Internetsucht: 560.000 Deutsche betroffen

Wenn man das Wort „Drogenbeauftragte“ hört, so denkt man zunächst an Ecstasy, Marihuana, Kokain oder vielleicht noch an Alkohol und Zigaretten. Die Stichworte Computer und Internet passen da irgendwie nicht so recht ins Bild. Doch auch das sind Themen, die die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmanns, beschäftigen.

Mechthild Dyckmanns hat jetzt eine Studie der Universitäten Lübeck und Greifswald vorgelegt zum Thema „Prävalenz der Internetabhängigkeit“ (PINTA). Ergebnis: Rund 560.000 Menschen zwischen 14 und 69 Jahren – das ist etwa 1 Prozent – sind internetsüchtig. Ausschlaggebend für die Internetsucht sind nach Angaben der Forscher, wenn die Betroffenen fast nur noch in der virtuellen Welt unterwegs sind, unter Entzugserscheinungen leiden, wenn sie mal nicht online sind, die Kontrolle über die Zeit verlieren, die sie im Internet verbringen, soziale Kontakte vernachlässigen und nicht mehr zur Arbeit, Schule oder Uni gehen und sogar ihre Körperhygiene vernachlässigen.

Die Gruppe mit den meisten Internetsüchtigen ist – wohl wenig überraschend – die Altersgruppe zwischen 14 und 24 Jahren mit 2,4 Prozent Abhängigen und 13,6 Prozent, die als problematisch eingestuft werden. Als „problematisch“ stuft die Studie 4,6 Prozent der Menschen zwischen 14 und 69 ein, rund 2,5 Millionen Deutsche.

Interessant ist, dass gerade Mädchen von der Internetsucht betroffen sind – bisher galt das doch eher als ein typisches männliches Problem. Ebenfalls interessant ist, dass es deutlich weniger Internetsüchtige gibt, als zunächst angenommen. Eine frühere Schätzung ging von 3,2 Prozent aus, was also mehr als das Doppelte wäre.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmanns, sieht die Computerspiel- und Internetsucht als ihren Schwerpunkt für das kommende Jahr an. Ganz unumstritten ist dies jedoch nicht. Denn die Frage ist, ob die Internetsucht (genauso wie die Computerspielsucht) nicht viel tieferliegende Gründe hat und man bei der Behandlung zwar das Übel bekämpft, nicht aber die Wurzel.

Foto: welt.de