Klarnamenzwang im Internet – eine Schnapsidee?

Da hat Innenminister Hans-Peter Friedrich ja einen Stein ins Rollen gebracht! Nach den Attentaten in Norwegen hatte er gefordert, im Internet müsse ein Klarnamenzwang herrschen. Schluss mit der Anonymität im Netz?

Friedrich ist scheinbar der Ansicht, dass nur durch den Klarnamenzwang die geltende Rechtsordnung aufrecht erhalten werden könne. „Normalerweise stehen Menschen mit ihrem Namen für etwas ein, warum nicht auch ganz selbstverständlich im Internet?“ fragte der Innenminister in einem Interview mit dem Spiegel.

Doch Friedrichs Kritiker sehen das anders. Sie sehen die Meinungsfreiheit gefährdet, die doch gerade im Internet so wichtig ist. So hätte beispielsweise der Umbruch in den arabischen Staaten im Frühjahr 2011 wohl gar nicht stattfinden können, wenn nicht eine gewisse Anonymität im Internet möglich wäre. Mit seiner Forderung nach dem Ende der Anonymität im Netz steht Friedrich quasi in einer Reihe mit totalitären Regimen und diktaturischen Regierungen.

Die Folgen eines Klarnamenzwangs wären gerade in den arabischen Staaten unvorstellbar. Außerdem widerspricht der Klarnamenzwang den Grundeigenschaften des Internets. Denn gerade die Tatsache dass man unerkannt bleiben kann öffnet so unglaublich viele Möglichkeiten. Und dabei geht es nicht nur um potentielle Attentäter, sondern auch um ganz normale Menschen. Mit einem Pseudonym im WWW unterwegs zu sein ermöglicht beispielsweise vielen die Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Daneben gibt es zahlreiche Personengruppen, die gute Gründe dafür haben, im Internet anonym bleiben zu wollen, beispielsweise Angehörige ethnischer Minderheiten oder bestimmter Religionen, Missbrauchsopfer, Menschen mit Namen, die sofort auf eine bestimmte Herkunft schließen lassen – um nur einige zu nennen.

Einmal abgesehen von all dem ist der Klarnamenzwang im Internet schon rein technisch kaum zu realisieren. Denn dann müsste man, wie Markus Beckendahl in einem Interview mit dem ZDFz6 sagt „das Internet wegschmeißen und ein neues bauen.“