Home-Office-Tool in der Kritik: Diese App fotografiert euch alle 5 Minuten

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Das Home-Office-Tool Sneek steht in der Kritik.
Das Home-Office-Tool Sneek steht in der Kritik.(© 2020 Getty Images)

Die Corona-Krise verbannt viele von uns ins Home-Office. Stellt euch vor, das Videokonferenz-Tool, über das ihr euch im Bedarfsfall mit euren Mitarbeitern verbinden könnt, schießt alle fünf Minuten ungefragt ein Bild von euch und leitet es an alle weiter. Undenkbar? Nicht bei "Sneek".

Kennt ihr das, wenn ihr beim Umschalten auf die Selfie-Kamera eures Handys versehentlich den Auslöser drückt? Klick – schon blickt man in ein blasses Gesicht mit Doppelkinn. Wir alle lieben das … nicht!

So ähnlich muss es wohl Nutzern der Videokonferenz-App Sneek gehen. Bei diesem erstellt die Webcam nicht aus Versehen, sondern gewollt alle ein bis fünf Minuten einen Schnappschuss vom Konterfei des Konferenzteilnehmers, auch wenn dieser gerade nicht am Videochat teilnimmt.

Sneek will Büro-Atmosphäre simulieren

Was will der Sneek-Anbieter damit bezwecken? Laut Werbevideo will Sneek einen realen Büroraum mitsamt Mitarbeitern so gut imitieren wie möglich. In etwa so, als könntet ihr eben mal zum Tisch des Kollegen herüberschlendern und mit ihm eine Unterhaltung führen: "It's like seeing all of your teammates across the room and walking up to their desk for a chat."

So funktioniert auch das Chat-Tool von Sneek: Durch einen Klick auf das intervallmäßig aufgenommene Porträtbild eures Kollegen startet seine Videokamera, sofern er seinen Status auf "anwesend" gesetzt hat, und ihr könnt euch mit ihm unterhalten.

Theoretisch hört sich das gut an, wäre da nur nicht das fragwürdige Feature mit den automatischen Schnappschüssen, welches das Sneek-Team bewirbt mit: "See all your teammates pretty faces on one screen" – "Seht all die hübschen Gesichter eurer Teamkollegen auf einem Bildschirm."

Nun ja, wer möchte schon sein eigenes Antlitz fünf Minuten lang mit dem Finger in der Nase, konzentriert zusammengekniffenen Augen oder einem anderen unschmeichelhaften Gesichtsausdruck auf die Monitore der Kollegen gebannt wissen?

Für die Kollegen mag das vielleicht lustig sein. Aber auf Dauer nicht wirklich entspannend oder gar konzentrationsfördernd, wenn ihr ständig darauf achten müsst, wie ihr gerade schaut.

1984 oder: Big Brother is watching you

Richtig unheimlich wird es in der kostenpflichtigen Version der App. Diese gewährt dem Admin nämlich eine Intervall-Kontrolle der Mitarbeiter. Auch unterliegt die Einstellung der "Snap Pixelation" genannten Schnappschussfunktion nicht jedem Chat-Teilnehmer selbst, sondern dem Admin.

Das erinnert euch irgendwie an den Orwell-Klassiker 1984 oder eine einschlägige Reality-TV-Show? Uns auch. Auch Mitarbeiter des US-Nachrichten-Portals Business Insider hielten diese Funktion offenbar für bedenklich und hakten beim Sneek-Mitbegründer Del Currie nach. Dieser äußerte sich folgendermaßen:

"Sneek was never designed to spy on anyone, we'd be the worst spy company ever considering we named our app 'Sneek'.'" (Sneek wurde nicht entwickelt, um jemanden auszuspionieren. Wir wären das schlechteste Spionageunternehmen, wenn man bedenkt, dass wir unsere eigene App "Sneek" genannt hätten).

Das Wort kennt ihr vielleicht aus dem Kino, wenn es ein "Sneak Preview" gibt und ihr schon vor dem offiziellen Start den Film schauen könnt.

Abschalt-Möglichkeit der Funktion wäre sinnvoll

In diesem Fall sollte sich die Schnappschussfunktion zumindest von jedem Mitarbeiter für seinen eigenen Arbeitsplatz deaktivieren lassen, finden wir. Schließlich nimmt die Kamera, wenn man im Home Office arbeitet, auch die persönliche Umgebung im Hintergrund mit auf. Und auch im Büro seht ihr ja zumindest, wenn euch jemand anschaut.

Was meint ihr dazu? Würde euch das Snap Pixelation-Feature bei der Arbeit im Home Office nicht stören oder findet ihr es sogar witzig, stimmt mit "Smart". Wäre euch der Eingriff in eure Privatsphäre zu groß, klickt auf "Nicht Meins".


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