Apples iOS 11 kann jetzt Augmented Reality: Hat HoloLens ausgedient?

Dank ARKit könnt Ihr bald das Holochess aus "Star Wars" auf Eurem Küchentisch spielen.
Dank ARKit könnt Ihr bald das Holochess aus "Star Wars" auf Eurem Küchentisch spielen.(© 2017 CURVED)

Apple hat auf der WWDC-Keynote einen nicht unerheblichen Teil der gut zwei Stunden den neuen Technologien "Virtual Reality" und "Augmented Reality" gewidmet. Tim Cook hatte im Vorfeld mehrfach betont (hier und hier), dass er Augmented Reality für die relevantere der beiden halte. Die Verschmelzung der realen mit der virtuellen Welt spielte deshalb für Apple eine große Rolle auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz. 

Während Virtual Reality (VR) dank leistungsstärkerer MacBook Pros und iMacs in Zukunft vor allem auf stationären System interessant wird, liegt der Fokus bei Augmented Reality (AR) im mobilen Sektor. Spannend dürfte die Integration der AR bei den iPad Pros (unter anderem dem neuen iPad Pro 10.5) werden, deren leistungsstarke A10X-Chips 4K-Videoarbeitung erlauben, aber eben auch die Berechnung von 3D-Objekten in Echtzeit im realen Raum. Apple gibt den Leistungsschub mit 30 Prozent gegenüber den Vorgängermodellen an.

Augmented Reality für alle

Wie gut das funktionieren kann, hat Felix in seinem Hands-on ausprobiert. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass es sich bei der Vorführung lediglich um eine Demo mit eingeschränkter Funktion und geringem Umfang handelt. Einen umfassenden Eindruck von Apples AR-Vision und dessen vollem Potenzial bekommen wir wohl erst zum Start von iOS 11.

Wie ernst es Apple mit der Entwicklung von Augmented Reality ist, zeigten das Unternehmen mit dem ARKit. Das frei zur Verfügung stehende Entwickler-Tool richtet sich an Programmierer, die speziell für iOS 11 AR-Inhalte konzipieren wollen. Die Entwicklerumgebung unterstützt die Grafik-Engines Unity, Unreal Engine und SceneKit. Eine erste, eindrucksvolle Demonstration, welche Ergebnisse sich mit dem ARKit erzielen lassen, gab Peter Jacksons Unternehmen Wingnut AR. In der Demo-Sequenz, die auf einem Holztisch in Echtzeit berechnet wurde, griffen Raumschiffe ein Dorf an. Die "Spielfläche", also der Holztisch, wurde zuvor von der iPad-Kamera ausgemessen, sodass die Figuren die Begrenzungen des Tisches automatisch erkannten – eine der Figuren stürzte sich bei dem Angriff absichtlich von der Kante. Die auf dem Tisch liegenden iPads wurden von der Spiel-Oberfläche allerdings "überrollt" und nicht in die Landschaft integriert.

Neue Einrichtung? Dank Augmented Reality kein Problem.(© 2017 CURVED)

Raus aus der Nische ...

Derzeit beschränkt sich Apple bei der Augmented Reality ausschließlich auf Software-Lösungen, eine AR-Brille oder ähnliche Peripherie hat Apple auf der WWDC nicht vorgestellt. Gerüchten zufolge könnte das kommende iPhone der erste Vorstoß in Richtung AR-Hardware werden. Damit überwindet Apple eine Hürde, an der Microsoft derzeit noch scheitert: Deren Eintauchen in die AR setzt zusätzliche Hardware voraus. Das kostspielige AR-Headset HoloLens richtet sich aufgrund des hohen Anschaffungspreises (Die Entwicklerversion kostet 3000 Dollar, das teuerste 12,9 Zoll iPad Pro 1379 Euro) und der noch vergleichsweise speziellen Anwendungsszenarien vornehmlich an professionelle Anwender, zum Beispiel in der Auto-Industrie.

Mit iOS 11 und ARKit öffnet Apple auch dem normalen Smartphone-Nutzer die Türen für den Hybriden aus realer und digitaler Welt. Alle Besitzer eines iPhone 6s und darüber hinaus können ab Herbst jederzeit und kostenfrei auf die neu integrierte AR-Funktion ihres Telefons zurückgreifen. Craig Federighi, der Senior-Vizepräsident der Software-Abteilung, spricht in diesem Zusammenhang von der "größten AR-Plattform der Welt", die sich rund um iOS 11 erstreckt und quasi über Nacht mehreren Millionen Nutzern zur Verfügung steht. Die enorme Nutzerbasis dürfte es auch für Entwickler attraktiv machen, entsprechende Apps dafür zu programmieren.

... rein in den Massenmarkt

Ein weiteres Pluspunkt gegenüber Microsofts HoloLens ist die soziale Interaktion bei Apple. Während HoloLens die AR-Erfahrung nur auf eine Person beschränkt – diejenige, die die Brille trägt – können bei Apple mehrere Personen gleichzeitig daran teilnehmen, weil das Geschehen auf dem Display des iPhones oder iPads stattfindet. Mit einer Demo zu "Star Wars HoloChess" veranschaulichte Apple nach der Keynote, wie AR zukünftig in gemeinsame Spielabende integriert werden könnte.

Bei der Vermarktung einer neuen Technologie ebenfalls nicht unwichtig ist die Tatsache, dass sich AR-Inhalte auch per Video nachvollziehbar zeigen lassen, anders als bei Virtual Reality. Wir können also davon ausgehen, dass wir ab Herbst einige Apple-typische Werbeclips zu sehen bekommen, die sich gesondert auf Augmented Reality konzentrieren.

Mit Tango hat Mitbewerber Google schon seit 2016 eine eigene AR-Plattform für Android im Portfolio. Allerdings läuft diese bislang nur auf zwei Smartphones. Und: Android ist nicht gleich Android. Anders als Google kann Apple sein Betriebssystem samt AR-Funktion auf seine Hardware anpassen und somit optimal ausnutzen. Apple ist damit zwar nicht der erste Hersteller im Smartphone-Markt, der Augmented Reality anbietet. Aber sie sind die ersten, die es zu einem selbstverständlichen Teil ihres OS-Ökosystems machen und Entwickler aktiv zu einladen, die Technologie zu nutzen.

Eine Einschränkung gibt es dann aber doch: Um die AR-Funktion unter iOS 11 nutzen zu können, bedarf es mindestens eines iPhone 6s oder iPad Pro. Unterstützt werden alle Apple-Geräte mit A9-Chip und darüber hinaus.

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