Kritikt zu "Venom": Wie gut ist Spider-Mans Gegner im Solo-Film?

Venom wird von Tom Hardy verköpert.
Venom wird von Tom Hardy verköpert.(© 2018 Sony Pictures)

Groß, schwarz, fies: So kennen Spider-Man-Fans seit vielen Jahren einen seiner beliebtesten Gegner: Venom. Nun bekommt der eigentlich gar nicht so heldenhafte Symbiont seinen eigenen Film. Kann der neue Versuch von Sony, das "Spider-Verse" zu erschaffen, richtig überzeugen?

Nach einem guten Start mit den ersten beiden "Spider-Man"-Filmen von Sam Raimi verlor Sony bei den Fans mehr und mehr Beliebtheit mit den späteren Filmen. Weder der dritte Raimi-Teil, in den Sony angeblich bereits massiv hineinredete, noch die beiden "Amazing Spider-Man"-Filme mit Andrew Garfield überzeugten Fans und Kritiker. Erst als Sony Marvel die Rechte am Wandkletterer zum Teil zurückgab, entstand mit "Homecoming" ein Spider-Man-Film, der wieder gut ankam. Doch Sony versucht weiterhin, aus der Lizenz Kino-Hits zu machen. Gelingt das mit "Venom"?

Die Handlung

Der bekannte Reporter Eddie Brock (Tom Hardy) hat alles, was man sich nur wünschen kann: einen coolen Job, einen guten Ruf und seine Verlobte Anne (Michelle Williams). Doch als er den Industriellen und Forscher Carlton Drake (Riz Ahmed) mit unangenehmen Fragen konfrontiert, verliert er alles. Sein Chef feuert ihn, sein Ruf als Journalist ist ruiniert und Anne verlässt ihn, da er hinter ihrem Rücken Informationen von ihr gestohlen hatte.

Journalist Eddie stellt unangenehme Fragen.(© 2018 Sony Pictures)

Ein halbes Jahr später kontaktiert ihn plötzlich einer der Mitarbeiter von Drake und verrät ihm, dass der Milliardär mit Alien-Parasiten experimentiert, um sie mit menschlichen Körpern zu verbinden und so die Menschheit ins All schicken zu können. Als er heimlich in die Forschungsanlage geschmuggelt wird, macht sich Eddie ein eigenes Bild der Situation – und wird dabei ebenfalls mit einem Parasiten infiziert. Der nennt sich Venom und rettet Eddie gleich einmal das Leben. Doch der Reporter traut seinem neuen Gast nicht über den Weg. Und tatsächlich hat der Symbiont, der Eddie mit Superkräften versorgt, ganz eigene Pläne …

Schräge "Origin"

Wie viele Superhelden-Filme erzählt auch "Venom" die Entstehungsgeschichte sehr ausführlich und braucht relativ lange, bis er endlich alle Komponenten zusammenbringt, um seinen Titelhelden entstehen zu lassen. Und so müssen Fans fast eine Stunde warten, bis endlich der Symbiont in Eddie erstmals richtig in Erscheinung tritt und die Action beginnt. Und die ist immer dann ganz gut, wenn Tom Hardy noch immer zu erkennen ist und lediglich hin und wieder schwarze Flüssigkeit aus seinen Armen schießt. Der Fan will aber natürlich den echten Venom sehen – und der sieht leider nicht sonderlich beeindruckend aus. Obwohl die SFX-Abteilung eigentlich genug Zeit hatte, wirkt Venom stets künstlich und passt sich nicht perfekt in die restliche Umgebung ein. Dazu kommt die recht schräge Hintergrund-Story für den Parasiten, die hier natürlich nicht gespoilert wird, aber mit der Original-Comicstory so gut wie gar nichts zu tun hat.

Venom selbst sieht leider nicht sonderlich beeindruckend aus.(© 2018 Sony Pictures)

Gute Schauspieler, wenig Chemie

Eigentlich ist Tom Hardy ein wirklich guter Schauspieler und auch in "Venom" macht er einen ordentlichen Job. Das gilt auch für Michelle Williams. Und dennoch glaubt man den beiden ihre Liebesgeschichte keinen Moment, hier stimmt die Chemie leider gar nicht. Immerhin bekommt Hardy in seiner Rolle noch die wenigen humorigen Momente, die der Film zu bieten hat. Aber große Gefühle bekommt der Zuschauer hier nicht zu sehen. Leider auch keinen überzeugenden Schurken, denn die Rolle von Riz Ahmed ist wenig originell und noch weniger aufregend. Zudem hat der Supergegener Venoms nur sehr wenig Screentime und schafft es schon deshalb nicht, eine echte Bedrohung zu werden.

Leider stimmt die Chemie zwischen Michelle Williams und Tom Hardy nicht.(© 2018 Sony Pictures)

Gleich vier Autoren haben an der Story gearbeitet, viel genutzt hat es nicht. Vermutlich auch deshalb nicht, weil Berichten zufolge die gesamte Produktion auf ein R-Rated, also eine Fassung ab 16 Jahren ausgerichtet war. Und Sony, angeblich, um ein mögliches Crossover mit dem familienfreundlichen Spider-Man nicht zu gefährden, im letzten Moment doch die Reißleine gezogen und eine PG-13-Version verlangt hat. Das merkt man dem Film deutlich an, denn immer, wenn man den Eindruck hat, jetzt geht es gleich richtig los, ist es auch schon wieder vorbei. Und das nervt doppelt, weil Venom eigentlich ein klassischer Kandidat für eine höhere Freigabe gewesen wäre – wie Logan und Deadpool.

Leider kommt die Action oft zu kurz.(© 2018 Sony Pictures)

Das Ergebnis ist zwar ein knapp zwei Stunden langer, aber irgendwie gehetzt wirkender Film, in dem vieles zu fehlen scheint. In einem Interview zur Frage nach seinen Lieblingsszenen im Film antwortete Riz Ahmed denn auch, die lägen alle auf dem Boden des Schneideraums, die brutale, aber gute Action und der schwarze Humor vieler Szenen hätten es nicht in den fertigen Film geschafft. Vielleicht hat Sony ein Einsehen und veröffentlicht auf Blu-Ray eine bessere, härtere Version von "Venom", in der Fassung ab 12 Jahren lohnt sich der Kinobesuch kaum – und in mäßigem 3D schon gleich gar nicht. Immerhin: Ganz Marvel-like präsentiert "Venom" zwei After-Credit-Szenen, die sich für Comicfans richtig lohnen.

Fazit

Leider ist "Venom" kein großer Wurf geworden, da können auch Tom Hardy und Michelle Williams nichts mehr retten. Zu harmlos, zu unoriginell und zu gehetzt wirkt der neueste Versuch von Sony, aus dem Spider-Verse, an dem sie noch die Rechte halten, endlich Kapital zu schlagen. Ein paar nette Gags, ein paar nette Actionszenen, mehr ist hier nicht zu holen. Und Fans der Comicfigur werden mit einer abstrusen Origin gleich richtig abgestraft.


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