Kritik zu „Black Panther“: So gut ist das Marvel-Spektakel wirklich

Supergeil !6
Als König von Wakanda ist T'Challa automatisch auch Superheld.
Als König von Wakanda ist T'Challa automatisch auch Superheld.(© 2018 Marvel)

Der Hype um Marvels„Black Panther“ ist riesig, die ersten Kritiken durchweg hervorragend. Ist der Film tatsächlich einer der besten aus dem Superhelden-Stall oder sind die Vorschuss-Lorbeeren doch etwas übertrieben? Wir haben uns selbst davon überzeugt.

Er war der erste schwarze Superheld überhaupt, als er 1966 erstmals in einem Heft der "Fantastic Four" auftauchte. Wakandas König T’Challa bekam mit der Königswürde auch das Tempo und die Kraft eines Panthers – und eine Menge High-Tech-Ausrüstung dazu. Kann Chadwick Boseman in seinem zweiten Auftritt als T’Challa  - nun im eigenen Film – die Fans restlos überzeugen?

Okoye und Nakia müssen ohnmächtig zusehen, wie T'Challa um seinen Thron kämpft.

Die Handlung

Es beginnt mit einem Rückblick: König T’Chaka besucht seinen im US-Exil lebenden, jüngeren Bruder N’jobo (Sterling K. Brown, "This is Us") – und macht dabei eine schreckliche Entdeckung. Am Ende gibt es einen Toten und ein Familiengeheimnis, das noch eine große Rolle spielen soll.

Heute: T’Challa (Chadwick Boseman) macht sich bereit, seinen Platz auf dem Thron von Wakanda einzunehmen, nachdem sein Vater in "Captain America: Civil War" durch eine Bombe getötet worden war. Ihm zur Seite stehen seine Mutter Ramonda (Angela Bassett), die kleine Schwester Shuri (Letitia Wirght), seine Jugendliebe Nakia (Lupita Nyong’o) und der weibliche General Okoye (Danai Gurira, "The Walking Dead") – lauter starke Frauen, die T’Challa bei den kommenden Aufgaben helfen wollen. Denn zum einen muss er sich bei der Inthronisierung möglichen Herausforderern aus anderen Stämmen stellen, zum anderen hat Ulysses Claw (Andy Serkis), nach einem Raub von Vibranium vor vielen Jahren ohnehin Staatsfeind Wakandas, in London erneut ein Stück des seltenen Metalls entwendet. Der Black Panther kann Claw stellen, doch der wird durch einen undurchsichtigen Söldner namens Eric Killmonger (Michael B. Jordan) gerettet. Und der taucht kurze Zeit später in Wakanda auf. Kann T’Challa seinen Thron verteidigen und die Welt dabei weiterhin im Unklaren darüber lassen, wie reich und fortschrittlich sein Land wirklich ist?

Fast nur gute Action

Einer der wichtigsten Aspekte in einer Superheldenverfilmung: Die Action muss stimmen. Ausgerechnet beim ersten Auftritt des Panthers verhaut der extrem schnelle Schnitt zwar die Wirkung, alle weiteren Einlagen sind aber nahezu perfekt gelungen. Ob der Kampf in einem asiatischen Casino oder die Verfolgungsjagd durch die halbe Stadt – das hat Marvel-Niveau, wie wir es kennen und lieben. Besonders ansehnlich sind aber die Kämpfe Mann gegen Mann, in denen T’Challa seinen Thron verteidigen muss, denn die werden ohne Kostüme ausgetragen und präsentieren Bosemann und Jordan in bestechender körperlicher Verfassung. Wer allerdings den Stimmen glaubt, die erste Hälfte des Films sein eine Art James Bond-Version eines Marvelhelden, der hat offenkundig eine gewisse Organisation namens SHIELD vergessen, die solche Storys schon häufiger erzählt hat. Zwar hat der Black Panther zahlreiche coole Gadgets aus Vibranium – aber auch SHIELD-Agenten konnten in diversen Filmen schon mit ähnlicher Technik aufwarten.

Forst Whitaker spielt den Medizinmann Zuri, der ein altes Geheimnis bewahrt.

