iPads sind immer noch wichtig

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Das iPad hat noch immer seinen Platz
Das iPad hat noch immer seinen Platz(© 2014 CURVED)

Lieber Kollege Nils, du hast ja Recht mit deiner Analyse: Das iPad hat seine Verkaufs-Aufgabe erfüllt. Kann das iPad gehen? Ich glaube nicht. Bildschirm, Tastatur, Maus: Das ist die PC-Dreifaltigkeit seit dem ersten Mac 1984 (Sorry, aber Apples Lisa hat niemand benutzt). Tablets, so wurde uns versprochen, würden uns davon befreien. Ein maximal reduziertes Objekt, ganz Bildschirm, auf dem wir alle Dinge tun. Magie unter unseren Fingerspitzen, wo immer wir sind.

Es gibt keine Liebe wie enttäuschte Liebe

Das Versprechen wurde nicht eingehalten. Nicht für uns Heavy User, die mit zehn oder hundert Browser-Tabs jonglieren, Infos und Daten rausziehen und Geschichten draus komponieren. Tim Cook erledigt vielleicht 80 % seiner Arbeit mit dem iPad – er hat sicher 90 % seiner Abläufe darauf ausgerichtet. Wir anderen, die keine CEOs sind, haben andere Anforderungen und deswegen liegen die Dinger zu Tausenden in Nachttischschubladen, mit tiefentladenem Akku, umweht von Wollmäusen. Warum eigentlich genau?

Dein Schraubenzieher ist ein schlechter Hammer

Vor Jahren wechselte ich von der Maus zum Trackpad. Seitdem ist PowerPoint für mich komplett unbenutzbar geworden – jeder Klick führt ins Leere oder zu der genau falschen Aktion. So luftig und leicht die Arbeit am Trackpad ist, so wenig treffe ich damit den entscheidenden Pixel. Und weil ich darin ohnehin nie so richtig gut war, lass ich es lieber von Programmen wie Keynote oder Omnigraffle erledigen. Nennen wir es die Kunst des Ungefähren – Software, die mich versteht und nicht bevormundet. Ich würd weder iOS noch Android taub und blöd nennen. Aber manchmal fühl' ich mich schon unverstanden, wenn ich doch eigentlich nur einen Begriff googlen und dann den Link schnell woanders einsetzen will. Und, Nils, Du hast ein Luxusproblem: Dein MacBook ist zu klein, zu leicht, zu stark. Das kannst Du auch den ganzen Tag mit dir tragen, auf dem Couchtisch platzieren, eben mal aufklappen und sofort loslegen – die Vorteile des iPads ohne die Nachteile. Sähe anders aus, wenn Du nur einen 17 Zoll-400 Euro-Superschnäppchen-Laptop von 2009 hättest.

Und das iPhone 6?

Fünfeinhalb Zoll, sagst Du, werden Dir genug Bildschirm sein, dass Dein iPad Mini überflüssig wird. Nachdem ich ein Sony Xperia Z2 (tolles Smartphone) und ein Samsung Galaxy Note 3 getestet hab, muss ich sagen: Fünfeinhalb Zoll sind zu groß für meine Hosentasche.

Wie ich lernte, mein Tablet zu lieben

Ende 2012 kaufte ich mir ein Nexus 7. Weil Tablet. Nach der anfänglichen Begeisterung (Tablet! Android!) lag es rum und entlud gelangweilt seinen Akku. Bis ich es in den Urlaub mitnahm: Morgens beim Frühstück ein bisschen News lesen. Abends mit Bluetooth-Tastatur schreiben, was man gesehen hat. (Tipp für Film-Fans: Ihr könnt mit einem OTG-Stick normale USB-Sticks anschließen.) Dazwischen fuhr ich Motorrad, und die ganze Zeit war ich ein glücklicher Mensch. Vor allem wegen des Motorrades, aber eben auch, weil ich das Nexus als das nahm, was es ist: Eine Maschine für die gelegentlichen Dinge. Genug ist manchmal, wenn man nicht mehr braucht.

Anders als die anderen

Surfen, Mailen, Schreiben – die Standard-Aufgaben. Richtig interessant wird es aber in den Nischen, die durch die Tablet-Form erst entstanden sind. Und ich red nicht mal von Business-Einsätzen mit IBM oder als tragbare Kasse mit Kreditkarten-Leser. Eher so: Das Nexus als Fernbedienung für das Raspbmc Mediacenter? Schon hat es seinen Platz auf der Couch zurück erobert. Comics lesen. Oder (und deswegen liebäugel ich mit einem iPad) Musik machen: GarageBand als Recording Tool für die Couch, Effektgerät für den Proberaum. All das mögen Nischen sein. Aber jeder hat seine Nische. Das iPad ist immer noch wichtig. Nur fürs Lesen, da bleib ich beim Kindle in seiner einfachsten Form.


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