Handystrahlung: Wie gefährlich ist sie wirklich?

Mit dem Smartphone ins Bett? Lieber nicht.
Mit dem Smartphone ins Bett? Lieber nicht.(© 2018 Shutterstock / fizkes)

Handystrahlen verursachen Krebs, machen impotent und sorgen allgemein für Unwohlsein und Schlafstörungen. Das zumindest wollen manche Studien bewiesen haben. Doch genauso gibt es Forschungen und Untersuchungen, die das Gegenteil belegen. Was ist richtig? Wie gefährlich ist Handystrahlung tatsächlich?

Mein Smartphone begleitet mich nahezu 24 Stunden am Tag, jeden Tag in der Woche. Während ich tagsüber damit telefoniere, kommuniziere und prokrastiniere, nutze ich es des Nächtens als Wecker. Um die Snooze-Taste jederzeit problemlos erreichen zu können, liegt das Telefon deshalb in unmittelbarer Nähe auf dem Nachttisch, direkt neben mir.

Schadet Dauerbestrahlung der Gesundheit?

Dabei strahlt es. Permanent. Und weil derartige elektromagnetische Strahlungen potenziell gefährlich sein können, gibt es unzählige wissenschaftliche Studien und Untersuchungen dazu, ob Smartphones unserer Gesundheit schaden. Aber ist das wirklich so?

Glühbirnen strahlen ebenfalls, in Form von Licht. Handystrahlen sind hingegen unsichtbar.(© 2018 Unsplash/Skye Studios)

Denn nicht alle elektromagnetische Strahlen sind gleich. So gibt es unbedenkliche Strahlen im niedrigen Megahertz-Spektrum, auch nicht-ionisierend genannt, und gefährliche im hochfrequenten Bereich, ionisierend genannt. Zu letzterem zählen zum Beispiel UV-Licht, Röntgenstrahlen oder radioaktive Quellen, die potenziell krebserregend sind. Radio- und Mikrowellen zählen zum nicht-ionisierenden Bereich und sind in geringer Dosierung ungefährlich.

Dazu gehören auch die Mikrowellen-Frequenzen von Smartphones, die sogar noch unter denen von sichtbarem Licht liegen, das zum Beispiel Glühbirnen abgeben. Übersetzt heißt das, dass die Strahlung einer Glühbirne theoretisch "gefährlicher" ist als die eines Smartphones. Mit dem Unterschied allerdings, dass ihr euch eine Glühbirne nicht über einen längeren Zeitraum am Stück ans Ohr haltet oder anderswo am Körper tragt.

SAR-Wert ermittelt Handystrahlung

Die Strahlenbelastung – der sogenannte Elektrosmog – die dabei von jedem Handy ausgeht, wird in SAR-Werten ermittelt. "SAR" steht für "spezifische Absorptionsrate" und beschreibt die Menge an Wärme, die entsteht, wenn Strahlung in ein Gewebe eindringt. In ähnlicher Form kennt man das zum Beispiel von Mikrowellen, die die Speisen mit konzentrierter Strahlung erwärmen.

SAR wird in Watt pro Kilogramm ermittelt. Umso niedriger der Wert, desto weniger erwärmt sich das Gewebe durch die Strahlen. Als Höchstgrenze bei Smartphones empfiehlt
die Weltgesundheitsorganisation 2,0 Watt pro Kilogramm. Von allen hierzulande erhältlichen Smartphones und Tablets erreicht keines diesen Wert. Im Gegenteil: Die Hersteller konstruieren ihre Geräte so, dass ihre jeweiligen Höchstwerte den vorgeschriebenen deutlich unterschreiten. Vor allem aktuelle Geräte, die über LTE oder UMTS ihre Daten austauschen, sind strahlungsärmer als jene, die noch auf den GSM-Standard setzen.

Die elektromagnetischen Strahlen, die von einem Smartphone ausgehen, entstehen durch die Kommunikation zwischen Smartphone und Sendemast, also dem Übertragen von Signalen zwischen Sender und Empfänger. Doch nur in den seltensten Fällen senden und empfangen Smartphones mit voller Leistung, nämlich dann, wenn kein Funkmast in der Nähe ist. Bei schlechtem Empfang steigt also die Strahlungsleistung. Ein dichteres Handynetz mit ausreichender Abdeckung sorgt also nicht nur für allgemein besseren Empfang, sondern auch für weniger Handystrahlung für jeden einzelnen.

So gefährlich wie Kaffee

2011 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer) die Mobilfunkstrahlung übrigens unter 2B als “möglicherweise krebserregend” eingestuft. In der gleichen Kategorien finden sich auch Kaffee, Aloe Vera und die Abgase von Benzinmotoren.

