Homo Optimus: Wir, die Mensch-Maschinen

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Können wir Roboter lieben, bevor wir selbst welche sind?
Können wir Roboter lieben, bevor wir selbst welche sind?(© 2017 istock.com/muratsenel)

Wir lernen im Schlaf, projizieren uns unsere Lieblingswelt auf die Augen und haben Sex mit Maschinen – die unsere technisierten Körper mit Schadsoftware anstecken können. Das sind nur einige Antworten auf die Frage: Wie leben wir im Jahr 2050? 

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona dreht sich alles um neue Smartphones, Wearables und blitzschnelle Übertragungsstandards. Doch zwischen Hands-on-Terminen und Produktneuvorstellungen hatte ich die Möglichkeit, einem Talk zwischen Forschern von Kaspersky Lab und dem Zukunftsforscher Ian Pearson beizuwohnen. Das Thema: unser Alltag im Jahr 2050.

Neue Sprache über Nacht lernen? Kein Problem.

Die Forscher präsentierten eine Idee, wie Tag und Nacht für uns demnächst aussehen werden: Im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht sollen wir dank Gehirnimplantaten lernen können. Beschäftigen wir unsere grauen Zellen beim Schlaf mit einer Fremdsprache, könnten wir nach dem Aufwachen etwa 60 neue Wörter erlernt haben. Doch weil wir natürlich wieder nur die kostenlose App für unser Implantat geladen haben, wurde unser Gehirn zwischendurch auch mit Werbung gefüttert, – sodass wir am nächsten Morgen auf dem Weg zur Arbeit vielleicht an einem Café Halt machen, weil wir plötzlich Verlangen nach diesem speziellen Kaffee haben.

Nachts lernen wir - werden aber auch mit Werbung gefüttert(© 2017 Kaspersky)

Wenn wir heutzutage durch die Stadt gehen, nehmen wir alles so wahr, wie es ist. Haben wir ein Date, müssen wir wohl oder übel mit dem Äußeren unseres Gegenübers klarkommen, ob er oder sie uns gefällt oder nicht. In 30 Jahren soll das anders sein. Über intelligente Kontaktlinsen verändern wir einfach das Aussehen der Menschen um uns herum. Lieben wir Bärte, unser Partner hat aber keinen, projiziert die Linse einfach einen aufs Gesicht, in das wir blicken. Dasselbe gilt für Kleidung: Mögen wir kein Rot, tauschen wir es einfach durch Grün oder eine andere Farbe aus. Die Forschung arbeitet schon seit Jahren an sogenannten "Augmented Lenses" mit verschieden Funktionen – die Markteinführung bezahlbarer Produkte dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Ob mit Bart oder ohne: Je nachdem, wie wir es mögen, verändert die Technologie unser Gegenüber.(© 2017 Kaspersky)

Unser Auto oder die Haustür öffnen wir 2050 übrigens nicht mehr mit dem Schlüssel. Auch am Flughafen werden wir keinen Reisepass oder Ausweis mehr zücken müssen. Das funktioniert über einen implantierten Passport-Chip in der Hand, sind sich die Forscher sicher. Tatsächlich gibt es Menschen, die sogenannte RFID-Chips schon jetzt unter der Haut tragen. Was heute die Ausnahme ist, wäre dann normal.

Dates und Sex mit Robotern

Dass wir irgendwann Roboter im Haus halten, die uns Arbeit abnehmen, daran zweifelt wahrscheinlich niemand mehr. Bei mir zu Hause werkelt zum Beispiel schon ein Putzroboter, der regelmäßig meine Küche saugt und wischt. Doch bald rufen wir vielleicht unseren Android-Partner zu Hause an und wecken ihn auf dem Weg nach Hause aus dem Standby auf. Wenn wir dann durch die Haustür kommen, begrüßt sie oder er uns mit einem Lächeln und frisch gekochtem Essen.

Ihr erinnert Euch vielleicht noch an den Film "Her", bei dem der Hauptcharakter eine Beziehung mit seinem Betriebssystem einging, weil es immer mehr eigene Gefühle entwickelt hatte. Zukunftsforscher Ian Pearson sagt, dass die Gefühle, die Roboter haben werden, nicht mal simuliert werden müssten – sie würden echte Gefühle und Reaktionen erlernen. 2050 hätten wir dann schon sogenannte "Super Human Roboter", die Urururenkel heutiger Chatbots. Sie wären nicht nur in der Lage, grammatikalisch korrekt zu antworten, sondern auch lange, komplexte Gespräche mit Menschen zu führen.

