Kritik an Nintendos Switch-Sprachchat: kompliziert und schlecht umgesetzt

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"Splatoon 2" ist das erste Spiel, das den Online-Service der Nintendo Switch unterstützt.
"Splatoon 2" ist das erste Spiel, das den Online-Service der Nintendo Switch unterstützt.(© 2017 CURVED)

Mit "Splatoon 2" startet Nintendo endlich den Online-Service und den Sprach-Chat für die Nintendo Switch. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: So zugänglich wie die Spiele von Nintendo wird das nicht.

Mit "Splatoon 2" erscheint das erste Spiel für die Nintendo Switch, das die parallel veröffentlichte App "Nintendo Switch Online" unterstützt. Neben der Möglichkeit sich im sogenannten SplatNet 2 Spielstatistiken anzeigen zu lassen und Kleidung für die Inklinge gegen Spielgeld zu tauschen, bietet die App vor allem eins: den Voice-Chat.

Kritik schon vor Release

Dieser läuft nicht wie bei Sony oder Microsoft über die Konsole, sondern über das Smartphone. Allerdings nicht ohne Weiteres. Denn wer beim Spielen sowohl den Sprach-Chat als auch den Spielsound hören will, muss mit viel Kabelmanagement klarkommen. Das offiziell lizenzierte Splatoon-2-Headset von Hori demonstriert eindrücklich, wie fesselnd diese Konstruktion werden kann. In Deutschland ist das Headset bislang übrigens nicht verfügbar.

Obwohl die App seit dem 19. Juli für iOS und Android zum Download bereitsteht, wird die zentrale Funktion erst am 21. Juli, wenn "Splatoon 2" erscheint, freigeschaltet. Doch schon im Vorfeld mehrt sich Kritik über den App-Zwang. Neben der fragwürdigen Tatsache, dass Nintendo den Service überhaupt auf ein Zweitgerät ausgelagert hat, sind es vor allem die Restriktionen, die diese Entscheidung mit sich bringt. Denn die App muss zwingend im Vordergrund laufen. Wie unter anderem die Kollegen von Polygon schreiben, unterbricht der Voice Chat, sobald die App geschlossen wird:

"Voice chat is only active as long as the app is open."

Eine App, sie alle zu binden

Nintendo selbst hatte in den offiziellen FAQs zur App zwar bereits darauf hingewiesen. Jedoch nicht darauf, dass auch der Bildschirm des Smartphones während der Nutzung der App permanent eingeschaltet sein muss. "The moment my screen turned off, my ability to participate in voice chat went away", schreibt Adam Rosenberg von Mashable. Ergo müsst Ihr vor Spielbeginn sicherstellen, dass der automatisierte Ruhemodus deaktiviert ist. In meinem Fall, einem Honor 8, muss ich spätestens alle zehn Minuten aufs Display tippen, um die Kommunikation aufrechtzuhalten. Mehr noch: Nehmt Ihr einen Anruf an, ist der Voice-Chat ebenfalls futsch.

Neben der Nintendo Switch, dem Smartphone, dem Headset samt Splitter und Kabelsalat brauche ich also noch mindestens eine Doppelsteckdose oder einen entsprechenden Adapter, damit ich unterwegs online spielen und chatten kann. Ohne es getestet zu haben: Positiv auf die Akkulaufzeit meines Smartphones wirkt sich das nicht aus. Rosenberg findet dafür deutliche Worte:

"Sacrificing that much more of your battery to the Nintendo gods just to talk to your friends online while you're playing a video game... this is fundamentally bad design."

Ein veraltetes Konzept

Nicht nur das Setup ist unnötig kompliziert geraten. Auch die Handhabung der App selbst ist im Vergleich zu Sony und Microsoft ein unerklärlicher Rückschritt. Kotaku berichtet, dass der Sprach-Chat nur innerhalb eines Titels und nicht spieleübergreifend funktioniert. Also kurz schauen, wer online ist und denjenigen zum Plausch einladen, ist von Nintendo nicht vorgesehen. Stattdessen können sich nur Freunde – und zwar ausschließlich Freunde – über die App unterhalten, die gemeinsam das gleiche Spiel in der gleichen Partie spielen. Denn: Der Voice-Chat ist direkt mit dem jeweiligen Spiel verknüpft. Deshalb kann er auch nur dann genutzt werden, wenn Ihr aktiv das Game eingelegt habt.

Auch bei NeoGaf und Reddit macht sich unter den Nutzern Unverständnis breit. Vielleicht haben wir Glück und Nintendo nimmt die wachsende Kritik zur Kenntnis. Wenn sie schon das Smartphone zur Kommunikation nutzen möchten, dann doch wenigstens zeitgemäß. Über ein Update ließe sich zumindest ein Teil der Probleme beseitigen.

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