HTC One X - Test und erste Erfahrungen mit Android

Android - Der erste Kontakt

Der Titel verrät es bereits, ich konnte bislang keine nennenswerten Erfahrungen mit dem Google Betriebssystem machen. Die ungute Versorgung mit Updates, sowie die, verglichen mit iOS und Windows Phone 7, unterdurchschnittliche Performance trotz potenterer Hardware, hat mich abgeschreckt. Nun habe ich jedoch die Chance bekommen, ein Smartphone meiner Wahl zu testen und diese fiel sehr schnell auf das schöne Android Flaggschiff HTC One X.

HTC One X - Zubehör

Verpackt ist das Smartphone in einer abgerundeten weißen Verpackung aus Pappe, die auf die abgerundete Form des One X anspielt. Als Zubehör werden das obligatorische Ladegerät, sowie normale Kopfhörer mit Mikrophon geliefert. Eine ausführliche Anleitung gibt es nicht, stattdessen liegt eine kurze Schnellstartanleitung bei. Auf dem Smartphone lässt sich eine ausschweifende Anleitung, sowohl in Textform als auch als Video in der App mit dem unpassenden Titel "Anzeigen" finden.

Look and Feel

Das Smartphone selbst ist sehr dünn und erstaunlich leicht, es wiegt merkbare 30 Gramm weniger als das etwas kleiner Nokia Lumia 900. Wie auch Nokia mit dem Lumia hat auch HTC auf Polycarbonat gesetzt. Polycarbonat ist ein Kunststoff, der im Gegensatz zu billigem Plastik, welches bei günstigen Smartphones verwendet wird, äußerst hochwertig ist. Das Smartphone fühlt sich dadurch sehr wertig an, auch wenn man es robuster anfasst, knarzt es nicht.
Das hochauflösende Display, mit der imposanten Größe von 4,7" wird von Gorilla Glas geschützt, so dass eine Schutzfolie überflüssig ist.
Das Smartphone überzeugt mich optisch auf ganzer Linie, es spielt meiner Meinung nach in der iPhone Liga mit. Am besten schaut man es sich vor Ort an, Bilder vermitteln diesbezüglich immer nur einen Teil der Realität.

Spezifikationen

HTC setzt beim One X auf den Tegra 3 Prozessor der, für ihre Graphikkarten bekannten, Firma Nvidia. Der Prozessor hat 5 Kerne, 4 Kerne mit 1500 MHz für volle Power und einen Kern mit 500 MHz, der im Standby zum Einsatz kommt, um Strom zu sparen. Auch was den Arbeitsspeicher angeht wurde nicht gegeizt, das HTC One X kann auf ganze 1GB RAM zurückgreifen. Ich bin kein Freund von Benchmarks, da diese zwar eine Tendenz der Leistung zeigen können, jedoch keine 100%ige Aussagekraft haben, was die gefühlte Leistung angeht und die ist sehr gut! Der Hersteller hat dem Smartphone außerdem 32GB Speicher spendiert, sodass mich der fehlende SD-Karten Slot nicht stört. Das Display löst mit 1280 * 720 auf. Das HTC One X ist mit allen erdenklichen Sensoren ausgestattet:

  • Gyro Sensor
  • G-Sensor
  • Näherungssensor
  • Near Field Communication (NFC)
  • Umgebungslichtsensor

Einrichtung

Bei dem ersten Anschalten fragt das HTC One X welche Accounts mit dem Telefon verknüpft werden sollen. Unterstützt werden viele Dienste, wie Google, Facebook, Twitter, Evernote, Flickr und Dropbox. Als ehemaliger Windows Phone 7 Nutzer bin ich sofort positiv überrascht, dass sowohl meine Live Adresse und der Kalender nativ unterstützt werden, als auch mein SkyDrive. Nach kurzer Zeit sind die Accounts konfiguriert und mit dem Telefon synchronisiert.