Umso realistischer die Roboter werden, desto mehr würden die Menschen mit ihnen interagieren wollen, glaubt man bei Kaspersky. Vielleicht verlieben sie sich sogar in den technischen Partner. Sex sei dabei unausweichlich. Von den Sextoys, die heute schon Bewegungen tracken und so große Datenmengen produzieren, könnten die humanoiden Roboter später profitieren – und sich zum Beispiel menschlicher bewegen.

Halbautomatisierte Krankenhäuser

Ärzte, so glaubt man, würden nicht unbedingt komplett von Robotern ersetzt werden. Doch der beste Arzt der Welt ist immer noch ein Mensch und als solcher anfällig für Fehler. Überlassen wir die Diagnostik dagegen einem riesigen neuronalen Netzwerk, wird das Ergebnis unter Umständen genauer. Denn Computer, die mit riesigen Datenmengen gefüttert werden und anhand dieser selbstständig "denken" können, wären im Zweifel zuverlässiger. Außerdem funktionieren sie zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich. Menschen hingegen sind an Biorhythmen gebunden.

Eine vernetzte, automatisierte Welt. Wird sie schon 2050 Realität?(© 2017 Kaspersky)

Eine Theorie besagt, dass Krankenschwestern überflüssig werden, da deren Arbeit problemlos von Robotern übernommen werden kann. Blut kann nicht nur abgenommen, sondern auch sofort in der Maschine analysiert werden, ohne dass man lange auf Laborergebnisse warten muss. Auch Blutdruck- und Fiebermessen wäre für einen Roboter kein Problem. Doch eine wichtige Komponente wird sich zumindest in den nächsten Jahren nicht ändern, sind sich die Forscher einige: Krankenschwestern und Pfleger haben den sozialen Vorteil. Die liebevolle Betreuung von Patienten gibt diesen das Gefühl, umsorgt zu sein. Sie fühlen sich besser, wenn sie mit einem Mensch sprechen und nicht mit einem Roboter. Das wird sich wohl erst ändern, wenn wir uns selbst mehr und mehr zu Mensch-Maschinen entwickeln würden.

Wir brauchen eine Firewall

Wie die Forscher auf dem MWC erzählten, haben wir im Jahr 2050 vielleicht schon gar keine Ahnung mehr davon, was Privatsphäre eigentlich bedeutet. Gar nicht so weit hergeholt. Schon heute scheinen sich Teenager nicht mehr darum zu scheren, was sie wem über sich preisgeben und mit dem Internet teilen.

Doch sobald wir anfangen, Technik zu benutzen, um unsere Biologie zu verändern, könnten Hacks lebensbedrohlich werden. Alle Daten, die wir mit Implantaten generieren und versenden, damit sie ausgewertet werden, können in der Theorie abgefangen werden. Doch wir senden nicht nur, wir empfangen ja auch. Am Beispiel des Hirnimplantats bekommen wir eine Sprache beigebracht. Somit sind wir bei einer Zwei-Wege-Kommunikation angelangt: Daten gehen in den Körper und verlassen ihn auch wieder. Stellen wir uns nun vor, dass wir irgendwo Nanopartikel einatmen, die dann in unserem Körper unsere Implantate angreifen, geht es schnell um Leben und Tod.

Hacker und Kriminelle werden das ausnutzen, ist man sich sicher. Und könnten auf diesem Weg unser Gehirn anzapfen. Gedanken ließen sich so manipulieren. Denken wir weiter in diese Richtung, dann könnten auch beim Sex mit Robotern Viren übertragen werden. Keine klassischen Geschlechtskrankheiten wie heute, sondern eher Schadsoftware, die unsere Biodaten abgreift oder verändert.

Intelligente Spiegel, Wände und Fenster: Unsere Wohnung entwickelt sich immer mehr zu einem vernetzten Zuhause. Und jedes Gerät produziert Daten.(© 2017 Kaspersky)

Die Forscher von Kaspersky Lab sind sich sicher: Wenn wir Technik in unsere Körper packen, können wir uns nicht einfach formatieren und wieder rebooten. Demnach müssen wir vor allem der Sicherheit viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Spätestens 2050 könnte das über Leben oder Tod entscheiden. Was es braucht, ist eine Idee, wie wir uns schützen können. Die Frage ist: Wie sieht eine Firewall für Menschen aus?

Eine Antwort haben die Forscher noch nicht. Es sei noch komplett unklar, wie wir als "Connected Human" denn überhaupt funktionieren würden. An erster Stelle bei der Lösungsfindung steht für Kaspersky die Aufklärung der Entwickler. Sicherheit sollte beim Erfinden von Implantaten von Anfang an mitbedacht werden. Nur dann haben wir eine Chance, unser Leben durch Technik zu bereichern, ohne dass wir ständig in Angst leben müssen.

Auf einer Webseite sammeln die Forscher übrigens weitere Ideen, wie wir in naher Zukunft leben werden.


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