Kryptowährungen Bitcoin Cash und Co.: Was sie bringen, was sie bedeuten

Kryptowährungen wie Bitcoin werden immer beliebter.
Kryptowährungen wie Bitcoin werden immer beliebter.(© 2014 CC:Flickr/antanacoins)

Kryptowährungen, Blockchains, Mining, Bitcoin oder Bitcoin Cash?! Der Markt rund um die digitalen Währungen, die besser sein sollen als echtes Geld, wird immer größer – und ist geprägt von unverständlichen Begriffen. Wir erklären Euch, was es damit auf sich hat.

Was ist eine Kryptowährung?

Zwischen den Kryptowährungen und echten Geld gibt es viele Gemeinsamkeiten: Ihr könnt damit bezahlen, es auf einem Konto aufbewahren und in andere "normale" Währungen umtauschen. Doch im Gegensatz zu Dollar, Euro und Co. werdet Ihr kein Geld in der Hand halten können. Kryptowährungen sind ausschließlich digital. Während der Wert von "echtem Geld" an das Bruttoinlandsprodukt eines Landes oder an die vorhanden Goldreserven gekoppelt ist, gibt es für Kryptowährungen keinen richtigen Gegenwert. Wie an der Börse schwankt der Kurs durch Angebot und Nachfrage. Es gibt auch keine Zentralbank oder ähnliches, das die Kryptowährungen herausgibt, sie entstehen im Computer durch sogenanntes Mining (mehr dazu im späteren Abschnitt).

Die populärste und am weitesten verbreitete Kryptowährung ist Bitcoin, die seit 2009 existiert. Ihr Wert liegt derzeit bei etwa 2700 Euro pro Bitcoin (BTC). Am 1. August 2017 spaltete sich von Bitcoin eine neue Währung mit dem Namen Bitcoin Cash ab. Der Wert pegelt sich momentan noch ein, schwankt enorm und liegt ungefähr zwischen 200 und 300 Euro pro Bitcoin Cash (BCC). Es kam zu der Abspaltung, da mit dem normalen Bitcoin-Protokoll nur wenige Transaktionen pro Sekunde durchgeführt werden können. Bitcoin Cash schafft deutlich mehr, doch ist es wieder eine neue, eigenständige Währung, die erst als Zahlungsmittel akzeptiert werden muss, um tatsächlich nützlich zu sein. Auch bekannt ist Ether (Ethereum, ETH). Diese Währung ist seit 2015 auf dem Markt und liegt derzeit bei ca. 220 Euro pro ETH. Davon abgesehen gibt es viele weitere Kryptowährungen. Die aktuellen Umrechnungskurse und Entwicklungen könnt Ihr hier im Überblick verfolgen.

Wie funktionieren Bitcoins?

Wenn Menschen davon sprechen, dass Kryptowährungen besser sind als normales Geld, meinen sie unter anderem die Sicherheit: Das Projekt Bitcoin ist beispielsweise Open Source. Jeder kann selbstständig den Quellcode überprüfen und sicherstellen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Außerdem wird, wenn Ihr per Bitcoin und Co bezahlt, von Eurem Konto per Peer-to-Peer ein Weg zu Eurem Ziel aufgebaut und das "Geld" transferiert. Eine offen einsehbare Liste, die sogenannte Blockchain, enthält jede getätigte Transaktion gebündelt in Blöcken. Somit ist zu jeder Zeit klar, wo welche virtuelle Münze gerade ist. Fälschungen sind nahezu unmöglich.

Beispiel: Stellen wir uns vor, Ihr wollt eine Pizza bestellen und mit Bitcoin bezahlen. Um Bitcoins als Währung nutzen zu können, benötigt Ihr eine Adresse, die als Eure virtuelle Geldbörse funktioniert - und natürlich ein paar Bitcoins. Auf der Bitcoin-Webseite generiert Ihr die Adresse in Form eines Nutzerkontos und installiert zum Beispiel die Wallet App auf Eurem Smartphone. Dann habt Ihr Euren digitalen Kontostand immer dabei. Zur Adresse bekommt Ihr ein Schlüsselpaar (einen geheimen privaten und einen öffentlichen). Jetzt braucht Ihr nur noch die Bitcoin an sich. Diese könnt Ihr in einer Art Wechselstube online im Tausch gegen "echtes Geld" kaufen oder wie im nächsten Abschnitt beschrieben selber minen. Sobald die Transaktion vom Kauf der Bitcoins bestätigt wurde, landen die virtuellen Münzen auf Eurem Konto. Es gibt noch nicht viele Orte, wo Ihr tatsächlich mit Bitcoin bezahlen könnt, aber seit Juli 2017 ist beispielsweise Lieferando mit dabei. Sagen wir die Pizza kostet 8 Euro. Dann sind das umgerechnet rund 0,003 BTC (laut momentanen Wert von 2700 Euro pro BTC). Mit der Smartphone-App scannt Ihr den bei der Bestellung angezeigten QR-Code ein und die Transaktion wird ausgeführt. Das sieht folgendermaßen aus: Angenommen, Ihr kauft 0,1 BTC für 270 Euro von einem Nutzer. Das wird auf Eurem Konto am Eingang vermerkt. Jetzt wollt Ihr die Pizza bezahlen. Die Transaktion besteht aus den 0,003 BTC für die Pizza und wird an die Adresse vom Lieferservice geschickt.

