Googles Digital Wellbeing ausprobiert: Weniger Smartphone ist mehr Leben

Läuft der Timer ab, kann man auch CURVED nicht mehr lesen.
Läuft der Timer ab, kann man auch CURVED nicht mehr lesen.(© 2018 CURVED)

Digital Wellbeing heißt die Funktion, die es euch unter Googles neuem Betriebssystem Android 9 Pie erlaubt, den Umgang mit Apps zu regulieren. Der Gedanke dahinter: Nutzer sollen bewusst weniger Zeit mit dem Smartphone verbringen und aktiver am Leben teilnehmen. Wir haben sie ausprobiert.

Endlich Urlaub! Früher hieß das: Füße hoch und entspannen. Heute ist das nicht mehr ganz so einfach. Schließlich haben wir alle das Smartphone immer mit dabei und damit im Zweifel auch in der Freizeit Zugriff auf Arbeits-E-Mails, auf diverse soziale Netzwerke und Nachrichten-Apps wie WhatsApp. Diese und andere Anwendungen sorgen dafür, dass wir uns in unserer Freizeit zu viel mit dem Smartphone beschäftigen und dadurch Gefahr laufen, die kleinen besonderen Momente in unserem Leben nur noch durch die Kamera, am Rande oder im schlimmsten Fall gar nicht mehr wahrzunehmen.

Digital Wellbeing für analoges Wohlbefinden

Ausgerechnet Google, das Unternehmen hinter dem am weitesten verbreiteten Betriebssystem der Welt, möchte seine Nutzer nun dazu bewegen, das Smartphone nicht länger als nötig zu benutzen. "Digital Wellbeing", also digitales Wohlbefinden, heißt eine neue Funktion, die Google in das Betriebssystem Android 9 Pie eingebaut hat und die ihr unter anderem in den Einstellungen findet. Sie wertet nicht nur aus, wie viel Zeit Nutzer mit welcher App verbringen, sie ermöglicht es auch, den Konsum zu reglementieren.

Seht ihr zum Beispiel, dass ihr zu viel Zeit mit der YouTube-App verbringt, könnt ihr in den Einstellungen festlegen, dass ihr die App künftig nur noch für einen bestimmten Zeitraum, etwa 30 Minuten am Tag, benutzen könnt. Kurz bevor die Zeit abgelaufen ist, bekommt ihr vom System die Nachricht, dass euch YouTube nur noch fünf Minuten zur Verfügung steht. Den letzten Hinweis gibt es eine Minute vor Ablauf der Zeit.

Habt ihr euer Kontingent aufgebraucht, könnt ihr die App für den Rest des Tages nicht mehr benutzen. Versucht ihr es dennoch, bekommt ihr stattdessen eine Meldung angezeigt, die besagt, dass der Timer für die App am nächsten Tag neu startet.

Wenn die Zeit abgelaufen ist, könnt ihr entsprechende Apps nicht mehr benutzen.(© 2018 CURVED)

Entspannungsmodus für die Nacht

Damit aber nicht genug. Google will auch dafür sorgen, dass ihr gut, ausreichend und vor allem störungsfrei schlaft. Dazu integrieren die Entwickler den Entspannungsmodus. Dieser aktiviert und deaktiviert sich selbstständig zu von euch festgelegten Zeiten und sorgt dafür, dass ihr des Nächtens nicht von eingehenden Nachrichten oder Anrufen gestört werdet.

Für die Zeit vor dem Schlafengehen könnt ihr außerdem das Nachtlicht aktivieren. Dahinter verbirgt sich nicht etwa eine Einschlafhilfe für kleinere Nutzer. Stattdessen werden Display-Inhalte gelblich eingefärbt. Das soll die Augen beim Lesen bei schlechter Beleuchtung schonen. Um zu verhindern, dass ihr nicht zu lange lest, kann der Nachtmodus den Bildschirm auch so einstellen, dass er Inhalte nur noch in Schwarzweiß anzeigt. Kein Scherz: Das soll dafür sorgen, dass man das Smartphones abends im Bett schneller bei Seite legt.

Der Entspannungsmodus bietet einige Einstellungen für die Nachtruhe.(© 2018 CURVED)

Digital Wellbeing in der Praxis

In meinem Urlaub habe ich die Funktion zweieinhalb Wochen auf dem Pixel 3 XL ausprobiert. Statt anderen beim Urlaub auf Instagram zuzuschauen, wollte ich lieber selbst aktiv entspannen. Deswegen habe ich den Zugriff auf die Foto-App und zusätzlich auf Twitter, YouTube und den Chrome-Browser auf jeweils 30 Minuten pro Tag reduziert. Statt ständig am Smartphone zu hocken, hatte ich nun tatsächlich mehr Zeit für wichtigere Dinge im Leben.

Denn austricksen lässt sich die Funktion nicht so einfach. Ist zum Beispiel die Zeit für den Chrome-Browser abgelaufen, lassen sich auch in der Google-App oder in Twitter keine Links mehr aufrufen. Wer das doch will, muss aktiv in die Einstellungen gehen und die Timer wieder abschalten. Das käme allerdings einem Selbstbetrug gleich.

Nachteile und Alternative fürs iPhone

Allerdings liegt hier auch ein Knackpunkt. Denn man muss sich schon bewusst dafür entscheiden, dass man das Smartphone weniger nutzen möchte. Man muss außerdem alle Einstellungen selbstständig treffen. Und man muss durchhalten. Wenn man das schafft, lernt man aber recht schnell, dass man das Smartphone im Alltag tatsächlich viel weniger braucht, als man vielleicht denkt.

Eine Übersicht zeigt, wie oft und wie lange ihr welche App nutzt.(© 2018 CURVED)

Weitere Nachteile: Offiziell ist Digital Wellbeing noch nicht komplett fertig. Wer mag, kann sich aber die Vorschauversion aus dem Play Store installieren. Voraussetzung dafür ist aktuell noch ein Pixel-Smartphone oder ein Android-One-Gerät, etwa von Nokia. Bis die App dann auf weitere Smartphones kommt, kann es allerdings noch etwas dauern, denn Android 9 Pie ist noch nicht sehr weit verbreitet. Außer auf Googles Pixel- und einigen Nokia-Smartphones läuft das System aktuell nur auf einigen wenigen Top-Geräten wie dem Huawei Mate 20 Pro oder dem Sony Xperia XZ3. Weitere Smartphones werden aber folgen. Welche das sind, lest ihr hier.

Übrigens hat Apple ins iPhone-Betriebssystem iOS 12 eine ähnliche Funktion integriert. Unter "Bildschirmzeit" könnt ihr ähnliche Timer einrichten wie unter Android. Wie das geht, erklären wir hier. Einen Unterschied zum Google-System gibt es aber: Apple lässt euch die Möglichkeit, die Timer zu ignorieren. Ihr könnt dann einstellen, dass ihr in 15 Minuten wieder daran erinnert werdet, obwohl ihr das Limit längst überschritten habt. Alternativ könnt ihr den Timer für bestimmte Apps für den kompletten Tag ausschalten. Das geht bei Google nicht so einfach.

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