Apps und Google Play

Mein bisheriges Smartphone war ein Nokia Lumia 800, dessen größter Nachteil die eingeschränkte Auswahl an Apps ist, deswegen war der Android Appstore Google Play auch eine der ersten Anwendungen, die ich auf meinem neuen Smartphone geöffnet habe.
Google Play ist in Bereiche für Apps, Bücher und Spiele unterteilt. Schön empfand ich als "Neueinsteiger", dass es sowohl von HTC, als auch von Google Empfehlungen für Apps gibt. Von Google wurde mir zum Beispiel die Tastatur SwiftKey 3 vorgeschlagen, den Test könnt ihr hier lesen: Android Tastatur SwiftKey - Die bessere Tastatur für Android?
Die Auswahl an Apps ist riesig und es ist für jeden etwas dabei. Dank der schnellen Innereien des HTC One X starten alle Apps extrem schnell und laufen flüssig. Spiele, vor allem die für den Tegra 3 optimierten, sehen erstklassig aus!

Kamera

Die harten Fakten der Kamera sehen wie folgt aus

  • 8 Megapixel
  • BSI Sensor (Bessere Aufnahmen bei schwachen Lichtverhältnissen)
  • F2.0-Blende und 28-mm-Objektiv
  • Automatischer Blitz - Intensität wird passend reguliert
  • Videoaufnahmen im Full HD
  • Dedizierter Foto Chip ermöglicht Fotos während des filmens

In der Praxis macht das HTC One X sehr schöne Bilder, daher ist für mich eine Kompaktkamera überflüssig. Gelungen finde ich die eingebauten Optionen, wie die gewohnten Voreinstellungen für Porträt- oder Landschaftsaufnahmen, aber auch die Möglichkeit HDR Aufnahmen zu erstellen. Möglich ist auch, dass die Kamera ein Foto schießt, sobald sie ein Lächeln erkennt. Meine Freundin, die für die Tests hergehalten hat, musste jedoch etwas verkrampft lächeln, damit die Kamera auslöst. Wenn ein DropBox Konto mit dem Handy verbunden wurde, können Bilder automatisch in die Cloud geladen werden, um das Datenvolumen zu schützen, auch nur wenn das Handy in Reichweite eines WLANs ist. Netterweise stockt HTC in Kooperation mit DropBox das Konto für zwei Jahre um 23GB auf, sodass mindestens 25GB vorhanden sind.

Akkulaufzeit

Nun komme ich zum Schwachpunkt eigentlich aller heutigen Smartphones, der Akkulaufzeit.

HTC verbaut im One X einen 1800MAh starken Akku, das iPhone 4s hat zum Vergleich einen 1420MAh Akku. Ich habe zwar den Vergleich zum iPhone nicht, muss aber sagen, dass ich durchaus positiv überrascht bin. Im Standby und mit aktiviertem WLAN verbraucht das Handy fast keine Energie, nach 6 Stunden Schlaf verlor mein One X grade einmal 3% des Akkus.

HTC Sense 4.0

Viele sind der Meinung, Androidgeräte seien schwer zu bedienen. Wer auf Komfort Wert lege, sei bei Apple besser bedient, Android habe andere Stärken.
Zumindest für das mit HTC Sense 4.0 modifizierte HTC One X kann ich das absolut nicht bestätigen. Wie bereits erwähnt, waren die Accounts sofort eingerichtet. Die wichtigsten Funktionen waren auf dem ersten Homescreen zu sehen: Kamera, Browser, Google Play und die SMS Anwendung. Ebenfalls auf dem Homescreen waren die charakteristischen HTC Widgets Wetter und Uhrzeit, sowie ein Widget für die Google Suche.

Ein Wisch nach rechts oder links bringt andere Homescreens zum Vorschein, z. Bsp. eine Seite mit einem Widget für die Kontaktfavoriten, sowie ein Kalender Widget, welches die nächsten Termine aller Kalender anzeigt.

Mit einem Druck auf das mittige Raster erscheint die Übersicht aller Apps, wer schon mal ein iPhone in der Hand hatte, wird auch hier nicht überfordert sein. Benachrichtigungen, wie ungelesene Emails oder verpasste Anrufe, ruft man durch ein Wischen auf dem Display von oben nach unten auf. Dies erinnert an Apples iOS, kein Wunder da ihnen die Idee gefiel und Apple sie kurzerhand übernommen hat. Über diese Benachrichtigungsseite gelangt man auch schnell in die Einstellungen.

