Kindle & Co zu stark: PagePlace in 18 Tagen offline

Es hat nicht gereicht: Der Onlinekiosk Pageplace geht zum 31.3. vom Netz
Es hat nicht gereicht: Der Onlinekiosk Pageplace geht zum 31.3. vom Netz(© 2014 Pageplace, CURVED Montage)

Der Countdown läuft: Der erst vor zwei Jahren mit hohen Erwartungen von der Deutschen Telekom gestartete Medienkiosk PagePlace macht Ende März dicht. PagePlace konnte sich gegen die Übermacht von Amazons und Apples Store-Angeboten nie durchsetzen. 18 Tage bleiben Kunden noch, um ihre Inhalte zu sichern…

Es klang wie eine mächtige Allianz: Die deutschen Telekom-, Medien- und Buchandels-Champions taten sich im vergangenen Jahr zusammen, um gemeinsam „die Zukunft des digitalen Lesens“ zu gestalten.

Das sollte einerseits mit dem vor einem Jahr mit großen Hoffnungen gestarteten E-Reader "tolino shine“ passieren, den der Dax-Konzern mit Bertelsmann, Thalia, Weltbild und Hugendubel entwickelt hatte.  Ein Jahr später die bittere Erkenntnis: Das Geschäft verlief  nicht so wie erhofft. Die Telekom zieht nun den Stecker: Der Verkauf des E-Readers wird durch die Telekom nicht weiterverfolgt.

Telekom-Angebot Pageplace konnte sich nie durchsetzen

Auch aus dem Inhalte-Geschäft zieht sich die Telekom zurück: Der bereits zwei Jahre zuvor auf der CeBIT unter großem Medienrummel vorgestellte Medienkiosk PagePlace wird zum 31. März eingestellt.

PagePlace war als als deutsche Antwort auf die umfangreichen Content-Angebote von Amazon und Apple iBooks als iOS und Android-App  zunächst als virtueller Zeitungsshop mit einer zweistelligen Anzahl an Tageszeitungen und Wochenmagazinen an den Start gegangen; E-Books kamen wenig später hinzu.

Keine Chance auf dem zersplitterten Markt der deutschen Onlinekioske

Durchsetzen konnte sich das Me-too-Angebot in der Vielzahl der virtuellen Buchläden auf dem Smartphone nie – Tolino-Partner Bertelsmann hatte etwa bereits ein Jahr zuvor mit Pubbles sein eigenes Angebot ins Rennen geschickt, der Axel Springer Verlag vertreibt seine Angebote auf dem Smartphone und Tablet unter der App iKiosk. Gegen die Platzhirsche Amazon und Apple sahen jedoch alle deutschen Anbieter alt aus. Neue Social Reading-Anbieter wie Readfy könnten zudem den Markt aufmischen.

Den Siegeszug des Kindle zeigt am deutlichsten ein Blick in Google Trends"

PagePlace-Nutzer müssen sich nun beeilen: Ganze 18 Tage bleiben Kunden noch, um die Inhalte zu sichern, dann schließt der Telekom-Kiosk seine Pforten. Besonders ärgerlich für iOS- und Android-App-Nutzer: Die Integration der Inhalte funktioniert nicht in die Apple- und Amazon-Bibliothek, sondern nur in das Archiv der Partnerangebote.

„Mit nur wenigen Klicks“ könne die „gesamte PagePlace-Bibliothek zu Ihrem tolino Wunschpartner umziehen“, rät die Telekom ihren Kunden. Hinter den „tolino Wunschpartnern“ verbergen sich bücher.de, Hugendubel, Thalia und Weltbild, die mit eigenen Probleme zu kämpfen haben:  Weltbild ist inzwischen insolvent, Hugendubel trennt das Filialnetz vom langjährigen Partner, während sich Thalia mitten in einer Restrukturierung mit ungewissem Ausgang befindet.  Wieder einmal zeigt sich für Nutzer: Die Wahl des Endgeräts bestimmt maßgeblich die langfristige Verfügbarkeit ihrer Inhalte…


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