Kritik zu "Chaos im Netz": Wie gut ist Disneys Ausflug ins Internet?

Ralph reichts 2
Ralph reichts 2(© 2019 Disney)

Mit dem zweiten Teil von "Ralph reichts" (Originaltitel: "Wreck-it-Ralph") setzt Disney einen Film fort, der nicht zu den erfolgreichsten der Konzerngeschichte gehört und auch bei den Kritikern eher gemischt ankam. Hat Disney es im zweiten Anlauf besser gemacht?

Ein Videospiel-Fiesling als Held seines eigenen Films? Das klang 2012 eher seltsam, funktionierte aber einigermaßen gut. Den richtigen Hype lösten Ralph und seine weibliche Verstärkung Vanellope aber nicht aus. In der Fortsetzung machen die beiden das Internet unsicher – mit (Lach)-Erfolg?

Die Handlung

Ralph und Vanellope sind die besten Freunde und machen alle zusammen. Doch während Ralph wohl noch ewig die gleichen Dinge tun könnte, ist Vanellope ihr Leben etwas zu langweilig und sie beschließt, in ihrer Heimat, einem Renn-Spiel, einmal neue Wege zu fahren. Doch das führt dazu, dass der Junge, der das Spiel gerade spielt, vor lauter Panik den Controller zerstört. Und für das mittlerweile antiquierte Spiel sind kaum noch Ersatzteile zu beschaffen. Und so will der Besitzer der Spielhalle das Gerät ausmustern – was das Ende für Ralphs und Vanellopes Freundschaft bedeuten würde.

Das Internet: unendliche Weiten.(© 2019 Disney)

Als die beiden Freunde aber einige Kinder belauschen, die davon reden, dass im Internet sicher so ein Controller zu finden wäre, steht für Ralph und Vanellope fest: Sie müssen ins Internet! Und tatsächlich schafft es das Duo, sich ins World Wide Web zu schmuggeln und dort nach einem Controller zu suchen. Ebay hat bekanntlich alles, doch das seltene Ersatzteil kostet durch einen kleinen Unfall beim Bieten plötzlich 11.000 US-Dollar! Und so müssen Ralph und Vanellope sehr schnell sehr viel Geld verdienen. Das führt sie nicht nur in ein modernes Rennspiel, sondern auch bis ins Darkweb. Kann Ralph das Zuhause seiner kleinen Freundin retten?

Spaß (fast) nur für Internet-Nutzer

Gut, die Zielgruppe ist nicht gerade klein. Aber tatsächlich basiert fast jeder der zahlreichen Gags im Film darauf, dass der Zuschauer sich im Internet auskennt und es regelmäßig nutzt. Denn die Geschichte bedient sich reichlich beim modernen Umgang mit dem Medium und nutzt "virales Marketing" und Clickbait-Pop-Ups ebenso wie Viren oder Firmen wie Ebay und Google. Und das haben die Macher um die Regisseure Rich Moore und Phil Johnston ("Zoomania") absolut großartig umgesetzt. Ob die Messenger, die als kleine Männchen immer wieder auftauchen oder Ralphs Versuch, mit gut geliketen Videos das nötige Geld zu sammeln – hier waren Könner am Werk, die sich über genau die richtigen Dinge des Online-Alltags lustig machen und so das Humorzentrum der Generationen Android und Co. einfach gut treffen.

Ralph und Vanellope sind die besten Freunde.(© 2019 Disney)

Dazu beweist Disney, dass sie auch über sich selbst lachen können, wenn sie einige der berühmtesten Prinzessinnen des Mäuse-Konzerns als emanzipierte Power-Ladys zeigen, die von ihrem netten und freundlichen Ruf zunehmend genervt sind. Und auch Vanellope wachrütteln wollen, endlich ihren eigenen Wünschen zu folgen als ständig Rücksicht auf andere zu nehmen. Dazu konnten die Macher im Original etliche Stars engagieren, um die neuen Charaktere zu sprechen. So ist "Wonder Woman" Gal Gadot als Rennspiel-Crack Shank dabei und "Firefly"-Star Alan Tudyk spricht die Suchmaschine Knows-More.

Letztlich ein klassischer Disney

Aber bei allem Spaß, den "Chaos im Netz" fast durchgehend verbreitet, so bleibt der Film im Kern doch ein klassischer Disney-Film, der die gleichen Botschaften verbreitet, für die der Konzern seit mehr als 90 Jahren steht. Traditionelle Werte, Familie und Freundschaft, davon kann sich auch der neue Film nicht frei machen. Allerdings ist Disney auch Meister darin, diese Botschaften so charmant und lustig zu verpacken, dass sie dem Spaß beim Zusehen in keinster Weise schaden.

Disney nimmt sich gern auch selbst auf die Schippe.(© 2019 Disney)

Bei "Chaos im Netz" ist das auch deshalb so, weil der Film – ganz im Sinne von Vanellope und Shan – zu keinem Zeitpunkt vom Gas geht. Und dem Zuschauer richtig gute Gags abwechselnd mit rasanten Actionsequenzen serviert, die an "Ready Player One" und "Fast and Furious" erinnern. Und in Sachen Animation und technische Umsetzung ist der Film ohnehin über jeden Zweifel erhaben – neben Pixar sind auch die Disney-Studios hier absolute Weltspitze.

Da fällt es dann auch nicht mehr ins Gewicht, dass "Chaos im Netz" einige Bereiche, wie beispielsweise das Darknet oder Internet-Mobbing, ein wenig zu harmlos präsentiert und dem tatsächlichen Problem nicht wirklich gerecht wird. Das wird man einem reinen Unterhaltungsfilm mit einer jungen Zielgruppe aber nachsehen können.

Fazit

Rasant, witzig, intelligent: "Chaos im Netz" führt die Erfolgsserie der Disney-Studios, die mit "Rapunzel" und "Die Schneekönigin" ihren Höhepunkt hatte, weiter sauber fort. Mittlerweile hat das Studio den Übergang vom Zeichentrick zur Computer-Animation komplett geschafft und präsentiert hier einen extrem lustigen Film, der auch thematisch auf der Höhe der Zeit ist.


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