Handy geklaut – was tun? So sichert, sperrt und ortet ihr euer Smartphone

Ärgerlich, wenn man das Smartphone aus Unachtsamkeit verliert. Nur selten landen sie im Fundbüro und wieder bei ihrem Besitzer.
Ärgerlich, wenn man das Smartphone aus Unachtsamkeit verliert. Nur selten landen sie im Fundbüro und wieder bei ihrem Besitzer.(© 2018 Shutterstock/encierro)

Rund vier Millionen Smartphones gehen jedes Jahr in Deutschland verloren oder werden geklaut. Was kann man tun, wenn es das eigene ist? Denn neben dem finanziellen Schaden sind es vor allem die persönlichen Daten auf dem Gerät, die man nur ungern verliert oder in den Händen Fremder weiß. CURVED hilft euch, den Schaden bei Diebstahl zu minimieren.

Manchmal reicht schon eine Sekunde der Unachtsamkeit. Kurz abgelenkt, nicht aufgepasst, nicht hingeschaut – und das Handy ist weg: geklaut, liegen gelassen, nicht mehr aufzufinden. Beinahe jeder vierte Handy- und Smartphone-Nutzer in Deutschland hat bereits unbeabsichtigt sein Mobiltelefon verloren. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom.

Wenngleich die Befragung bereits 2015 stattfand, dürfte sich der Anteil kaum zum Positiven verschoben haben angesichts der jährlich steigenden Zahl an Smartphone-Besitzern. Denn allein in den drei Jahren von 2015 bis heute ist die Zahl von 46 Millionen auf 57 Millionen geklettert. Das verleitet durchaus zu der Hoffnung, dass man nicht derjenige ist, dem das Handy abhanden kommt. In meinem Bekanntenkreis hat es nicht lange gedauert, jemand zu finden. Was also kann man tun, wenn es eben doch passiert?

Verlustängste abschwächen

Vorab ein kleiner Test: Wie viele Apps habt ihr auf dem Smartphone installiert, die private oder sensible Daten beinhalten? Bei mir sind es: vier verknüpfte E-Mail-Konten, mein Bankkonto, vier soziale Netzwerke, diverse Messenger, Notizen und Kalendereinträge, Fotos, Kontakte, Fitnessdaten, Sprachmemos, Lesezeichen und Browser-Verläufe, Google-Suchen, private und berufliche Korrespondenzen – und vermutlich noch weitaus mehr.

Ihr ahnt es: In meinem Smartphone steckt jede Menge Privatleben/ Privatsphäre. Bei manchen dürfen zu den eigenen Daten noch vertrauliche Arbeitsunterlagen und Kundenkontakte hinzukommen. Der Verlust des Smartphones würde also einen immensen Schaden verursachen.

Obwohl der finanzielle Gegenwert des Smartphones täglich sinkt, steigt gleichzeitig der immaterielle Wert meiner darauf hinterlegten Daten und Informationen mit jedem weiteren Tag. Und damit natürlich auch der Wunsch, diese Daten zu schützen.

Selbstverständlich sollte sein, das Smartphone stets vor akuten Fremdzugriffen zu sichern. Ein Passwort, eine PIN, eine Wischgeste, ein Fingerabdruck oder Gesichtserkennung – alles, was Unberechtigten die Nutzung erschwert, gibt euch Zeit, auch nachträglich noch reagieren zu können. Und bitte: Nehmt nicht "1234" oder "Passwort" als Zugangssperre, seid ruhig etwas kreativer.

IMEI: Die wichtigste Handynummer

Notiert euch zudem die IMEI-Nummer eures Geräts auf einem Zettel oder ähnlichem. Die IMEI-Nummer ist ähnlich der Fahrzeugnummer eines Autos einzigartig und hilft euch und vor allem der Polizei bei der Suche. Außerdem kann der Netzbetreibers nur mithilfe der IMEI-Nummer das Gerät aus der Ferne sperren – dazu gleich mehr. Die 15-stellige Zahlenfolge eures Gerätes ermittelt ihr, indem ihr über die Telefon-App die Zeichenkombination *#06# per Tastenfeld eingebt. Das Smartphone zeigt euch nach korrekter Eingabe umgehend die IMEI-Nummer an, ihr braucht nichts weiter zu drücken.

