iPad mini 3 oder Nexus 9? Nur eine Frage des Ökosystems

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Soll's ein Nexus 9 werden, oder doch lieber ein iPad mini 3?
Soll's ein Nexus 9 werden, oder doch lieber ein iPad mini 3?(© 2014 Apple, HTC, CURVED Montage)

Nun sind sie endlich offiziell, die neuen Tablets von Apple und Google — und in beiden Lagern sind die ganz großen technischen Sprünge ausgeblieben, die Verbesserungen finden eher im Detail statt. Ein Aktualisieren vom ersten iPad mini, dem iPad Air  oder dem Nexus 7 hin zum mini 3, dem Air 2 oder dem Nexus 9 scheint damit nicht zwingend notwendig; was aber ist mit potenziellen Tablet-Einsteigern? Sollen die sich nun für ein neues iPad entscheiden oder zum Nexus 9 greifen? Die Antwort auf diese vermeintliche (Glaubens-)Frage findet sich tatsächlich nur noch im jeweils zugrunde liegenden Okösystem.

Seit der vergangenen Woche sind die Spezifikationen und Features neuen iPads mini und Air bekannt, und selbst die Apple-Fans in der Redaktion tun sich etwas schwer damit, deren große Neuerungen zu feiern — die finden sich nämlich eher im Detail, was den Kollegen Jan dazu bringt, Euch aktuell sogar zum Kauf des "alten" iPad mini 2 zu raten. Ähnlich sieht es beim Nexus 9 aus, das zwar mit 8,9 Zoll und WHQD-Auflösung eine neue Display-Dimension ins Spiel bringt, sonst aber ebenfalls keine zwingenden Optimierungen für Besitzer eines Nexus 7 oder anderen Android-Tablets bietet — von Android 5.0 Lollipop freilich abgesehen.

Dennoch gibt es natürlich zahlreiche Tech-Enthusiasten oder eben willige Einsteiger in die Tablet-Welt, die sich nun einen der neuen Flachmänner von Apple oder Google zulegen möchten und möglicherweise zwischen diesen beiden Welten hin- und her gerissen sind.

Hardware und OS sind für sich genommen gleichauf

Das iPad Mini 3(© 2014 Apple)

Allen persönlichen Befindlichkeiten, alles Fanboy-Geschreie und etwaige Image-Gedanken beiseite: Technisch nehmen sich weder die Hardware von iPad mini 3 und Nexus 9 noch die zugrunde liegenden Betriebssystem viel. Denn auch wenn die Fans von Android immer wieder den restriktiven "Walled Garden"-Ansatz von iOS anprangern und Freunde der iDevices im Gegenzug nicht müde werden zu behaupten, Android sei ein softwaretechnischer Flickenteppich und laufe langsam und ruckelnd — im Endeffekt lässt sich mit beiden Betriebssystemen inzwischen nicht nur gleich gut arbeiten, im Netz surfen, spielen oder Medien aller Art konsumieren; sowohl iOS 8.1 als auch Android 5.0 sehen toll aus, bringen zahlreiche innovative, wenn auch zum Teil unterschiedliche Komfortfunktionen und laufen beide äußerst flüssig. Zumal für Otto-Normal-Nutzer ist also die reine Leistungsfähigkeit des jeweils installierten OS kein verlässlicher Indikator für das eine oder andere Gerät.

Und auch in Sachen Hardware nehmen sich beide Tablets nicht wahnsinnig viel: Das iPad mini 3 hat ein 7,9 Zoll großes Display, das mit 1.536 x 2.048 Pixeln auflöst und damit auf eine Pixeldichte von 324 ppi kommt. Das von HTC gebaute Nexus 9  verteilt exakt die gleiche Anzahl an Pixeln auf 8,9 Zoll und erreicht damit 281 ppi — ein Schärfeunterschied, der mit bloßem Auge kaum erkennbar ist. Unter der Haube wird das iPad von Apples zweikernigem A7 mit 1,3 GHz-Takt befeuert, im Nexus werkelt Nvidias neuer, ebenfalls zweikerniger K1-Prozessor mit 64 Bit-Unterstützung. 1 GB RAM im iPad respektive 2 GB RAM im Nexus 9 dürften dank des etwas effektiveren Umgangs iOS' mit dem kostbaren Arbeitsspeicher für auch in dieser Hinsicht gleiche Bedingungen sorgen.

