Googles neues Gmail: Frisches Design, Selbstzerstörung für E-Mails und mehr

Über eine Milliarde Nutzer weltweit benutzen Googles Gmail. Für das Unternehmen ist das Grund genug, seinen Mail-Dienst gründlich aufzufrischen. Gmail bekommt nicht nur ein neues Design sondern viele neue Funktionen.

Obwohl Messenger wie WhatsApp oder der Facebook Messenger mittlerweile Milliarden aktive Nutzer zählen: Die E-Mail konnten sie nicht ablösen. Laut Statista wurden 2017 allein in Deutschland 771 Milliarden Mails pro Tag verschickt. Tendenz steigend. Damit Nutzer dabei nicht den Überblick übers Postfach verlieren, stellt Google in einem Blog-Eintrag eine überarbeitete Version seines Dienstes vor, viele neue Funktionen inklusive.

Vertraulicher Modus und deutliche Warnungen

Im Vordergrund steht offenbar das Motto "Safety First", also Sicherheit zuerst. Denn zu den größten Neuerungen gehört der Modus "Vertraulich". Wie der Name schon andeutet, könnt ihr diesen Modus benutzen, wenn ihr beruflich oder privat sensible Informationen an einen Empfänger schickt. Wie bei Snapchat könnt ihr ein Ablaufdatum für die Mail festlegen. Zusätzlich könnt ihr den Dienst auch so einrichten, dass der Empfänger sich per SMS authentifizieren muss, um eure Nachricht lesen zu können. James Bond lässt grüßen.

Dazu könnt ihr auch die Möglichkeiten beschränken, mit denen der Empfänger mit der Mail interagiert. Sprich: Ihr könnt vor dem Versand festlegen, ob der Gegenüber die Mail weiterleiten, kopieren, herunterladen oder ausdrucken darf. Das soll verhindern, dass vertrauliche Inhalte (auch aus Versehen) an die falschen Personen gelangen. Über dies hat Google die Sicherheitswarnungen neu gestaltet. Geht eine Mail mit vermutlich dubiosen Inhalten ein, seht ihr jetzt einen dicken roten Balken, der euch warnt, dass die Inhalte gefährlich sein könnten.

Das neue Design von Gmail.(© 2018 Google)

Mehr Ordnung durch künstliche Intelligenz

Damit euer Postfach nicht nur sicher sondern auch möglichst aufgeräumt bleibt, hat Google neue, auf künstliche Intelligenz (KI) gestützte, Funktionen integriert. Einige davon sind bereits durch Googles zweite Mail-App Inbox oder die Smartphone-App bekannt. Dazu gehören unter anderem die intelligenten Antworten. Auf Basis der eingehenden Nachrichten schlägt Google euch passende, kurze Antworten vor, die mit ihr mit einem Klick an den Absender zurückschicken könnt, ohne selbst eine komplette Mail zu verfassen. (Fun Fact am Rande: Laut Google werden auf diese Weise schon zehn Prozent aller Mails in Gmail beantwortet.)

Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, sich automatisch an Mails erinnern zu lassen. Eine ungelesene Nachricht liegt dann quasi auf Wiedervorlage, Gmail erinnert euch in passenden Zeitabständen daran und fragt, ob ihr die Nachricht nun beantworten wollt. Seid ihr einmal ohne Internetverbindung unterwegs, könnt ihr bis zu 90 Tage alte Mails im neuen Offline-Modus suchen, löschen und beantworten. Die Antworten werden dann natürlich erst bei bestehender Internetverbindung verschickt.

Nur in der Gmail-App könnt ihr wichtige Benachrichtigungen aktivieren. Dahinter verbirgt sich im Prinzip ein Filter, der euer Smartphone nur noch bei wirklich wichtigen Nachrichten und nicht mehr bei jedem Newsletter vibrieren lässt. Apropros Newsletter: Gmail fragt euch in Zukunft bei bestimmten Mailing-Listen, ob ihr euch nicht davon abmelden wollt. Als Grundlage dafür wertet Gmail aus, welche Nachrichten eines Absenders ihr wirklich lest. Zum Start wird diese Funktion nicht zur Verfügung stehen, sie soll aber "in den nächsten Wochen" in der App verfügbar sein.

Nur von wichtigen Mails alarmiert werden (links) und Newsletter abbestellen (rechts)(© 2018 Google)

Gmail wird eine runde Sache

Zusätzlich hat Google das Design von Gmail überarbeitet. Eine optische Verwandtschaft zur älteren Version bleibt zwar bestehen, die neue Version sieht aber etwas aufgeräumter aus. Die Suchzeile befindet sich jetzt direkt über dem Posteingang, Buttons sind jetzt abrundet. Insgesamt sieht das deutlich moderner aus. Dazu kommt: Das neue Gmail bietet viel mehr Möglichkeiten, um mit eingegangen Mails zu interagieren. Ihr könnt jetzt zum Beispiel Anhänge direkt in der Übersicht anklicken und öffnen, um Kalendereinladungen anzunehmen, reicht es, wenn ihr im Posteingang mit der Maus über die Betreffzeile fahrt. Und auf das Uhrensymbol klickt. Ähnlich könnt ihr auch Mails archivieren oder zurückstellen.

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Die neue Seitenleiste mit praktischen Infos.(© 2018 Google)

Zusätzlich gibt es nun eine praktische Seitenleiste, über die ihr schnell Zugriff auf den Google Kalender oder euere Notizen in Google Notizen habt.  Auch Drittanbieter-Anwendungen lassen sich für den Schnellzugriff dort ablegen, wenn sie als Gmail-Add-on zur Verfügung stehen. Google selbst will in den kommenden Monaten neben den Kalender Docs, Tabellen und Präsentationen dort zur Verfügung stellen.

Ganz neu ist der Aufgabenplaner, der ebenfalls Teil der Seitenleiste sein wird. Über den habt ihr eure anstehenden Aufgaben ganz einfach im Griff. Mails können zum Beispiel per Drag-and-Drop einfach in das Tool gezogen werden. Aufgaben könnt ihr darüber hinaus in Listen organisieren und mit Fälligkeitsdaten versehen. Dann werden sich auch im Google Kalender angezeigt. Die neue Anwendung steht übrigens nicht exklusiv für Gmail zur Verfügung. Ihr könnt sie ab sofort auch im Play Store finden. Auch eine iOS-Version soll es geben. Die ist (Stand 25.4.2018, 11:45 Uhr) aber offenbar noch nicht im Apps Sore zu finden.

Wenn ihr das neue Gmail ausprobieren wollt, klickt in der Browser-Version auf das Zahnrad-Symbol oben rechts und dann auf "Probiere das neue Gmail" aus.

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