Dennoch befürchten manche Nutzer, die Strahlung könnte sich negativ auf Gemüt und Gesundheit auswirken. Was also kann man tun, um die Handystrahlung möglichst gering zu halten?

  • Kauft keine Strahlenschutzfolien! Denn durch ihre abschirmende Funktion senken sie nicht die Strahlung, sondern im Gegenteil, erhöhen sie sogar noch, weil sie die Kommunikation zwischen Funkmast und Smartphone erschweren.
  • Telefoniert, wenn möglich, mit Freisprechanlage. Nutzt zum Beispiel die beiliegenden Headsets eurer Telefone für lange Gespräche. Inzwischen eignen sich auch viele separat erhältliche Kopfhörer zum Telefonieren, wie zum Beispiel die Apple AirPods. Umso größer der Abstand zwischen euch und dem Smartphone, desto niedriger der Strahlenwert, der euch erreicht. Verdoppelt ihr den Abstand, verringert sich die verbleibende Strahlung schon auf ein Viertel.
Das Smartphone ist zum alltäglichen Begleiter geworden. Es kann nicht schaden, es dennoch ab und zu aus der Hand zu legen.(© 2018 Shutterstock / leungchopan)
  • Deshalb: Tragt das Gerät nicht direkt am Körper, wenn ihr es nicht benutzt. Transportiert es stattdessen in der Handtasche oder im Rucksack.
  • Haltet das Smartphone beim Telefonieren erst ans Ohr, sobald der Gesprächspartner den Anruf entgegengenommen hat. Während des Verbindungsaufbaus ist die Strahlung höher als beim bereits hergestellten Telefonat.
  • Schaltet Zuhause die Mobilfunkverbindung aus und telefoniert stattdessen über euer WLAN. Die Strahlung, die von eurem Wifi-Router ausgeht, ist deutlich geringer als die eures Telefons bei aktivierter Mobilfunkverbindung.
  • Heute fast schon Standard, trotzdem sinnvoll: Schreiben statt anrufen. Wer Nachrichten per WhatsApp oder ähnlichem verschickt, muss dafür das Smartphone nicht so dicht an Körper und Kopf halten wie bei einem Telefonat.
  • Handy nachts nicht auf dem Nachttisch liegen lassen. Wenn ihr es, wie ich, unbedingt als Wecker benutzen wollt, aktiviert den Flugmodus. Dadurch kappt ihr sämtliche Verbindungen wie Mobilfunk, WLAN und Bluetooth und reduziert die Strahlung deutlich – allerdings nicht vollständig – und werdet auch nicht von Benachrichtigungen mitten in der Nacht geweckt.
  • Schaltet das Smartphone aus! Wenn ihr die Strahlung wirklich komplett auf Null reduzieren wollt, bleibt euch nichts anderes übrig, als ab und zu auf das Telefon zu verzichten und es auszuschalten. Nur so stellt ihr garantiert sicher, dass nichts mehr strahlt.

Machen Handystrahlen krank? Um es kurz zu machen: Es ist kompliziert. Denn verschiedene Studien führen zu verschiedenen Ergebnissen. Grundsätzlich gilt, dass es natürlich nicht schaden kann, das Smartphone auch mal bewusst beiseite zu legen, gerne auch etwas weiter weg. Alternativ versetzt ihr euer Mobiltelefon in den Flugmodus oder – noch besser – ihr schaltet es zwischendurch mal ganz aus.


Weitere Artikel zum Thema
Fotos mit dem Smart­phone: Tipps und Tricks für bessere Aufnah­men
Arne Schätzle
Smartphone statt Digitalkamera: Immer öfter wird mit dem Telefon geknippst
Egal ob spontaner Schnappschuss oder ambitionierte Aufnahme - mit unseren Smartphone-Tipps für gelungene Fotos seid ihr auf der sicheren Seite.
"Black Mirror": Brett­spiel zur Serie erschie­nen
Lars Wertgen
In der Episode "Nosedive" zeigt uns "Black Mirror" die Schattenseiten von Social-Media
In der Folge "Nosedive" der Serie "Black Mirror" taucht ihr in eine alternative Welt ein, die es jetzt als Brettspiel gibt – mit integrierter App.
Warum ein Smart-Home-Kühl­schrank nicht nur Spie­le­rei ist
Guido Karsten
Anfang 2018 hat Samsung auf der CES in Las Vegas sogar einen Smart-Home-Kühlschrank mit Sprachsteuerung vorgestellt
Ein smarter Kühlschrank zeigt euch nicht bloß die Uhrzeit an und verbindet sich mit eurem WLAN. Nützlich ist, was die Internetverbindung ermöglicht.

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.