Insta Repeat: Wie Instagram und Co. unser Reise-Verhalten verändern

Wer von euch lässt sich auch von Instagram zu neuen Reisezielen inspirieren? Zumindest unbewusst?
Wer von euch lässt sich auch von Instagram zu neuen Reisezielen inspirieren? Zumindest unbewusst?(© 2018 Shutterstock / Maria Savenko)

Wer verreist, kann seine Umgebung kaum noch unvoreingenommen auf sich wirken lassen, weil wir durch die sozialen Medien schon längst die Bilder dazu im Kopf haben. Wie Instagram und Co. unser Reise-Verhalten verändern, und warm nicht alles daran schlecht sein muss.

Heute blättert kaum noch jemand in Hochglanz-Reisekatalogen und bucht einen Urlaub. Genauso unwahrscheinlich ist es aber, dass man einfach losdüst und sich ganz unvoreingenommen auf ferne Länder oder Regionen einlässt – obwohl mittlerweile fast jeder beteuert, Individualreisen seien sein "Hobby". Stattdessen recherchieren wir im Netz und finden dort nicht nur Inspirationen und Informationen für unsere nächste Reise, sondern auch jede Menge Fotos: Bevor wir ankommen, haben wir schon ganz konkrete Bilder und Vorstellungen im Kopf, die wir in sozialen Medien gesehen haben. Die wirken zwar authentischer als die Katalogbilder von früher, allerdings beeinflussen sie unsere Erwartungen und Wahrnehmung. Außerdem bestätigen sie am Ende nur, dass niemand so individuell reist, wie er oder sie meint. Stattdessen steuern man dieselben "Geheimtipps" an und macht dort ebenfalls Fotos in typischen Urlauber-Posen. Seien es Sehnsuchtsorte wie der Hollywood-Schriftzug oder die Kulissen von Game of Thrones oder malerische Landschaft und populäre Wahrzeichen als Beweis, dass man auch losgezogen ist, in die große weite Welt.

Die beliebtesten Urlaubsmotive auf Instagram

Wer selbst noch nicht raus hat, wie man all diese Momente hübsch ansehnlich konserviert, findet dafür die passende Anleitung im Netz, in Form von unzähligen "Tipps für bessere Bilder mit dem Smartphone". Viele Reiseblogs liefern auch direkt die passenden und schnellsten Routen für die wichtigsten Fotomotive.  So sehen wir am Ende unzählige Reproduktionen derselben perfekten Urlaubseindrücke. "Insta Repeat" hat die beliebtesten nun aufgegriffen und zur allgemeinen Belustigung nebeneinander gestellt. Die Collagen zeigen, welche Motive sich allergrößter Beliebtheit erfreuen:

  • Aus dem Zelt in die Wildnis fotografieren für das ultimative Pfadfinder-Feeling.
  • Der romantischer Seeblick vom Steg aus – alternativ der einsame Ruderer auf einem verlassenen See.
  • Wehende Mädchen-Mähne im Wind vor einer Berg- oder Wasserlandschaft.
  • Menschen, die auf einem Jeep-Dach mitten im Nirgendwo stehen.
  • Die typische rote Norweger-Holzhütte mitten im Schnee.
  • Ein kleiner Mensch vor riesigem Wasserfall oder mittig in einer riesigen Baumallee als Symbolbild für die schöne Naturgewalt.
  • Baumelnde Füße am Abgrund eines Gipfels oder Felsvorsprungs.
  • Einsame Berge inmitten saftiger Wiesen, wie etwa Islands Kirkjufell.

Niemand ist mehr überrascht, wie klein die Kleine Meerjungfrau wirklich ist

Je länger man so darüber schmunzelt, desto mehr beliebte Reisemotive fallen einem selbst noch ein: die typischen stolze Urlaubsposen wie die Füße am Sandstrand oder gar der Bikini-Bridge, den Sonnenuntergang über dem Meer, das Selfie mit Cocktail und Sonnenhut oder auch typische tierische Bewohner von Schafen über Kamelen bis hin zu Äffchen oder Elefanten. Wahrscheinlich haben wir sie selbst schon zu Hauf geknipst. Darüber hinaus gibt es natürlich noch diverse Wahrzeichen und Orte, die einem so bekannt vorkommen – obwohl man noch nie da war: So ist dann vor Ort kaum noch jemand überrascht, wie winzig die Kleine Meerjungfrau in Kopenhagen wirklich ist oder dass sich der Schiefe Turm von Pisa eigentlich nur minimal neigt – aber aus der richtigen Perspektive in eine Eiswaffel passt.

Auch die berühmten  Schriftzüge in Los Angeles haben sich in unser Gehirn eingebrannt – wie etwa das populäre Flügel-Graffiti von der Künstlerin Colette Miller auf der Melrose Anvenue: Hier stehen Instagramer sogar bereitwillig Schlange, um sich ebenfalls zwischen den Flügel in Szene zu setzen.

Trotzdem werden wir weiterhin nach perfekten Pics jagen – und das ist ok

Selbst mit dem Wissen, wie lächerlich mainstream der Wunsch nach eben diesen perfekten Urlaubs-Pics ist: Wohl kaum jemand wird wohl künftig darauf verzichten, sich selbst vor beliebten Motiven in die typischen Posen zu werfen, wenn man schonmal da ist. Und das ist vielleicht auch okay so – solange man den Stätten und Menschen mit dem gebotenen Respekt begegnet, sich selbst dabei nicht zu ernst nimmt und seinen Spaß hat im Urlaub. Perfekten Motive für die perfekte Urlaub – oder vielmehr die perfekte Urlaubsdarstellung – hinterher zu jagen, das gehört nicht nur in die perfekte Insta-Welt, in der Hate und schlechte Nachrichten keinen Platz haben, und die uns deswegen so gut bei Laune hält, sondern ist zumindest aus gesundheitlicher Sicht immer noch besser, als nur faul am Strand zu liegen. Vielleicht verhilft auch der Vorsatz, zumindest auf dem Rückweg vom Motiv mal einen anderen Weg einzuschlagen, Instagram zu mehr Reisevielfalt und uns zu frischer Inspiration – immerhin suchen die immer mehr Urlauber auf Instagram statt im Reisebüro.

Allerdings solltet ihr nicht vergessen, dass viele Momentaufnahmen online schöner dargestellt werden, als sie wirklich sind – so wird der Müll am Strand natürlich ausgeblendet. Auch die Tourismus-Branche nutzt verstärkt Influencer für Marketing-Zwecke. Ein kritischer Blick, Erfahrungsberichte und Recherche bewahren euch vor Zielen, die ihr hinterher bereut.


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