Kritik zu "Star Trek Discovery": Ist die Netflix-Serie Debakel oder Hit?

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Starke Frauen sind das Markenzeichen der neuen Star Trek-Serie.
Starke Frauen sind das Markenzeichen der neuen Star Trek-Serie.(© 2018 CBS)

Nach langer TV-Pause von mehreren Jahren hat uns Netflix nun die erste neue Star Trek-Serie beschert: Discovery. Konnten die 15 Episoden der ersten Staffel die Erwartungen erfüllen oder war die neue Show eine Enttäuschung? 

Zehn Jahre vor den Abenteuern der Original-Enterprise angesiedelt und damit chronologisch die zweitälteste Serie der Reihe, sind die Abenteuer der Discovery die bislang wohl düsterste und brutalste Serie der Star Trek-Geschichte. Konnte sie mit dieser neuen Marschrichtung überzeugen, oder gehört sie nicht zu den Highlights des Star Trek-Universums?

Das hat Discovery gut gemacht

Ein ganz großes Plus der Serie ist unbestritten das Budget. Die Raumschlachten, Optiken der Schiffe und andere Orte der Handlung sehen spektakulär gut aus und haben durchaus Kino-Niveau. So detailliert und dynamisch haben wir Star Trek auf dem Bildschirm noch nicht erleben dürfen. Das hat die Serie definitiv richtig gemacht.

Auch die Darsteller konnten sich sehen lassen: Mit Sonequa Martin-Green, die dafür die Erfolgsserie "The Walking Dead" verließ, Jason Isaacs als Captain Gabriel Lorca, Michelle Yeoh als Captain Philippa Georgiou und Doug Jones ("Hellboy") als Saru haben die Produzenten gleich vier Hochkaräter für die neue Serie gewinnen können. Und die haben ihren Job alle sehr gut erledigt. Dazu kommen prominente Gäste wie Mia Kirshner und Rainn Wilson, die ebenfalls gestandene Serien-Schauspieler sind und in ihren Kurzauftritten überzeugten.

Bei den Themen der Serie dürfen sich die Autoren auch auf die Schulter klopfen, denn sowohl die Kriegsstory als auch das Spiegel-Universum sind gut gelungen und boten einige der besten Episoden in der Serie. Die wohl beste Folge ist allerdings die Nummer sieben mit Harry Mudd – und die steht für sich. Hier kam aber sicherlich das stärkste Star Trek-Feeling der Discovery-Staffel auf.

Harry Mudd hat in Discovery seinen ersten Auftritt - chronologisch gesehen.

Realismus wurde ebenfalls ein wenig wichtiger in Discovery, so gab es tatsächlich auch in den eigenen Reihen Charaktere, die nicht wirklich nette Leute sind. Das war in den früheren Serien mit extrem ehrenhaften Helden doch eher Mangelware. Aber ein Captain Lorca, der nicht nur sexuelle Wünsche hat, sondern auch nicht immer ganz astreine Methoden nutzt, um zu seinem Ziel zu gelangen, war eine erfrischende Figur, die dem Star Trek-Universum eine bislang fehlende, wichtige Facette hinzufügte. Und endlich einen Sternenflotten-Offizier in einer Hauptrolle zeigte, der sich nicht immer an die Erste Direktive hält. Das verpasst der neuen Serie eine besondere Note, die tatsächlich Neuland ist. Denn wenn in früheren Zeiten die Sternenflotte tatsächlich mal die Bösen waren, dann sicherlich keine der Hauptfiguren.

Das kann Discovery noch besser machen

Für eine Serie, die bereits sehr früh vermittelte, auf jeden Fall Teil des Star Trek-Kanons zu sein, haben die Macher doch einiges verändert – und manchmal sogar ohne Erklärung. Warum zum Beispiel die Klingonen nicht mehr (oder noch nicht) aussehen wie die Klingonen aus den anderen Serien, das hat uns Discovery auch in den letzten Episoden nicht verraten. Für Fans ist eine solche Nichtachtung bereits vorhandener Storys ein Grund zum Abschalten – zumal die Notwendigkeit dieser Änderung nicht besteht oder zumindest nicht erklärt wird.

Keine Haare mehr! In Discovery haben die Klingonen allen Grund zum Jammern.

Eine lange Story – oder nicht? Darüber schienen sich die Macher nach dem Abgang des ursprünglichen Showrunners Bryan Fuller nicht einig zu sein – und so machten sie beides. Neben längeren, zusammenhängenden Geschichten wie dem Spiegeluniversum und dem Krieg gegen die Klingonen gab es auch komplett für sich stehende Folgen – und das verlieh der Serie einen ständigen Wechsel, der nicht wirklich überzeugen konnte.

Anfang und Ende: Die Doppelfolge zu Beginn der neuen Serie war zwar optisch überzeugend, inhaltlich aber arg an den Haaren herbeigezogen. Und auch das Ende war nach den vorherigen Maßstäben der Serie eher ein Abgesang als ein Höhepunkt, die Lösung der Kriegsproblematik optisch mau und inhaltlich wenig glaubhaft. Das darf die nächste Staffel gern etwas besser machen.

Star Trek war bei allem Starkult im Kern jeder Serie immer eins: eine Teamsportart. Nur wenn die Crew des Schiffes (oder der Station) eine gute Chemie aufwiesen, war die Serie auch ein echter Hit. Die Crew der Discovery ist zweifelsohne ganz interessant, aber das war oft nur zu erahnen, da der Fokus extrem stark auf Burnham und Lorca – und mit Abstrichen – auf Tyler lag. Ob Saru, Tilly oder Stamets, keiner dieser Figuren wurde mit viel Hintergrund ausgestattet oder bekam interessante Charakterzüge verpasst. Das sollte in der zweiten Staffel in jedem Fall anders werden, denn erst im Zusammenspiel der verschiedenen Charaktere entwickelt eine Star Trek-Serie zum Erfolg.

Kein netter Kerl: Captain Gabriel Lorca.

Und die zweite Staffel täte auch gut daran, wieder mehr klassische Star Trek-Themen wie das Erforschen des Alls und neue Zivilisationen in den Vordergrund zu stellen. Die Kriegsstory war eine nette Abwechslung, allerdings hat Depp Space Nine das im Dominion-Krieg spannender erzählt als Discovery.

Was kommt mit Staffel 2?

Viel haben die Macher bislang noch nicht verraten, zumal wir uns bis 2019 gedulden müssen, um weitere Discovery-Folgen zu sehen. Sie erzählten jedoch, dass Fans die letzte Szene der ersten Staffel nicht überbewerten sollten, in der die Enterprise auftaucht. Dies hieße nicht zwangsläufig, dass die Story viel mit dem Schiff zu tun hätte oder dass man den jungen Spock zu sehen bekäme. Die Produzenten haben auch bereits verraten, dass sich Staffel 2 wieder deutlicher an den Grundideen von Serienerfinder Gene Roddenberry ausrichten wird als die erste. Fans dürfen also durchaus hoffen, dass die Fortsetzung der Serie in Sachen Star Trek-Feeling noch zulegt. Zu streng sollte man ohnehin nicht sein, denn viele Star Trek-Serien legten ein eher durchwachsenes Debut hin, bevor sie zu den Erfolgen wurden, die wir heute kennen.

Was wünscht ihr euch für Staffel 2? Weiterhin eher Neuland oder mehr "altes" Star Trek?


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