Ökosystem

Zu dem überragenden Ökosystem des iPhones gehören nicht nur der App Store und iTunes, sondern auch die Fülle an Zubehör, die selbst von Herstellern, die mit dem iPhone konkurrieren, angeboten werden. Für das HTC One X wird ebenfalls eine Menge an Hüllen, Taschen und sonstigem Schutz offeriert. Meinen Ansprüchen genügen die angebotenen Produkte, nach extravagantem Zubehör, wie sie teilweise für Apples Smartphone angeboten werden, sucht man jedoch oft vergeblich. Auch Docks werden angeboten, auch hier jedoch bei weitem nicht in dem Umfang, den man als Apple Kunde gewöhnt sein mag.

Was diese Nachteile für mich jedoch mehr als wett macht ist die Unterstützung von Standards wie DLNA oder HDMI über MHL. DLNA ist die offene Alternative zu AirPlay und wird von vielen Programmen auf dem PC, wie etwa dem betagten Windows Media Player, wohl jedem Smart-TV und den meisten Media Centern unterstützt. DLNA erlaubt es, Bilder, Musik und Videos kabellos an Geräte im selben Netzwerk zu senden. Mit einem iPhone ist man hingegen auf ein Apple TV angewiesen, der bei weitem nicht in jedem Haushalt zu finden ist. HDMI über MHL ermöglicht es, mithilfe eines günstigen Adapters aus dem USB Anschluss des Smartphones, einen HDMI Ausgang zu machen, so dass auch nicht smarte Fernseher angesteuert werden können.

Beats Audio

Mit seinem 32 Gigabyte Speicher und der Unterstützung der Beats Technologie scheint das HTC One X prädestiniert für einen guten MP3 Player. In der Tat überzeugt der MP3 Player des Smartphones. Andere Musik Apps, vorinstalliert sind die Online Radio App TuneIn Radio, der Musik Shop 7digital und die Musikerkennungssoftware SoundHood, sind in der Musik App integriert. Somit sind alle Apps rund um die Musik praktischerweise an einem Ort gebündelt. Abgerundet wird das ganze von der Beats Audio Technologie, die ebenfalls vom HTC One X unterstützt wird. Vor allem bei elektronischer Musik ist der Unterschied deutlich hörbar, die Musik klingt basslastiger und dadurch "voller" als mit abgeschalteter Beats Technologie. Mir ist jedoch aufgefallen, dass, vor lauter Bass, Stimmen übersteuert werden können. Da sich der Beats Equalizer abschalten lässt, ist dies zu verschmerzen. Beats wird nur aktiviert, wenn man Musik mit Beats Kopfhörern hört. Der Klang über die eingebauten Lautsprecher ist auch ohne Beats überdurchschnittlich. Bässe kommen aufgrund der Dimensionen eines Smartphones zwar zu kurz, die Mitten und Höhen klingen jedoch für ein Smartphone äußerst klar.

Fazit

Ich bin von meinem HTC One X äußerst positiv angetan! Es sieht gut aus, liegt trotz des riesigen Displays gut in der Hand und kann alles was ich brauche und noch viel mehr!

Auch wenn ich mit Windows Phone immer zufrieden war, werden mich Apps wie Chrome oder der bald kommende Twitter Client Carbon im Android Universum halten. Auch die erweiterten Möglichkeiten von Android sind schwer zu missen. So können Apps untereinander Daten austauschen, was "mächtigere" Apps ermöglicht.  Es gibt Apps, die Vorgänge automatisieren, so dass z. Bsp. bei der Ankunft in die Uni das Handy automatisch lautlos gestellt wird. Meine Vorurteile konnte das HTC One X zwar nicht vollends wiederlegen, iOS und WP7 fühlen sich tatsächlich schneller an, dies sollte aber mit dem nächsten Update und "Project Butter" überholt sein. Das Klischee, Android sei zu komplex, ist meiner Meinung nach nicht mehr als ein Vorurteil. Bei der Versorgung mit Updates stirbt die Hoffnung zuletzt, Jelly Bean hat HTC als erster Anbieter angekündigt. Das Smartphone bietet eine Menge für sein Geld und trotz des hohen Preises bleibt das Preis-Leistungsverhältnis für mich gut!