Jennifer und die Nacktfotos: Polaroids statt iCloud

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Jennifer und das böse Internet:  Was ist da schief gelaufen?
Jennifer und das böse Internet: Was ist da schief gelaufen?(© 2014 Facebook/JenniferLawrence)

Sie können einem schon leid tun, die A-, B- und C-Promis, die immer wieder Opfer von Hackern werden und so ihre eigentlich zum privaten Zeitvertreib geknipsten Nacktfotos oder gar selbst gedrehten Porno-Filmchen dann plötzlich mit der ganzen Welt teilen müssen. Wir verurteilen diese Web-Voyeurismus natürlich aufs Äußerste, fordern umgehend gesteigerte Sicherheitsmaßnahmen speziell für Celebrities. Bis diese umgesetzt wurde, haben wir derweil ein paar Infos für die Stars, mit denen sich solch pikante Leaks mit ein bisschen Umsicht verhindern lassen.

Über Nacht haben sie wieder mal zugeschlagen, diese Hacker, die auf die Privatsphäre der Stars pfeifen: Hundertfach wurden pikante Fotos und Videos einer ganzen Reihe mehr oder weniger bekannter weiblicher Entertainment-Größen — prominentestes Opfer ist Jennifer "Catniss" Lawrence — entwendet und großflächig ins Netz gestellt; gerüchtweise sollen einige Videos sogar noch gegen größere Summen an die Klatschpresse verkauft werden.

So schlimm das für die Betroffenen und so moralisch fragwürdig das Verhalten der Datendiebe und der Internetnutzer, die sich nun geifernd auf das intime Material stürzen, auch ist, so wenig überraschend ist der Vorgang —  wir erinnern uns natürlich sofort an Pamela Andersons Bootstour, an eine Nacht in Paris oder an das Mädchen mit Perlenohringen nach der Dusche.

Kaum jemand möchte uns ganz dringend nackt sehen, Jennifer Lawrence hingegen eigentlich jeder

Überraschend ist eher, dass gerade Prominente und Stars nach all diesen Skandälchen der Vergangenheit sich weiterhin halbwegs unbedarft in eindeutigen Posen und ohne Kleidungsstücke digital verewigen und offensichtlich keinerlei Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um dieses Material wenigstens zu schützen.

Natürlich haben auch Promis ein Recht und offensichtlich Lust auf privates Sexting, das Aufnehmen pikanter Fotos oder wilder Videos und auch den Versand dieser digitalen Höhepunkte an die gewünschten Rezipienten — da unterscheiden sie sich nicht von uns Normalsterblichen.

Aber während uns allen (hoffentlich) klar ist, dass es sich dabei stets um höchst sensibles Material handelt, das tunlichst nicht in die Hände oder vor die Augen Dritter geraten sollte, scheinen viele Promis sich darum weiter keinen Kopf zu machen; jedenfalls nicht, bis es zu spät ist. Der große Unterschied aber zwischen uns und den Celebs ist dabei: Kaum jemand möchte uns ganz dringend nackt sehen, Jennifer Lawrence hingegen eigentlich jeder.

Privatsphäre ist ein Grundrecht, Schutz vor Diebstahl leider nicht

Stellt sich also die Frage, warum Stars wie die Lawrence und all die anderen, die nun betroffen sind, diese Bilder und Videos nicht sofort nach ihrem "Einsatz" wieder gelöscht haben —  und zwar gründlich und überall, wo sie gespeichert worden sein können. Zwei mögliche Erklärungen gibt es, die allerdings beide keinem Hinterfragen standhalten: Der Rezipient könnte die Bilder weitergeben haben. Das ist daher unwahrscheinlich, weil im aktuellen Leak ja Material einer ganzen Reihe weiblicher Promis enthalten ist — der Empfänger müsste daher also ein besonders glücklicher Mensch sein, wenn all diese Damen ihn mit Nacktfotos beglücken; und der hätte gewiss anderes zu tun, als zu leaken.

Wahrscheinlich scheint da schon die Vermutung, der Hacker hätte sich Zugang zu einem Cloud-Speicher-Dienst, sehr wahrscheinlich Apples iCloud, verschafft und dann im großen Stil abgeräumt. Das wiederum wirft die Frage auf, warum diese Bilder überhaupt in der Cloud gelandet sind.

Klar, das geschieht, einmal auf iPhone und Co. aktiviert, automatisch und ist an sich ja auch wahnsinnig praktisch. Aber sollte nicht jedem erwachsenen Nutzer klar sein, dass Nacktfotos nichts in der Cloud zu suchen haben und diese wenigstens nach einem versehentlichen Upload schleunigst wieder aus der Wolke gelöscht werden müssen?

Die Cloud ist kein Nummernfach in  der Schweiz, sie ist noch nicht mal ein anonymes Schließfach am Hamburger Hauptbahnhof

Hollywood-Sternchen Mary E. Winstead twitterte kurz nach dem Leak ironisch, dass sie hoffe, all jene, die gerade "auf die Fotos, die sie vor Jahren mit ihrem Gatten in ihrer privaten Wohnung geschossen" habe, starren, sich gut dabei fühlen. Haben die bestimmt — aber was machen jene Fotos Jahre nach ihrem Entstehen eigentlich noch in der Cloud?

Liebe Promis: Auch für Euch gilt die Grundregel des Internets, dass es nicht so leicht vergisst und dass nichts, was online liegt, sicher ist. Die Cloud ist kein Nummernfach in  der Schweiz, sie ist noch nicht mal ein anonymes Schließfach am Hamburger Hauptbahnhof. Vielmehr sollten wir sie wie die Garderobe einer zweitklassigen Disko wahrnehmen, an der trotz Gebühr keine Gewähr für die abgegebenen Stücke übernommen wird. Und die wären dann auch noch mit euren Namen versehen.

Sicher sind nur Polaroids; und das auch nur, wenn sie zu Hause bleiben

Man stelle sich kurz vor, die digitale Revolution hätte nicht stattgefunden und wir würden unsere Nackt-Selfies in Polaroids festhalten. Wie viele Stars kämen wühl auf die Idee, diese Werke dann per Post an ihre Lover zu versenden? Trotz Briefgeheimnis wohl die wenigsten. So leid es mir für die Lawrence und ihre aktuellen Leidgenossinnen heute tut, dass sie in eindeutigen Posen von der Welt begafft werden kann, so unverständlich scheint es mir, dass sie dieses Material so unbedarft ins Netz entlassen konnten.

In einem Interview erklärte Jennifer Lawrence vor ein paar Wochen, iCloud würde sie ständig zum Backup ihrer Daten auffordern, sie wüsste aber gar nicht, wie das alles funktioniert. Vielleicht war ihr wirklich nicht bewusst, dass sämtliche ihrer Knipsereien automatisch hochgeladen werden. Vielleicht sollte Apple ihr und ihren Kolleginnen mal ein paar Genius'e vorbeischicken ...

Und das ist gar nicht spaßig gemeint: Wir warnen unsere Kinder davor, im Netz nicht zu viel preiszugeben, achten peinlich darauf, was von uns selbst sichtbar ist, aber niemand scheint sich diesbezüglich um die armen Promis, die mehr als wir und unsere Kinder ständig im Rampenlicht stehen, sich jede neue Technik leisten können und diese begeistert nutzen, ohne sie zu verstehen, zu kümmern.

Vor ein paar Wochen lief in den Kinos diesseits wie jenseits des Atlantik der mittelprächtige Streifen "Sex Tape" mit Cameron Diaz. Vielleicht hätten ein paar der heute Betroffenen sich den mal ansehen sollen; die Diaz jedenfalls scheint nicht Opfer des aktuellen Leaks zu sein ...


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