iPad Air 2 vs. Surface Pro 3: Beef ums Business

Unfassbar !18
Surface Pro 3 und iPad Air 2: Mobile Arbeitsmaschinen
Surface Pro 3 und iPad Air 2: Mobile Arbeitsmaschinen(© 2014 CURVED Montage)

Das iPad Air 2 ist so mächtig wie kein Tablet bisher. Eine Eintrittskarte für neue Märkte, in denen Apple plötzlich auf starke Konkurrenz stößt.

Was Geschwindigkeitsvergleiche angeht, hielt Apple noch nie hinterm Berg. Erst recht nicht beim neuen iPad Air 2. 40 Prozent mehr Perfomance als sein Vorgänger bringt das Tablet mit. Im Vergleich zum ersten 2010 gelaunchten iPad ist es sogar zwölfmal so schnell, die Grafikleistung stieg seitdem sogar um das 180-Fache und im Vergleich zum direkten Vorgänger um das 2,5-Fache.

Das sorgt in den Benchmarks nicht nur für sehr gute Werte, sondern die derzeit besten Werte für Mobilprozessoren. Da kommen Nexus 9, das mit dem von Nvidia gefertigten K1-Chip ausgestattet ist, und das Galaxy Note 4 mit Qualcomm Snapdragon 805 nicht mithalten. Das iPad Air 2 ist so schnell, dass Experten schnell Vergleiche mit Desktop-Rechnern anstellten. ZDNet verglich das Flaggschiff-Tablet mit einem iMac aus dem Jahr 2007 mit 2,4 GHz schnellem Core-2-Duo und vier Gigabyte RAM. Das Ergebnis: Während sich das neue Apple-Tablet im Geekbench noch absetzt, sieht es bei gängigen Browsertests ein wenig anders aus: Sie liegen fast gleich auf. Demnach verfügt das iPad Air 2 nicht über dieselbe Rechenpower wie halbwegs aktuelle Macbooks, aber dennoch über ausreichend viel Perfomance, um es als Arbeitsmaschine einzusetzen.

Rüstzeug für komplexe Anwendungen

Apropos Arbeit: Ausgerechnet hierzu schwiegen sich Tim Cook und seine Manager während der iPad-Keynote aus. Gemeint ist die angehende Partnerschaft zwischen Cupertino und Armonk, zwischen Apple und IBM. IBM bringt künftig unter dem Stichwort "IBM MobileFirst for iOS" für Apple-Geräte optimierte Cloud-Dienste auf den Markt und will seinen Kunden iPhones und iPads verkaufen. Darüber hinaus kümmert sich das Unternehmen um das Geräte-Management und die Einrichtung. Apple erweitert im Gegenzug seinen Support-Dienst Apple Care für unternehmensspezifische Belange. Für den Enterprise-Bereich verwies der Konzern aus Cupertino lange Zeit auf seine Reseller, die derzeit in Reiheinsolvent gehen oder sich in die Schwellenländer zurückziehen. Mit IBM steht dafür ein Partner mit weltweiter Infrastruktur zur Seite.

Mit der neuen Ausstattung bietet Apple im iPad Air 2 das Rüstzeug, um auch komplexere Anwendungen zu fahren. Und macht handstreichartig damit dem Konzern Konkurrenz, der sich lange Zeit hinter dem iPad-Boom wähnte, aber mittlerweile schlagartig aufschließen konnte: Microsoft. Die Redmonder gab konnten mit ihrem Tablet-Notebook-Hybriden Surface kräftig zulegen. Um respektable 127 Prozent legte die Konzern-Unit im vergangenen Quartal im Vergleich zum Vorjahr zu. Microsoft setzte mit seinem Surface nunmehr immerhin schon 908 Millionen Dollar um und operiert nach eigenen Angaben vor Marketingausgaben knapp profitabel.

Apple will derweil auf Service setzen: "Das gemeinsame Ziel von Apple und IBM für diese Partnerschaft besteht darin, Geschäftsleuten überall auf der Welt die einzigartigen Möglichkeiten von iPads und iPhones mit Firmeninformationen, Daten, Analysen und Arbeitsprozessen zur Verfügung zu stellen", hieß es in einer Pressemitteilung. Kernpunkt ist laut Apple eine neue Art von "Made-for-Business-Apps", die spezifische Probleme und Möglichkeiten, unter anderem im Einzelhandel, im Gesundheitswesen, bei Banken- und Versicherungen, im Reise- und Transportwesen und der Telekommunikationsbranche adressieren und ab Herbst diesen Jahres und in 2015 hinein verfügbar sein werden.