Das Nexus 9, gebaut von HTC(© 2014 Google)

Auch preislich nehmen sich beide Tablets nicht viel: Google verlangt für das 16 GB-Modell des Nexus 9 389 Euro, für die 32 GB-Version werden 479 Euro fällig. das iPad mini 3 schlägt in der 16 GB-Variante mit ebenfalls 389 Euro zu Buche, während Ihr für 64 GB (32 GB gibt es beim iPad mini 3 nicht) 489 Euro hinblättert. Und mit LTE-Modul werden 509 Euro (16 GB-iPad mini 3) respektive 559 Euro (32 GB Nexus 9) fällig.

Bis auf kleine Unterschiede wie den Fingerabdrucksensor (iPad) oder BoomSound Frontlautsprecher (Nexus 9) liegen iPad mini 3 und Nexus 9 also ziemlich gleichauf. Und selbst optisch unterscheiden sich beide Tablets eher wenig — wer soll sich denn da entscheiden? Und vor allem nach welchen Kriterien?

Es geht eigentlich nur noch um's Ökosystem ...

Während der iPad-Keynote am vergangenen Donnerstag zitierten Cook und seine Kollegen mehrfach das große Lob, das sie von verschiedenen Publikationen zum Launch ihrer iPhones erhalten hatten — interessant daran war, dass sich dieses mehrheitlich sehr positiv zum Ökosystem hinter der Hardware respektive von iOS äußerte. Es wurden weniger das Design oder die Technik der iDevices gelobt, als vielmehr das Drumherum.

Und so ist es im Alltag dann auch: Klar, man kann den Look des iPad besser finden oder den des Nexus 9, man kann mit Android als Betriebssystem eher klar kommen oder sich in iOS wohl fühlen. Man kann sogar Google sympathischer finden als Apple — oder eben umgekehrt. All das sind zwar nachvollziehbare und insofern für manchen auch sehr wichtige, gleichzeitig aber ziemlich "weiche" Faktoren für eine fundierte Kaufentscheidung.

Wenn dann auch noch die harten Fakten wie Preis, Hardware und Leistung so deutlich auf einem Niveau liegen und emotionale Erwägungen keine allzu große Rolle spielen sollen, dann bleibt nur noch das, was schon ist: das Ökosystem. Apple hat iTunes, Google Play Music. Wer in einem der beiden Läden schon viel Musik gespeichert hat, der könnte diese theoretisch auch in die jeweils andere Welt portieren; wird aber mehr Freude daran haben, sie dort weiter nutzen zu können, wo sie nativ zu Hause ist.

Wer hunderte Apps für iOS gekauft hat, wird wenig Lust verspüren, im Android Play Store aufs Neue zu zahlen. Und: Wer täglich MacOS am Rechner benutzt, der sollte schon ob der neuen Continuity-Funktionen tunlichst zum iPad greifen. Nutzer, die hingegen komplett bei Google zu Hause sind, finden alle Services aus Mountain View unter Android als gut umgesetzte Apps.

Diese Überlegungen sollten aber auch potenzielle Tablet-Einsteiger anstellen, die noch in keinem der beiden Ökosysteme beheimatet sind — mit dem Kauf der Hardware für sich aber eine Richtung vorgegeben werden, die mehr Geräte als nur das iPad oder Nexus 9 betreffen wird. Denn die technische Entwicklung geht unaufhaltsam hin zur Vernetzung und Verknüpfung der einzelnen Gerätschaften, mit denen wir da draußen und vor allem im Netz unterwegs sind; Smartphone, Tablet und Laptop sollten im Idealfall "zusammenpassen" und sich miteinander bestmöglich austauschen können. Da hilft es, wenn alle Geräte einem Ökosystem entstammen.

Hardcore-Fans des Android-OS werden nun eventuell ebenso die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wie all jene, denen außer Apple nichts ins Haus kommt — aber die brauchen ja auch keine Entscheidungshilfe hinsichtlich neuer Tablet-Hardware. Für alle anderen aber sollte die Wahl zwischen iPad und Nexus, nein: zwischen Apples und Googles Ökosystem durchaus bewusst stattfinden; auch weil so ein Tablet uns zumeist etwas länger begleitet als ein Smartphone.


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