Alternativ findet ihr die Nummer auch auf dem Karton, aus dem ihr das Smartphone entnommen habt. Achtet darauf, dass ihr die korrekte Nummer notiert und nicht aus Versehen den kürzeren Barcode. Übrigens: Benutzt ihr in eurem Smartphone zwei SIM-Karten, habt ihr auch zwei IMEI-Nummern.

Und wofür braucht ihr die IMEI-Nummer überhaupt? Nun, im besten Fall natürlich gar nicht. Aber geht euer Handy doch mal verloren oder wird euch geklaut, habt ihr mithilfe dieser Nummer eine Möglichkeit, die Schäden gering zu halten.

Wollt ihr das kostspielige Smartphone zum Beispiel gegen Schäden und Diebstahl versichern, müsst ihr die IMEI-Nummer bei Vertragsschluss hinterlegen. Außerdem bieten einige Mobilfunk-Provider in Deutschland an, das entwendete Telefon sperren zu lassen. Auch hierfür ist diese Nummer zwingend erforderlich. Und drittens benötigt auch die Polizei die Angabe, wenn ihr den Diebstahl zur Anzeige bringt – was sich unbedingt empfiehlt.

Versicherungen decken monetäre Schäden

Neben dem Einrichten der Zugriffssperre und dem Notieren der IMEI-Nummer hilft auch eine Versicherung bei Verlust des Handys – zumindest was den finanziellen Schaden betrifft. Der Premium-Tarif von Friendsurance etwa haftet bei Diebstahl vollständig für das geklaute Smartphone. Eine Selbstbeteiligung ist nicht nötig, dafür kostet der Schutz allerdings auch bis zu 120 Euro im Jahr, je nach Gerät. Friendsurance verlangt jedoch, wie die anderen Anbieter auch, das Einhalten einiger Bedingungen.

So darf das Gerät bei Vertragsschluss nicht älter als ein Monat sein. Darüber hinaus muss der Nutzer stets selbst für dessen Sicherheit sorgen. Heißt, sollte euch zum Beispiel der Rucksack geklaut werden, in dem sich das Smartphone befand, könnte es schon schwierig werden, den Anspruch geltend zu machen. Gleiches gilt, wenn ihr alkoholisiert gewesen seid und deshalb nicht den Diebstahl nicht verhindern konntet.

Ob sich eine spezielle Diebstahlversicherung für euer Smartphone lohnt, hängt vor allem davon ab, wie hoch der finanzielle Verlust für euch ausfallen würde. Euer Daten schützt eine Versicherung nicht.

Ärgerlich, wenn ein Smartphone verloren geht. Hat mich sich vorab die IMEI-Nummer notiert, kann man bei der Polizei oder beim Fundbüro nachfragen.(© 2018 Unsplash/Saketh Garuda)

Was tun, wenn das Smartphone geklaut wird

Ist das Smartphone weg und mit Sicherheit nicht bloß unters Sofa gerutscht, gilt es, ein paar Maßnahmen zu ergreifen, um dem Dieb die Freude über die Beute möglichst schnell zu vermiesen. Ruft euren Netzbetreiber an und lasst zunächst die SIM-Karte sperren. Somit kann das geklaute Smartphone zumindest nicht mehr zum Telefonieren und mobilen Surfen verwendet werden. Das schließt auch Apps wie WhatsApp ein, die über eure Handynummer authentifiziert werden. Ist die SIM-Karte gesperrt, funktioniert der Messenger auch über WLAN nicht mehr.

Meldet euch darüber hinaus bei allen sozialen Netzwerken ab. Das geht zum Beispiel über den PC. Bei Facebook findet sich unter "Sicherheit und Login" die Option, sämtliche aktive Sitzungen zu beenden. Dadurch werden alle Geräte bei Facebook abgemeldet. Bei anderen Diensten, die diese Option nicht anbieten, ist es sinnvoll, das Passwort zu ändern. Instagram etwa fragt euch bei der Neuvergabe des Passworts, ob ihr euch vorab von allen Geräten abmelden wollt.

