"Hey Siri, wann bekommst Du Deine eigene Hardware?"

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Apples Siri auf dem iPhone
Apples Siri auf dem iPhone(© 2016 CURVED)

Erweitert Apple sein Portfolio um eine stationäre Siri-Box? Angesichts der wachsenden Konkurrenz und des Nutzerverhaltens lautet die Frage nicht mehr "ob", sondern "wann".

Intelligente Sprachassistenten gehören mittlerweile zur Grundausstattung von Smartphones und Tablets im Highend-Segment – so wie die Kamera auf der Rückseite. Allerdings werden die smarten Services beileibe nicht so häufig genutzt. Vor allem in der Öffentlichkeit mit ihnen zu sprechen, ist vielen nach wie vor unangenehm.

Analysten sagen: Interesse steigt – dank Apple

Mitte 2016 hatte das Marktforschungsunternehmen Creative Strategies 500 Smartphone-Besitzer nach ihrer Nutzung der vorinstallierten KI-Assistenten gefragt. Dabei stellte sich zwar heraus, dass Apple-Nutzer häufiger mit Siri sprechen als etwa Android-Nutzer mit Google Now. Allerdings würden 39 Prozent der Befragten vor allem zu Hause Gebrauch der Künstlichen Intelligenzen (KI) machen. Mit Echo hat zum Beispiel Amazon bereits seit 2015 ein Produkt in petto, das dieses Bedürfnis adressiert und der Bequemlichkeit der Nutzer entgegenkommt. 2016 folgte Google mit Google Home. Anfang Mai kündigte Harman Kordon mit Invoke einen Lautsprecher an, der auf Microsofts Cortana zurückgreift.

Aktuell beansprucht Amazon mit den Echo-Produkten und der KI "Alexa" den US-Markt für sprachgesteuerte Lautsprecher klar für sich. Mit 70,6 Prozent liegt Amazon weit vor Google, die mit Google Home noch 23,8 Prozent Anteil haben. Die Analysten bei eMarketer gehen derweil davon aus, dass sich die Anzahl verkaufter KI-Lautsprecher zumindest in den USA verdoppeln werde auf insgesamt 35,6 Millionen Geräte. Das Interesse an der Technologie scheint den Analysten zufolge also eher zu steigen – gerade weil Apple in naher Zukunft daran teilnehmen könnte.

Siri aus der Dose

Dass Apple angeblich ebenfalls an einem eigenen Produkt arbeitet, das Siri aus dem iPhone befreit und direkt in unsere Wohnzimmer einziehen lässt, kursiert seit geraumer Zeit. Das unter dem Codename "B238" vermeintlich entwickelte Gerät könnte aussehen wie eine Mischung aus dem röhrenförmigen Mac Pro und dem Bluetooth-Speaker UE Boom. Das wäre allerdings verwunderlich, denn letztlich würde die Siri-Box damit schon rein optisch wirken wie eine Design-Kopie des Amazon Echo oder Google Home. Beide Devices sind zumindest in den USA schon seit Längerem erhältlich, sodass Apple genug Zeit hatte, sich die Geräte ausgiebig anzuschauen und sie auf die Grenzen ihrer Fähigkeiten hin zu überprüfen. Anzunehmen, Apple würde einfach die Optik der Mitbewerber adaptieren, wäre angesichts der Designphilosophie von Apple zu kurz gedacht.

"So the idea of not having a screen, I don't think suits many situations."

Allein der Verweis von Apples Marketing-Vizepräsident Phil Schillers, dass die KI-Assistenten von Amazon und Google mangels visuellem Output nur für bestimmte Aufgaben geeignet seien, etwa die Wettervorhersage oder die Steuerung von Smart-Home-Applikationen, deutet schon darauf hin, dass Apple sich mit dem Status Quo in dem Segment nicht zufrieden gibt. Beliebte Anwendungen, vor allem bildlastige wie Instagram oder Snapchat, und generell Themen wie "Fotografie" oder "Spiele" seien mit ausschließlich auf Sprache basierten Künstlichen Intelligenzen schlichtweg nicht kompatibel.

Was Apple besser machen könnte als die Konkurrenz

Sollte Apple tatsächlich an einem Siri-Lautsprecher arbeiten, liegt die Vermutung nahe, dass dieser über einen Touchscreen samt Kamera verfügen könnte – also im Grunde ein fest installiertes iPad mit Fokus auf Siri als intelligentes Interieur. Damit würden sie die aktuelle erste Generation der häuslichen KI-Assistenten überholen und nicht bloß gleichziehen. Denn anscheinend will auch Amazon die nächsten Version Echo mit einem Bildschirm ausstatten. Zudem bietet Apple seit 2010 mit Facetime einen eigenen Chat-Dienst für Videotelefonie an, der sich über das komplette Ökosystem von Apple erstreckt. Gerüchte zufolge könnte dieser mit dem kommenden iOS-Update im Herbst sogar Gruppentelefonate ermöglichen. Eine Implementierung in eine Siri-Box wäre da nicht nur sinnvoll, sondern die logische Konsequenz.

Wie 9to5Mac Ende März berichtete, besteht überdies die Möglichkeit, dass Apple Siri mit adaptiven Fähigkeiten ausstatten könnte. Heißt, sie würde Euch und Euer Verhalten im Laufe der Zeit immer besser kennen und entsprechend individuell auf die jeweiligen Personen reagieren, die mit Ihr interagieren. Gerade im häuslichen Kontext, wo sich oft mehrere Familienmitglieder gleichzeitig im Raum aufhalten, wäre eine Künstliche Intelligenz, die zwischen den Personen unterscheiden könnte, ein entscheidender Pluspunkt gegenüber den Mitbewerbern, die auch schon mal Bestellungen von Nachrichtensprechern entgegennehmen.

Denkbar wäre zum Beispiel, dass ein Nutzer bei der Ersteinrichtung der Siri-Box seine bevorzugten Nachrichtenquellen auf dem Screen markiert und sich mit seinen Daten bei Facebook etc. anmeldet. Betritt dieser Nutzer beim nächsten Mal den Raum, erzählt ihm Siri von selbst die wichtigsten Nachrichten, während sie auf dem Bildschirm zum Beispiel verpasste Facebook-Benachrichtigungen anzeigt. Im Zusammenhang mit Apple TV oder Apple Music ließe sich das Gedankenspiel noch bis zur Lieblingsserie oder -musik weiterspinnen.

Ankündigung auf der WWDC?

Noch hat Apple sich nicht zu einer wie auch immer gearteten Siri-Box geäußert. Wenngleich sich die Gerüchte hartnäckig halten, wird erst eine offizielle Ankündigung für Gewissheit sorgen. Als nächster möglicher Termin käme die Worldwide Developers Conference, kurz WWDC, Anfang Juni in Betracht.

Welche Funktionen müsste die Siri-Box beherrschen, um für Euch attraktiv zu werden? Wie sieht Ihr Apples Chancen, den Vorsprung von Amazon aufzuholen? Diskutiert mit uns in den Kommentaren.


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