Huawei P10 Plus vs. Honor 8 Pro: Wozu 200 Euro mehr zahlen? [mit Video]

Fast könnte man meinen, das Huawei P10 Plus und das Honor 8 Pro wären zweieiige Zwillinge. Ihre Datenblätter lesen sich nahezu identisch. Trotzdem oder gerade deshalb wollten wir wissen, welches der beiden Geschwister im Geiste das bessere Smartphone ist. Und vor allem: ob der Preisunterschied von mindestens 200 Euro gerechtfertigt ist.

Das Design: Alu trifft auf Alu

Würden wir uns rein auf die Äußerlichkeiten beschränken (aber wer tut das schon?), würde der "Sieger" dieses Vergleichstests an dieser Stelle bereits feststehen: Das P10 Plus ist einfach ein Hingucker. Huawei ruht sich beim Design nicht auf dem allgemeinen Konsens auf, sondern traut sich beim P10 Plus auch mal mit neuen Fertigungstechniken visuelle Highlights zu schaffen. In der Hyper-Diamond-Cut-Variante sieht die lasergravierte Rückseite des P10 Plus aus wie Hologramm-Bilder, die dazu verleitet, ständig mit dem Fingernagel darüber zu ribbeln. Die Superheldenfähigkeit der Rückseite: Sie absorbiert Fingerabdrücke.

Das Honor 8 Pro macht beim Design eher eine Durchschnittsfigur, wirkt aber auch nicht unschön. Immerhin hat Honor die Rückseite beim 8 Pro aus mattem Aluminium gefertigt und nicht mehr aus Glas wie beim Original. Dadurch treten die Antennenstreifen ähnlich dem iPhone 6 deutlich zutage und Fingerabdrücke erzeugen "nur" noch unansehnliche Schlieren. Im Prinzip ist das nicht weiter schlimm, aber eben auch nicht die hohe Kunst. Das Aluminium hat einen weiteren Vorteil: Es verleiht dem Gerät mehr Griffigkeit. Mit 5,7 Zoll ist das 8 Pro 0,2 Zoll größer als das P10 Plus (und 0,5 als das Honor 8), mit dem neuen Material reduziert der Hersteller so zumindest die Gefahr, dass es aus der Hand rutscht.

Der Fingerabdrucksensor ist beim P10 Plus unterhalb des Displays im Homebutton integriert. Das größere Honor 8 Pro wird rückseitig im oberen Drittel mit dem Finger entsperrt. Letztlich entscheidet die eigene Präferenz darüber, was einem lieber ist. Das P10 Plus hat die cleanere und ansprechendere Rückseite, allerdings ist das Entsperren auf der Vorderseite mit dem Daumen mitunter etwas wackelig. Das 8 Pro verzichtet vorne gänzlich auf Tasten und verlässt sich zudem darauf, dass Nutzer das große Gerät ohnehin mit dem Zeigefinger stützen müssen. Insofern ist die Entscheidung, den Fingerabdrucksensor auf der Rückseite zu platzieren, keine schlechte. Zumal die Position gut gewählt und intuitiv gut zu erreichen ist, ohne dass die Kameralinse in gefährliche Nähe rückt. Beide Sensoren sind übrigens keine mechanischen Tasten, reagieren also lediglich auf Berührung und nicht auf physischen Druck.

Das Display: WQHD können sie beide

Die Displays der beiden Geräte unterscheiden sich nur marginal in ihrer Größe: Das P10 Plus misst eine Diagonale von 5,5 Zoll, das Display des Honor 8 Pro kommt auf 5,7 Zoll. In beiden Fällen handelt es sich um IPS-Panels, die mit 1440 x 2560 Bildpunkten (WQHD) auflösen. Das 0,2 Zoll Mehr an Größe geht zulasten der Pixeldichte. Hier triumphiert das P10 Plus mit 540 ppi gegenüber dem Honor 8 Pro mit 516 ppi. Wobei selbst letzterer immer noch ein sehr guter Wert ist. Dessen ist sich auch Honor bewusst und hat sich deshalb bei der Verpackung einen kleinen Clou einfallen lassen: Mit wenigen Handgriffen ist diese in eine VR-Brille aus Pappe verwandelt.

Qualitativ lassen beide Displays kaum Platz für Kritik: Die einzelnen Farben werden sauber herauskristallisiert, lediglich bei den Schwarzwerten zeigen sich die Grenzen eines IPS-Panels gegenüber zum Beispiel Samsungs AMOLED. Ansonsten stellen sowohl das P10 Plus als auch das 8 Pro Inhalte ordentlich hell und knackig scharf dar. Ganz so strahlend weiß wie aber das Honor 8 leuchtet das 8 Pro zwar nicht, allerdings fällt das nur im direkten Vergleich mit dem Original auf.