Als nächstes ist es sinnvoll, den Diebstahl zeitnah der Polizei zu melden. Für eine Anzeige benötigt die Polizei die IMEI-Nummer. Damit können sie unter anderem die Datenbank der beschlagnahmten Geräte abgleichen. In seltenen Fällen kann das Gerät so tatsächlich seinem ursprünglichen Besitzer zugeordnet werden.

Gelegenheit macht Diebe – und Ärger. Handy-Versicherungen übernehmen den Schaden nur, wenn man das Handy nicht unbeobachtet lässt.(© 2014 CURVED)

Handy orten oder sperren lassen

Die Polizei kann mithilfe der IMEI-Nummer zudem eine Ortung beim Netzbetreiber veranlassen. Damit der Provider das gestohlene Smartphone lokalisieren kann, darf der Dieb es nicht ausgeschaltet haben. Außerdem muss es sich im Netz des Anbieters befinden. Hat der Dieb die SIM-Karte entfernt oder hält sich außerhalb deines Netzes auf, lässt sich das Gerät nicht mehr ausfindig machen.

Als wirklich letzten Ausweg könnt ihr eine Sperrung des Geräts ebenfalls bei eurem Provider beantragen. Allerdings bieten nicht alle Provider eine derartige Hilfestellung an. Die Bitte um Sperrung muss schriftlich erfolgen und erfordert einigen bürokratischen Aufwand, der einige Zeit in Anspruch nimmt. Eine schnelle Lösung ist die Sperrung also nicht. Allerdings will dieser Schritt auch gut überlegt sein. Denn sobald euer Provider, soweit möglich, die Sperrung erstmal vollzogen hat, lässt sie sich nicht mehr rückgängig machen. Euer Netzbetreiber verwandelt das Smartphone quasi in einen teuren Briefbeschwerer, der mit keiner SIM-Karte mehr zu gebrauchen ist.

Aber Vorsicht: Gewiefte Diebe wissen auch mit einer Smartphone-Sperre via IMEI-Nummer umzugehen. In einigen Fällen gab es zudem schon Zahlendreher bei der Sperrung, sodass letztlich das falsche Gerät deaktiviert wurde.

Smartphone selbst sperren

Neben der Möglichkeit, den Standort des Gerätes über den Netzbetreiber zu ermitteln, bieten sowohl Apple als auch Google in ihren jeweiligen Betriebssystemen ähnliche , aber weniger umfangreiche Optionen an. Allerdings müssen diese vor dem Diebstahl bereits aktiviert worden sein.

Unter Google Android:

  1. In den Handy-Einstellungen unter "Google" und "Sicherheit" die Option "Mein Gerät finden" aktivieren.
  2. Über die URL android.com/devicemanager lässt sich euer Smartphone mithilfe eures Google-Kontos orten, sofern es eingeschaltet und GPS aktiv ist.
  3. Darüber hinaus bietet euch Google an, das Smartphone fünf Minuten lang klingeln zu lassen. Dies funktioniert auch, wenn es sich im "Lautlos"-Modus befindet.
  4. Als drastische Maßnahme könnt ihr das Gerät auch löschen lassen. Dann sind nicht nur alle Daten darauf vernichtet. Dieser Schritt bedeutet auch, dass ihr es danach nicht mehr orten könnt.

Unter iOS:

  1. In den iPhone-Einstellungen findet ihr unter "Einstellungen", "iCloud" die Option "Mein iPhone suchen". Schaltet diese ein, sofern ihr es nicht bereits getan habt.
  2. Über die URL icloud.com lässt sich der Standort das iPhone ermitteln.
  3. Wie bei Google bietet auch Apple die Funktion, dass Telefon aus der Ferne klingeln zu lassen.
  4. Hilft auch das nicht weiter, bleibt euch zu guter letzt immer noch die Möglichkeit das Gerät zu löschen oder zu sperren.

Wichtig: In beiden Fällen muss die Option im Vorfeld auf dem jeweiligen Smartphone aktiviert worden sein. Andernfalls habt ihr bei Verlust oder Diebstahl keine Möglichkeit, selbst aktiv nach dem Gerät zu suchen.


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