Kritik zu Stieg Larssons "Verschwörung": Wie gut ist die Verfilmung?

Claire Foy als Lisbeth Salander macht in "Verschwörung" einen guten Job, kann den Film insgesamt aber auch nicht retten.
Claire Foy als Lisbeth Salander macht in "Verschwörung" einen guten Job, kann den Film insgesamt aber auch nicht retten.(© 2018 Sony Pictures)

Auch in Deutschland gehört die "Millennium"-Trilogie des verstorbenen Krimi-Autors Stieg Larsson zu den beliebtesten und erfolgreichsten Büchern des vergangenen Jahrzehnts. Kein Wunder also, dass sich immer wieder ein neues Filmprojekt mit der Story beschäftigt. Wir haben uns die neuste Adaption, "Verschwörung", angeschaut.

Die Geschichte um die Fortsetzung der "Millennium"-Trilogie liest sich selbst fast wie ein Krimi. Während die Lebensgefährtin von Stieg Larsson seinen Laptop – mit einem weit fortgeschrittenen vierten Band – unter Verschluss hält, weil sie sagt, Stieg habe nicht gewollt, dass nach seinem Tod weiterhin Romane mit seinen Figuren erscheinen, haben die Erben, Vater und Bruder, die Rechte an einen Verlag verkauft.

Dieser hat inzwischen zwei neue Romane auf den Markt gebracht; der erste davon dient als Grundlage zum neuen Film. Denn nachdem Sony mit den Einspielergebnissen des gelungenen David-Fincher-Films von 2011 nicht zufrieden war, entschied das Studio, die Teile zwei und drei nicht zu berücksichtigen und sich stattdessen auf die neuen Werke zu konzentrieren. Das war allerdings keine gute Idee.

Die Handlung

Lisbeth Salander (diesmal gespielt von Claire Foy) ist noch immer als Rächerin von misshandelten Frauen unterwegs und schnappt sich besonders reiche Männer, die glauben über dem Gesetz zu stehen. Als ein Wissenschaftler (Stephen Merchant) an sie herantritt und um Hilfe bittet, zögert sie zunächst. Doch der Mann sagt, er habe für die CIA ein Programm entwickelt, mit dem man die Kontrolle über sämtliche Atomwaffen des Planeten übernehmen könnte. Ein guter Grund für Lisbeth, doch aktiv zu werden.

Doch sie muss schnell feststellen, dass sie sich dadurch nicht nur mit dem US-Geheimdienst anlegt, sondern auch mit einer geheimnisvollen Organisation, die das Programm ebenfalls haben will – und dabei skrupellos über Leichen geht. So muss auch Lisbeth bald um ihr Leben fürchten. Und der Fall wird bald auch noch persönlich, da eine Spur in ihre eigene Vergangenheit führt.

Lisbeth Salander ganz in ihrem Element: Als hochintelligente Hackerin hatte Stieg Larrson sie etabliert.(© 2018 Sony Pictures)

Solide Action ...

Gute Kampf-Choreographien, rasante Verfolgungsjagden mit Motorrad und Auto über Eis und Schnee, ein paar Sexszenen und coole Gadgets – wüsste man es nicht besser, man müsste denken, gerade in einem James-Bond-Film mit weiblichem Doppel-Null-Agenten zu sitzen.

Wer von den Romanen Larssons bisher noch nie etwas gehört oder gesehen hat, kann mit dieser neuen Version von Lisbeth Salander vermutlich auch ganz gut leben. Diejenigen unter euch, die allerdings die teilweise extrem guten Vorgängerfilme mit Noomi Rapace oder Rooney Mara gesehen haben, dürften von der neuen Interpretation möglicherweise weniger begeistert sein. Denn eigentlich war Lisbeth nie eine Actionheldin, sondern eine gebrochene Figur mit vielen Problemen, die lediglich durch ihre herausragende Intelligenz Probleme löst. Die neue Version und Ausrichtung der Figur ignoriert diese Facetten völlig.

Was umso erstaunlicher ist, da Regisseur Fede Alvarez aus der Horror-Ecke stammt und bislang mit dem Remake von "Evil Dead" und seinem Psycho-Thriller "Don't Breathe" starke und spannende Horror-Thriller ablieferte. Der Ausflug ins Spionage-Thriller-Geschäft gelang dem gebürtigen Uruguayer auch deshalb nicht sonderlich gut, weil die Charaktere zu oberflächlich bleiben, um wirklich mit ihnen mitzufiebern.

David Lagercrantz, der den neusten Band fertig geschrieben hat, macht aus Lisbeth aber eine kampferprobte James-Bond-Imitation.(© 2018 Sony Pictures)

… aber kein Larsson-Niveau

Auch an vielen anderen Dingen im Film merkt der Fan deutlich, dass weder die Vorlage noch der Film selbst viel mit den Ideen von Stieg Larsson am Hut hatten. Larsson, der auch politisch aktiver Journalist war, hat in jedem seiner drei Bücher auch soziale Themen in den Vordergrund gestellt. In seinem besten Werk, dem Debüt "Verblendung", den vielleicht kältesten Serienkiller der Filmgeschichte geschaffen. Von dieser Tiefe und Komplexität ist in der Verfilmung des David-Lagercrantz-Romans, den der Verlag als neuen Autor aussuchte, nichts zu spüren.

Das allein sorgt aber nicht dafür, dass "Verschwörung" selbst für Nicht-Kenner der Vorlagen mitunter enttäuschend ist. Denn die Handlung ist zwar stringent und optisch ordentlich inszeniert, hat aber auch keinerlei interessanten Ecken und Kanten. Dazu gibt Regisseur Alveraz den eigentlichen Twist des Plots schon sehr früh preis und nimmt dadurch viel der möglichen Spannung heraus.

Vom einstmals so effektiven Duo Salander/ Blomkvist ist im neuen Film ebenfalls nicht viel zu sehen, da der Journalist nur eine Nebenrolle spielt, der Star ist diesmal eindeutig Lisbeth. Dass gerade das Zusammenspiel und die komplizierte Beziehung der beiden Figuren in früheren Verfilmungen für das Salz in der Suppe sorgten, ist bei diesem Projekt offenbar niemandem aufgefallen.

Das macht "Verschwörung" zu einem halbwegs akzeptablen Bond-Abklatsch, aber nicht zu einer vernünftigen Larsson-Verfilmung. David Lagercrantz hat mittlerweile einen fünften Roman veröffentlicht, angesichts der Qualität dieser Verfilmung bleibt der den Fans des eigentlichen Autors aber möglicherweise als Kinofilm erspart. Was einem für Claire Foy ein wenig leidtun kann. Denn ihre Schuld es nicht ist, dass "Verschwörung" nur selten wirklich überzeugt. Sie darf eben nicht die Lisbeth Salander spielen, die die Fans sehen wollten.

Fazit

Wer die Lisbeth sehen will, die er aus Larssons Büchern kennt, ist hier falsch. Regisseur Alvarez macht aus der hochintelligenten Hackerin eine Jane Bond für Arme, die nie an das neue Vorbild heranreicht, aber ihre viel spannenderen Wurzeln völlig ignoriert. So ist "Verschwörung" höchstens für völlige Neueinsteiger interessant – Fans der Buchreihe dürften hingegen nur wenig finden, das ihnen gefällt.


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