Business-Segment als Rettung für sinkende Verkäufe

Apple braucht diese Partnerschaft. Denn während die iPhones gefragter sind denn je, sind die Verkaufszahlen bei den iPads rückläufig. Ein Schicksal, das der Konzern aus Cupertino mit anderen Herstellern teilt. Die großen Marktforscher senken den Daumen über der Tablet-Sparte. Nach IDC passte auch Gartner seine Erwartungen nach unten an. Die Analysten kappten ihre Absatzprognose für dieses Jahr um elf Prozent auf gut 229 Millionen Geräte.

IBMs Ginni Rometty und Tim Cook wollen Enterprise Mobility umkrempeln(© 2014 Apple/Paul Sakuma)

Konsumenten sähen im Alltag zu wenig Verwendungszwecke für die flachen Computer. Das merkt auch Aple: Die iPad-Verkäufe sind rückläufig. Doch nicht nur Apples Tablet-Sparte kränkelt: Der Markt ist gesättigt. Der Bedarf an einer neuen Geräte-Generation ist längst nicht so groß wie bei den Smartphones. Mehr noch: Die Konkurrenz durch Phablets ist enorm. Das Geschäft mit den Mega-Smartphones boomt. So sehr, dass selbst Apple mit seinem Credo der Einhand-Bedienung brach und das iPhone 6 Plus herausbrachte.

Mehr kalter Krieg als offene Konfrontation

Der Deal mit IBM gilt unter Analysten als Ausweg für Apple aus dem gesättigten Consumermarkt. Auch Microsoft preist die Business-Qualitäten seines Surface: vollwertige Tastatur, vollwertiges Windows, vollwertiges Office. Durch die IBM-Partnerschaft gepaart mit dem potenten iPad Air 2 wildert Apple schlagartig in Microsofts Revier und dem Zukunftsmarkt “mobiles Büro”, also die Verbindung von mobilem Arbeitsgerät gepaart mit leistungsfähigen Datenbanken und solider Synchronisierung über viele Geräte hinweg.

Apple gibt gewöhnlich keine Verkaufszahlen für seine iPads bekannt - zu groß wäre die Differenz zu den Multimillionen-Absätzen der iPhones. Ab Herbst dieses Jahres bis ins neue Jahr hinein wollen Apple und IBM ihre Kooperation zum Laufen bringen. Schlagartig ist wieder Leben im Tablet-Segment, auch wenn der Endverbraucher davon wenig mitbekommen wird.  Microsoft ist mit dem Surface Pro 3 der Spagat zwischen Laptop und Tablet auf der Hardwareseite durchaus gelungen. Das größte Problem beim Surface war in unserem Test das Betriebssystem. Windows 8.1 nervt durch den Mix aus der für ein Tablet optimiertes Betriebssystem und der alten Desktop-Ansicht. Gleichzeitig kann das Gerät mit praktischen Business-Features, wie etwa dem Digitizer-Stift, punkten. Die lässt das iPad noch missen. Aktuelle Entwicklungen von Logitech zeigen aber, das sich auch ein Apple-Tablet blitzschnell zum Surface "umbauen" ließe - wenn auch ohne Desktop-Betriebssystem. 

Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich beide System im Business-Alltag durchsetzen können. Microsoft ist mit Windows 10 in der Bringschuld, ein System auf die Beine zu stellen, das sich auf Rechnern und Tablets gleichermaßen sinnvoll nutzen lässt. Apple steht derweil vor der Herausforderung, in Zusammenarbeit mit IBM solide Lösungen für Unternehmen anzubieten. Hatte Microsoft lange Zeit den Anschluss an Apples Smartphone-Erfolg verpasst, ist das Unternehmen unter seinem neuen CEO wieder erstarkt. Der Kampf um die Gunst der Business-Kunden, er ist in vollem Gange.


Weitere Artikel zum Thema
iOS 10.2: Apple veröf­fent­licht die fünfte Beta – Release für alle naht
Michael Keller1
Her damit !11Mit iOS 10.2 kommen neue Emojis auf iPhone und iPad
Apple hat die Beta 5 von iOS 10.2 für Entwickler und öffentliche Tester zur Verfügung gestellt. Der Release für die Allgemeinheit rückt damit näher.
iPhone 8: Kompo­nen­ten für die OLED-Version sollen schon herge­stellt werden
Guido Karsten2
Her damit !22Es ist unklar, wie Apple das flexible OLED-Display in seinem iPhone 8 einsetzen wird
Das OLED-Display des iPhone 8 soll Apples Ingenieuren ein neues Design ermöglichen. Gerüchten zufolge sind erste Exemplare bereits in Arbeit.
iCloud: So werdet Ihr den nervi­gen Kalen­der-Spam auf iPhone und Macbook los
Marco Engelien
Die Lösung für den Kalender-Spam liegt in der iCloud.
In den vergangenen Wochen haben iCloud-Nutzer Spam in Form von Kalender-Einladungen erhalten. Wir zeigen Euch, wie Ihr das Problem beheben könnt.