Die Hardware: nahezu identisch

An der Stelle können wir etwas abkürzen, da beide Smartphones mit exakt der selben Hardware laufen. Als Prozessor hat Huawei in beiden Fällen den Kirin 960 mit vier Kernen á 2,4 GHz (Cortex A73) und vier Kernen á 1,8 GHz (Cortex A53) verbaut. Dem hauseigenen Prozessor hat der chinesische Hersteller jeweils einen Mali G71 als GPU und sechs Gigabyte RAM als Arbeitsspeicher zur Seite gestellt. Unnötig zu erwähnen, dass die Smartphones mit dieser Hardware aktuelle Apps und Spiele ("Super Mario Run", "Asphalt 8", "Real Racing 3", "N.O.V.A. Legacy") problemlos starten und in höchster Detailstufe ruckelfrei wiedergeben. Ebenfalls die gleiche DNA teilen sich die Betriebssysteme. Huawei hat sowohl im P10 Plus als auch im 8 Pro Android 7.0 Nougat vorinstalliert und EMUI 5.1 als Benutzeroberfläche drüber gestülpt.

Benchmark-Vergleich:

Antutu:

  • P10 Plus: 126.000 Punkte (Mittelwert)
  • 8 Pro: 137.000 (Mittelwert)

Geekbench:

  • P10 Plus: 1860 Punkte (Single-Core), 5273 Punkte (Multi-Core)
  • 8 Pro: 1863 (Single-Core), 6398 (Multi-Core)

Der Akku: Honor kann länger

Der Akku des P10 Plus liegt mit 3750 mAh knapp hinter dem Vergleichsgerät: Das Honor 8 Pro darf sich über 4000 mAh freuen. Während das P10 Plus bei intensiver Nutzung spätestens abends an die Steckdose muss, schafft das Honor 8 Pro möglicherweise noch die Nacht mit einer Aufladung. Wer das Smartphone vor allem zum Spielen und Netflixen nutzt, wird allerdings früher Ausschau nach einer externen Stromquelle halten müssen. Dank Quick Charge sind aber beide Smartphones innerhalb kurzer Zeit wieder einsatzbereit.

Die Kamera: Huawei mit kleinem Vorsprung

Das nächste Alleinstellungsmerkmal des P10 Plus, neben dem Design, liefert Huawei mit der Dualkamera. Das in der Werbung gerne hervorgehobene "Leica"-Branding sollte bei der Kaufentscheidung aber nicht allzu stark gewichtet werden. Denn letztlich hat die Wetzlarer Manufaktur die Fertigung der Linsen lediglich überwacht und bei der Vermessung geholfen. Trotzdem liefern die zwei Linsen der Hauptkamera gute bis sehr gute Ergebnisse in unterschiedlichen Licht- und Witterungsverhältnissen. Vor allem bei dunkleren Umgebungen oder Aufnahmen im Dämmerlicht schießt das P10 Plus dank f/1.8er Blende Fotos weitestgehend ohne Detailverluste. Huawei hat zwei unterschiedliche Sensoren im P10 Plus verbaut: Ein 20-Megapixel-Sensor kümmert sich vornehmlich um kontrastreiche Aufnahme bei Hell-Dunkel-Motiven, während der 12-Megapixel-RGB-Sensor das Bild quasi einfärbt. Letzterer verfügt zudem über einen optischen Bildstabilisator, um Wackler bei Videos oder Unschärfe bei Fotos zu minimieren.

Monochrome Fotos schießt mittlerweile auch das Honor 8 Pro. Allerdings begnügte sich der Hersteller in diesem Fall mit einer zwölf Megapixel starken Dualkamera und einer f/2.2-Blende. Wie beim P10 Plus kümmert sich der RGB-Sensor um die Farbe in den Aufnahmen, der zweite Sensor ist im 8 Pro allerdings für die Tiefe-Informationen zuständig. Somit erlaubt das 8 Pro im "Große Blende"-Modus auch nach dem Ablichten noch die Neufokussierung von Objekten in den Aufnahmen. Tagsüber überzeugen die Fotos mit natürlich wirkenden Farben und guten Details. Bei Dunkelheit verliert das 8 Pro gegenüber dem P10 Plus aber deutlich: Ohne Blitz-Unterstützung werden die Aufnahmen aufgrund von Bildrauschen schnell großkörnig.

Fazit: Honor 8 Pro setzt sich durch

749 Euro ruft Huawei für das P10 Plus auf. Das technisch nahezu identische Honor 8 Pro kostet 200 Euro weniger, ist teilweise je nach Angebot noch günstiger. In unserem Test konnten wir keinen wirklichen Grund finden, der die enorme Differenz rechtfertigen würde. Optisch gefällt uns das P10 Plus zwar besser, am Ende des Tages bleibt aber auch Huaweis Gerät ein Smartphone. Und in allen relevanten Disziplinen hält das Honor 8 Pro nicht nur mit, sondern kann sich etwa beim Akku und der Displaygröße absetzen. Natürlich punktet es aber in erster Linie beim Preis. Für Hobbyfotografen ist die umfangreiche Dualkamera des 8 Pro mehr als ausreichend in seinen Einstellungsmöglichkeiten. Wer mehr als Schnappschüsse knipsen will, greift lieber zum Huawei P10 Plus. Doch so schön die Kooperation zwischen Huawei und Leica für die Vermarktung auch sein mag: Für den Anwender macht sie bei diesem Vergleich keinen Unterschied.

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