das Leistungsschutzrecht fordern, argumentieren, dass vielen Internet-Nutzern die kurzen Snippets bei Google bereits ausreichen und so die Besucher von der eigentlichen Website fern blieben. Außerdem verweisen sie auf die bereits bestehenden Leistungsschutzrechte von Herstellern von Filmen und Tonträgern sowie Sendeunternehmen. Das klingt so weit recht plausibel. Doch auch die Gegenseite hat Argumente vorzubringen.

Google bringt den Verlagen Leser?

Stefan Tweraser, Country Director von Google Deutschland argumentiert, dass Google den Verlagen über die Suchergebnisse Leser bringt, dass also die Verlage ihren Nutzen aus den Suchmaschinen-Ergebnissen ziehen und nicht umgekehrt. Laut n-tv.de greifen bei großen Nachrichtenseiten bis zu 50 Prozent der Besucher via Google auf die Website zu. Ralf Bremer von Google Deutschland nennt konkrete Zahlen: 4 Milliarden Suchanfragen kommen bei Google pro Monat zusammen, das sind rund 100.000 Klicks pro Minute.

Davon einmal abgesehen wäre es für die Verlage ein Leichtes, die Auffindbarkeit in Google einfach durch einen entsprechenden Code auszuschalten und dann gar nicht mehr in den Ergebnissen aufgeführt zu werden. Die Frage ist, ob das im Sinne der Verlage wäre.

Welche Konsequenzen bringt das Leistungsschutzrecht?

Aus heutiger Sicht sind die Konsequenzen noch nicht genau abzusehen. Es geht ja beim Leistungsschutzrecht nicht um ein generelles Verbot, sondern darum, dass Suchmaschinenbetreiber und andere Aggregatoren die Inhalte lizensieren sollen, auf die sie verlinken. Denkbar wäre aber durchaus, dass Google alle Seiten aus dem Index verbannt, für die eben diese Lizenzgebühren fällig würden. Ob Google tatsächlich so weit gehen würde, ist nicht klar – darauf angesprochen scheint es aber zumindest niemand bei dem Suchmaschinen-Riesen zu verneinen.

Leistungsschutzrecht – nicht zu verwechseln mit Urheberrecht

Vom Leistungsschutzrecht profitieren nicht in erster Linie – wie man vielleicht meinen könnte – die Journalisten, die die Texte verfassen, sondern die Verlage. Man könnte argumentieren, dass die Einnahmen, die die Verlage durch Lizenzgebühren erhalten würden indirekt den Redakteuren zu Gute kommen, da sie auf diese Weise ihren Job vielleicht nicht verlieren. Doch wäre das ein wenig weit hergeholt – und obendrein auch gar nicht sicher. Spätestens nach dem Aus für die Financial Times Deutschland und ihren Online-Ableger dürfte vielen Menschen die prekäre Situation des Journalismus, dem sich natürlich auch und vor allem die Verlage ausgesetzt sehen, bewusst sein.

Für eigene Fehler nicht andere bezahlen lassen

Diese Lage haben die Verleger jedoch zumindest ein Stück weit selbst verschuldet, denn sie haben zu lange in dem Glauben gelebt, Print sei ohnehin nicht totzukriegen. Inzwischen wurden sie eines besseren belehrt und bekommen die Auswirkungen ihres Irrglaubens zu spüren. Doch bevor die Verlage nun andere bezahlen lassen für die Fehler, die sie selbst gemacht haben, sollten sie sich lieber überlegen, wie man aus dem Dilemma wieder herauskommt und es dabei dennoch schafft, Qualitätsjournalismus zu liefern – ohne Leistungsschutzrecht, das letzten Endes nur einen bestraft: den Nutzer.

Weitere Pro- und Contra-Argumente zum Leistungsschutzrecht sowie die Möglichkeit an der Initiative gegen das Leistungsschutzrecht zu beteiligen findet man unter anderem bei I.G.E.L - Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht.