Kapture: Dieses Armband nimmt permanent Klänge auf

Kapture nimmt laufend Audio auf. Damit begeben sich die Entwickler in Sachen Privatsphäre in eine Grauzone.
Kapture nimmt laufend Audio auf. Damit begeben sich die Entwickler in Sachen Privatsphäre in eine Grauzone. (© 2014 Kapture)

Fotos dominieren Social Networks. Aber was ist mit Audio? Kapture nimmt permanent Klänge auf und speichert sie ab. Ein Lauschangriff am Handgelenk?

Wir teilen Bilder und Videos, aber kaum Audio-Clips auf Social Media-Plattformen. Das will Matthew Dooley ändern. Gemeinsam mit seinem Freund Mike Sarow hat er mit "Kapture" ein Armband entwickelt, das Audio aufnimmt. Auf Knopfdruck kann der Träger die vergangenen 60 Sekunden abspeichern.

Kapture nimmt ständig auf, informiert Dooley bei einer Produktpräsentation im Rahmen der Branchenkonferenz Ad:tech in San Francisco - allerdings nur in 60 Sekunden-Schleifen. Das Gerät überspielt automatisch die vergangenen 60 Sekunden, wenn nicht aktiv auf das Armband gedrückt wird. Die gespeicherte Audio-Datei wird automatisch auf die iPhone- oder Android App geladen. Der Nutzer kann den Mitschnitt dann in Social Media-Kanälen teilen, per Email oder MMS versenden oder im persönlichen Speicher archivieren. Die Mitschnitte können betitelt und kategorisiert werden.

"Ich wünschte, ich hätte das festgehalten"

Wofür braucht man ein Armband wie Kapture? "Man kann kein Foto von einem Sound schießen", so Dooley. Er vermisse Audio-Beiträge auf Facebook und Twitter. Weiters sei das Armband für genau die Momente geeignet, in denen man denkt: "Ich wünschte, ich hätte das festgehalten." Das kann laut den Gründern ein lustiger Dialog unter Freunden sein, die ersten Worte des Kindes oder wichtige Informationen. Ein weiteres Anwendungsbeispiel sei Musikerkennung: "Bei Shazam muss ich immer ein Smartphone dabei haben, mit Kapture nehme ich einfach den Song auf und tagge ihn später bei Shazam." Kapture könne auch dabei nützlich sein, bestimmte Passagen aus Audiobüchern oder Podcasts festzuhalten. Für Marketing-Menschen kann das Armband als Marktforschungstool verwendet werden, "um die ersten Reaktionen festzuhalten, die Kunden beim Kontakt mit einem Produkt haben."

Das Gadget wirft aber auch Fragen zum Datenschutz auf. In einigen US-Staaten ist das Mitschneiden von Gesprächen illegal, wenn das Gegenüber nicht informiert ist. Die Kapture-Gründer verweisen bei der Diskussion auf die Tatsache, dass Kapture zwar theoretisch ständig aufnimmt, aber alle 60 Sekunden die Aufnahme wieder löscht.

Auslieferung erfolgt im Sommer

Kapture hat sich im Herbst 2013 durch eine Kickstarter-Kampagne mit einem Kapital von rund 160.000 US-Dollar finanziert. Laut Dooley befinden sich die vorbestellten Armbänder bereits in Produktion und sollen diesen Sommer ausgeliefert werden. Kürzlich erhielten die Entwickler eine weitere Finanzierung in Höhe von 680.000 US-Dollar. Neben dem Verkauf selbst wollen die Kapture-Gründer ihr Produkt durch den Verkauf von Accessoires und Provision durch iTunes-Verkäufe bei Musikerkennung monetarisieren.

Das Armband ist in sechs verschiedenen Farben erhältlich, wasserfest und verfügt über eine LED-Anzeige, die auf einen niedrigen Akkustatus hinweist. Das Kapture kann um 99 US-Dollar auf der Hersteller-Website vorbestellt werden.

 

 


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