Huawei erklärt AppGallery zum drittgrößten App-Store der Welt

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Die Huawei AppGallery soll ein ganzes Stück gewachsen sein.
Die Huawei AppGallery soll ein ganzes Stück gewachsen sein.(© 2020 Via Instagram @huaweimobile)

Huawei ernennt seine AppGallery nach dem Google Play Store und dem Apple App Store zum drittgrößten App-Store der Welt und kündigt an, bis zu einer Milliarde US-Dollar für die Anwerbung von App-Entwicklern ausgeben zu wollen.

Obwohl Google Huawei gerne wieder mit Diensten versorgen will und diesbezüglich schon ein gutes Wort bei der US-Regierung eingelegt hat, dauert die US-Blockade an. Das wiederum verhindert, dass neue Huawei-Smartphones mit dem Google Play Store oder anderen Google-Apps ausgestattet werden.

Nach seinem eigenen Betriebssystem Harmony OS will des chinesische Technologie-Unternehmen deshalb nun wohl auch seine Google Play Store-Alternative "AppGallery" weiter ausbauen, um sich zunehmend unabhängig von Google zu machen.

In einer Presseerklärung verspricht Huawei, künftig noch innovativere und vertrauenswürdigere Apps zu bieten und will zur Umsetzung dieses Ziels bis zu einer Milliarde US-Dollar für die Weiterentwicklung einsetzen.

Huawei baut hauseigenen HMS weiter aus

Mit seinem HMS (Huawei Mobile Service) bietet Huawei seinen Nutzern hauseigene Dienste mit ähnlichen Funktionen, wie wir sie von den Google Diensten kennen. So gibt es zusätzlich zur AppGallery einen Huawei Assistenten, der mehr als 30 Sprachen unterstützt, einen Browser und eine Cloud.

Als Pendant zu Googles "Filme & Serien" bietet Huawei eine Video-On-Demand-Plattform. Nach eigenen Angaben arbeitet Huawei bei der Umsetzung mit den Universal Studios, Sony, BBC und Disney zusammen und verzeichnet derzeit 160 Millionen User, die den Service monatlich nutzen.

Google Play Store liegt weiterhin vorn

Die AppGallery ist laut Pressebericht auf 600 Millionen Huawei-Geräten vorinstalliert und verzeichnete im Jahr 2019 rund 400 Millionen aktive Benutzer monatlich. Damit liegt der App-Store des chinesischen Herstellers jedoch noch weit hinter dem Google Play Store, der bereits im Jahr 2015 eine Milliarde aktive Nutzer pro Monat einstreichen konnte.

Die Anzahl der verfügbaren Apps im Google Play Store bis Februar 2020 lag laut Statista bei 2,91 Millionen. Zum Vergleich: Derzeit sind mehr als 1,3 Millionen HMS-Entwickler und rund 55.000 HMS-Anwendungen bei Huawei registriert.

Offene Funktionen und HMS Core 4.0 für Entwickler

Um Entwickler in ihrer Arbeit zu unterstützen, bietet Huawei mit dem HMS Core 4.0 einige Tools zur Integration in HMS-Apps an. Das Machine Learning Kit bietet beispielsweise die Möglichkeit, die Formen und Merkmale des Gesichts eines Benutzers anhand von sieben Kriterien zu erkennen.

Ein Scan Kit soll die Entwicklungszeit für die Implementierung von QR-Code- und Barcode-Scanfunktionen in Apps erheblich verkürzen und mit einem Map Kit können Entwickler benutzerdefinierte Karten implementieren, Tags hinzufügen sowie und Services wie globale Straßenzustandsberichte in Echtzeit und Routenplanung integrieren.

Obwohl noch weit von Googles Diensten entfernt, scheint sich Huawei beim Ausbau seines eigenen HMS ordentlich ins Zeug zu legen. Ob HMS-Dienste in absehbarer Zeit zur echten Alternative für Google-Dienste werden, ist jedoch fraglich. Aber wie heißt es doch so schön: Auch ein Hochhaus hat mal als Keller angefangen.


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