Cooler neuer Look

Wirklich neu hingegen ist der Look des Films, denn Regisseur Ryan Coogler gelingt es, mit dem afrikanischen Land auch eine ganz neue Art der Optik ins Marvel-Universum einzuführen. Statt edlen schwarzen Anzügen herrschen hier bunte, authentisch-afrikanisch wirkende Kostüme vor, die die Leinwand immer wieder in ein Farbenmeer verwandeln. Dazu kommen das satte Grün der wakandischen Natur und eine Großstadt mitten im Dschungel, die eine Art Stammesversion von Asgard sein könnte. Hier schafft Coogler tatsächlich Schauwerte, die Marvelfans so noch nie zu sehen bekommen haben. Und auch der Anzug des Black Panther, bei dem selbst Tony Stark neidisch werden könnte, hat optisch einiges zu bieten. Für die Story des Films gilt das aber nur bedingt.

Geschichte von der Stange

Denn die ist zwar ok, mehr aber auch nicht. Hier finden sich nur wenig wirklich originelle Szenen – und die haben häufig nichts mit dem Black Panther zu tun. So ist Eric Killmonger sicher nicht der beste Bösewicht sei Loki, sondern einfach nur ein weiterer Schurke, der ein ganz durchschnittliches Motiv für seine Taten hat. Auch die ganze Grundidee der Story, dass ein afrikanisches Land seit Jahrzehnten erfolgreich verschleiern kann, dass es extrem reich und technisch weit fortgeschritten ist, scheint angesichts von SHIELD und Stark-Technologie doch eher unwahrscheinlich und ist nicht leicht zu schlucken. Und von ganz großer Relevanz für das Marvel-Universum ist der Film ebenfalls nicht, die Story steht trotz einiger Anspielungen weitgehend für sich. Das tut allerdings dem Unterhaltungswert keinen Abbruch: Black Panther hat trotz seiner stolzen 145 Minuten keine Längen, ein ordentliches Tempo und jede Menge Stars in kleineren Rollen – wie Forest Whitaker und Martin Freeman.

Eric Killmonger verfolgt ganz eigene Pläne in Wakanda - und sicher keine guten.

Dazu gelingt es Coogler, seinen Superhelden weder komplett lächerlich zu machen wie das in „Thor: Tag der Entscheidung“ passierte, noch ändert er die Figur so stark ab wie das in „Spider-Man: Homecoming“ gemacht wurde. Black Panther bleibt der, den Fans aus den Comics kennen.

Fazit

Black Panther ist sicher nicht der beste Film aus den Marvel-Studios, aber trotzdem ein guter, unterhaltsamer Ausflug in die bislang unbekannte afrikanische Welt der Superhelden geworden. Durch die Bank gute Schauspielerleistungen, coole Tricks, ein frischer Look und rasante Action helfen über die wenig originelle Story hinweg. Ein solider Marvel-Film – und eine gute Einstimmung auf den "Film des Jahres": "Avengers: Infinity War", in dem wir den Black Panther schon wiedersehen.


Weitere Artikel zum Thema
YouTube: Google inves­tiert viel Geld in neuen Musik-Dienst
Michael Keller1
YouTube könnte bald eine spezielle Musik-Streaming-Sparte bieten
Google arbeitet an einem Konkurrenten zu Spotify und Apple Music – und investiert angeblich viel Geld in den neuen Musik-Streaming-Dienst.
“Auslö­schung”: Dieser Film landet kurz nach dem Kino­start bei Netflix
Guido Karsten
App Netflix
Mit "Auslöschung" landet schon bald ein brandneuer Blockbuster mit Natalie Portman in der Hauptrolle auf Netflix – und das kurz nach dem US-Kinostart.
Sound­cloud ist der beste Stre­a­ming-Dienst, den ihr nicht nutzt
Jan Johannsen1
Soundcloud, HTC U11
Soundcloud – Sehr wahrscheinlich nutzt ihr den Musikstreaming-Dienst nicht. Solltet ihr aber, denn er ist kostenlos und ergänzt Spotify und Co.