Die restlichen 0,097 BTC werden ebenfalls als Transaktion als neuer Eingang auf Eurem Konto vermerkt. Denn Bitcoin-Transaktionen sind immer vollständig ohne Rest. So kann niemand die virtuellen Münzen fälschen oder doppelt ausgeben. Die Transaktionen werden mit Eurem geheimen und dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers signiert und ans Netzwerk geschickt. Das besteht aus den Bitcoin-Minern, die die Echtheit Eurer Transaktion prüfen. Dadurch erfährt auch die Zieladresse von der eingehenden Verbindung. Mit Eurem öffentlichen Schlüssel kann diese Transaktion dann vom Empfänger akzeptiert werden. Jede Transaktion ist mit den Eingangs- und Ausgangsadressen der Konten öffentlich einsehbar - Eure Identität ist damit allerdings nicht verknüpft. Die meisten Transaktionen verlaufen ohne Gebühr, unter Umständen kann aber dennoch eine Gebühr anfallen. Ihr könnt beispielsweise freiwillig eine Gebühr bezahlen, damit Eure Transaktion bevorzugt behandelt und somit schneller ausgeführt wird. Diese Gebühr geht dann an die im nächsten Abschnitt beschriebenen Miner.

Jetzt passieren mehrere solcher Transaktionen pro Sekunde. Alle zehn Minuten werden die getätigten Zahlungen zu einem Block zusammengefasst und der Datenbank (Blockchain) hinzugefügt. Dafür sind wieder die Miner gefragt: Denn dieser Block muss versiegelt werden, damit zwar seinen Inhalt lesbar ist, dieser aber nicht mehr verändert werden kann. Das passiert auf mathematischem Weg durch einen sogenannten Hash. Das ist ein Wert, der durch verschiedene, komplexe Verfahren erzeugt werden kann. Doch dieser muss kleiner sein als ein festgelegter Wert. Jetzt arbeitet die Software der Miner auf Hochtouren und berechnet den Hash ständig neu – solange bis ein passender Wert gefunden wurde. Das funktioniert, indem die Miner genau eine Zahl ("Nonce") immer wieder ändern und die Berechnungen neu starten. Der erste Miner, der diese Aufgabe schafft und die passende Zahl ermittelt, versiegelt den Block und fügt ihn der Blockchain hinzu. Als Belohnung bekommt er derzeit eine Prämie von 12,5 BTC - das entspricht einem aktuellen Gegenwert von ca. 30.000 Euro. Der nächste Block basiert immer auf den Werten des vorherigen, wodurch eine Manipulation der Datenbank nahezu unmöglich ist. Denn wenn ein Block manipuliert wird, müssten auch alle anderen folgenden manipuliert werden, damit die Werte weiterhin übereinstimmen und gültig bleiben.

Da beim normalen Bitcoin-Protokoll nur wenige Transaktionen pro Sekunde durchgeführt werden können, steigen die Gebühren pro Transaktion derzeit an. Denn die Miner können Transaktionen, an denen sie nichts verdienen, ignorieren. Die Beschränkung liegt an der kleinen Blockgröße von einem Megabyte. Deshalb soll im November eine Erweiterung der Blockgröße auf zwei Megabyte stattfinden, sodass wieder mehr Transaktionen möglich sind und die Nutzer nicht einen Tag auf das virtuelle Geld warten müssen. Einer größeren Gruppe von Minern reicht die Verdopplung des Speichern nicht aus, also haben sie sich wie oben beschrieben mit der eigenen Währung Bitcoin Cash abgespaltet und arbeiten hier mit acht Megabyte großen Blöcken.

Wie geht Mining?

Bei Bitcoin ist das gesamte Netzwerk dezentral. Heißt: Bei "echtem Geld" entscheidet z.B. ein Staat oder eine Zentralbank, wann neues Geld gedruckt und ausgegeben wird. Diese zentrale Stelle existiert bei den Kryptowährungen nicht. Stattdessen ist jeder Nutzer ein kleiner Teil der "Bitcoin-Bank".

Jeder der möchte, kann theoretisch seinen Computer zu Hause mit spezieller Software ausstatten. Diese nutzt dann die Rechenleistung, um mathematische Probleme zu lösen. Vereinfacht gesagt, bekommen diese Miner als Dankeschön für die bereitgestellte Rechenleistung einen Anteil an Bitcoin. Die Miner sind für das Authorisieren von anderen Bitcoin-Transaktionen verantwortlich. Je mehr Miner es gibt, desto sicherer wird das Netzwerk. Inzwischen gibt es schon so viele Nutzer, dass es zunehmend schwieriger wird, die mathematischen Probleme zu lösen und als Einzelner an den Transaktionen zu verdienen. Vor kurzem waren zum Beispiel Gaming-Grafikkarten ausverkauft, weil die Miner erkannten damit viel mehr virtuelles Geld generieren zu können. Inzwischen machen das aber auch wieder recht viele Nutzer, sodass der Gewinn kleiner wird. Derzeit gibt es spezielle Hardware (ASIC), die mathematische Berechnungen so schnell ausführt, dass die Chance auf die Mining-Belohnung hier noch am größten ist.

Wo kann ich die Währung nutzen?

Das große Problem der Kryptowährungen ist immer noch das Bezahlen. Was nützt digitales Geld auf einem Konto, mit dem wir nichts anfangen können? Das Risiko des Wertverlusts ist aktuell noch sehr hoch. Die Kurse der Währungen schwanken extrem, wodurch sogar Bitcoin selbst davon abrät, Geld als Sicherheit auf ihrer Plattform anzulegen. Sie betonen, dass Ihr besser nur so viel Bitcoins in der digitalen Brieftasche habt, wie Ihr den Gegenwert in "echtem Geld" im schlimmsten Fall verschmerzen könnt.

Wenn Ihr nun mit Bitcoin bezahlen wollt, findet Ihr einige Onlineshops, die das Zahlungsmittel bereits zulassen. In Berlin gibt es außerdem einige Bars und Cafés, die Bitcoin akzeptieren. Doch weit verbreitet ist das Zahlungsmittel noch immer nicht.


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