Kinox.to: Razzia ohne Folgen für Streaming-Konsumenten?

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Zwei mutmaßliche Betreiber von Kinox.to sind auf der Flucht
Zwei mutmaßliche Betreiber von Kinox.to sind auf der Flucht(© 2014 Flickr.com / Derek Gavey)

Die Betreiber des Film-Streaming-Dienstes Kinox.to wurden das Ziel einer in vier Bundesländern durchgeführten Großrazzia. Wie Spiegel Online berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft den Hauptbeschuldigten neben gewerblicher Urheberrechtsverletzung auch Brandstiftung, Steuerhinterziehung und räuberische Erpressung vor. Was nun auf private Nutzer des Dienstes zukommen könnte, erklärt Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke.

Die beiden Brüder, die als Drahtzieher hinter Kinox.to vermutet werden, sind aktuell noch auf der Flucht. Sollte es bei ihnen aber zu einer Verurteilung wie bei den Betreibern der Vorgängerseite Kino.to kommen, könnten sie sich mit mehrjährigen Haftstrafen konfrontiert sehen. Nutzer des Streaming-Dienstes Kinox.to brauchen vor solch einem Strafmaß wohl keine Angst zu haben, doch spielen hierbei einige Details eine wichtige Rolle, wie der Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt.

Streaming erst illegal, wenn eine lokale Kopie erstellt wird?

Seiner Einschätzung nach ist das Ansehen eines Streams selbst dann nicht illegal, wenn die Quelle des Materials illegal ist, solange der Stream nicht aufgezeichnet und so eine lokale Kopie auf dem Rechner abgespeichert wird. Dennoch gibt es aber auch andere Auffassungen der Rechtslage, laut denen beispielsweise diejenigen bestraft werden können, die für die Nutzung solch eines Streams Geld bezahlt haben.

Die Filmindustrie soll laut Wilde Beuger Solmecke die Meinung vertreten, dass auch das Streaming einer Raubkopie bereits eine Urheberrechtsverletzung darstelle. Begründet werde dies darüber, dass auch die zwischenzeitliche Speicherung im flüchtigen Arbeitsspeicher mit dem Anlegen einer illegalen Kopie zu vergleichen sei. Im Fall der RedTube-Abmahnwelle sollen aber etliche Gerichte entschieden haben, dass das Betrachten eines Video-Streams noch keine Urheberrechtsverletzung darstelle.

IP-Adressen können nur 7 Tage lang zurückverfolgt werden

Sollte die Staatsanwaltschaft am Ende nicht nur daran arbeiten, die Betreiber dingfest zu machen, sondern sich auch für die privaten Nutzer interessieren, hängt die Gefahr einer Strafe aber von noch einem weiteren Punkt ab: So kann die Staatsanwaltschaft laut Christian Solmecke IP-Adressen als Nachweis für Zugriffe auf einen Streaming-Service wie den von Kinox.to nur bis zu sieben Tage lang zurückverfolgen. Wer also in der jüngsten Vergangenheit ohnehin nicht mehr auf die Seite zugegriffen hat, braucht auch keine Angst mehr zu haben, Post von der Staatsanwaltschaft zu erhalten.

Sollten am Ende pünktlich IP-Adressen von Streaming-Nutzern des Dienstes festgestellt worden sein und ein Gericht entsprechend der Rechtseinschätzung der Filmindustrie entscheiden, dann könnte sich ein Schadensersatzanspruch laut Christian Solmecke beispielsweise auf etwa 155 Euro Anwaltskosten zuzüglich des tatsächlich entstandenen Schadens in der Größenordnung einer Kinokarte beziffern lassen. Wurden hingegen Filesharing-Dienste genutzt, bei denen zum Beispiel ein Film auch wieder ins Netz hochgeladen wird, könnte die Strafe um einiges höher liegen.

Movie4k.to, Boerse.sx und Mygully.com von denselben Betreibern?

Laut der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen sollen unter anderem auch die Webseiten Movie4k.to, Boerse.sx und Mygully.com zu den Betreibern von Kinox.to gehören. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, dürften auch diese Seiten wohl demnächst nicht mehr erreichbar sein.


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