Lana del Rey: Die Göttin des süßen Nichts ist zurück!

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Sphinx Lana del Rey: Am Ende nichts als eine am Reißbrett entworfene Kunstfigur?
Sphinx Lana del Rey: Am Ende nichts als eine am Reißbrett entworfene Kunstfigur?(© 2014 Universal)

Das Leben hat wieder einen tieferen Sinn: Pünktlich zum Sommerbeginn macht Lana del Rey mit ihrem zweiten Album Ultraviolence da weiter, wo sie bei dem ersten aufhörte – mit einer Spurensuche des amerikanischen Traums. Es klingt wie der fleischgewordene Soundtrack der Mad Men-Ära, wieder einmal. Traurig, tief traurig wirkt die 28-Jährige dabei – und zugleich ungemein sexy. Die Besichtigung eines Phänomens.

Man kann sie die Königin des Paradoxons nennen. Wie wäre sonst ein Songeinstieg wie auf Cola zu erklären: „My Pussy tastes like Pepsi Cola“, haucht Lana del Rey in der ersten Zeile ohne Umschweife – eine Metapher, wie man sie wohl eher selten, höchst selten, über das primäre weibliche Geschlechtsorgan gehört hat. Ihrem Freund wäre es so ergangen, diktierte Lana del Rey ohne Umschweife in einem Interview ungerührt zur Genese ihrer oft unerwartet direkten Songtexte.

Geht es auf Ultraviolence, dem neuen Album, so weiter? Es geht: „I fucked my Way up to the Top“, lautet ein Titel der Miley Cyrus, Rihanna oder Iggy Azalena wohl  besser zu Gesicht stünde als der stets hochgeschlossen auftretenden 28-Jährigen, die seit Tag eins als Popstar so wirkt, als wäre sie aus der Zeit gefallen.

Fleischgewordener Soundtrack der Mad Men-Ära

Natürlich verkauft Lana del Rey am Ende des Tages auch Sex, daraus macht sie nicht mal einen Hehl - sie tut es nur subtiler, als fleischgewordener Soundtrack der Mad Men-Ära, in der es bekanntlich auch hoch hergeht. Lanas melancholische Arien an die vielen, unerfüllten Glücksmomente des Lebens sind in derselben Epoche verhaftet – und so ist es der Gestus.

Wie wir von Don Draper gelernt haben, wurde auch in den 60ern wild und zügellos herumgevögelt, der Schein musste nur einen Moment, einen zugeknöpften Blusenknopf länger gewahrt werden.

„I shared my Body and my Mind with you – that’s all over now“

Lana liefert, natürlich pünktlich zur schönsten Jahreszeit – nicht umsonst wurde Summertime Sadness 2013 im Remix zum Sommerhit – nun auf Ultraviolence gehauchte Beischlafmelodien, für die im In-your-Face-Instagram-Zeitalter von Miley und Rihanna keine Zeit mehr ist: Brüste und Ärsche gibt’s zu jeder Tages- und Nachtzeit so inflationär ins Gesicht gehalten, dass es selbst der Facebook-Tochter zu viel wurde.

Bezeichnend bei Lana: Obwohl die amerikanische Selfmade-Singersongwriterin aus Lake Placid, die – wie PR-Schreiber das moderne Musikmärchen gerne inszenieren – angeblich vor ihrem Durchbruch im Trailerpark wohnte, mit einem selbstgeschnittenen YouTube-Video zu Video Games den Durchbruch schaffte, postet sie nicht erkennbar selbst bei Facebook, Twitter oder Instagram.

„I heard that you like the bad Girls – Honey, is that true?“

Es ist die bewusste Abkehr von der inflationären Social Media-Selbstinszenierung der Miley-Rihanna-Generation – Lana del Rey indes wählt auch hier den bewusst reduzierten Gegenentwurf, der natürlich kalkuliert wirkt. Es ist der Hauptvorwurf, den sich Lana del Rey gefallen lassen muss – bizarrerweise noch mehr als ihre omnipräsenten R&B-Mistreiterinnen: dass sie am Ende nichts als eine am Reißbrett entworfene Kunstfigur wäre.

Auch wenn die 28-Jährige, die im wirklichen Leben Elizabeth Woolridge Grant heißt, in verstörenden Interviews immer wieder die Authentizität ihrer Songs und die Bezüge zu ihrem Leben herzustellen versucht, liegt der Schluss natürlich nahe, dass Lana del Rey am Ende des Tages ein so künstliches Pop-Produkt ist wie ihr pseudo-lateinamerikanischer Künstlername.

Lana ist Pop-Art – der Rest Fahrstuhl-Pop 

Allerdings: Die Inszenierungen Lana del Reys, die Ende 2011 auf den ersten Blick doch ziemlich überraschend an den Oberfläche der weitgehend berechenbaren Musikbranche gespült wurde, gehören zum intelligentesten, was die Popindustrie in den vergangenen drei Jahren hervorgebracht hat. Keine Frage: Elizabeth Grant hat mit Lana del Rey einen fiktionalen Charakter erschaffen – aber wer hat das von Lady Gaga bis Nicki Minaj eigentlich nicht? Selbst Mariah Carey erfindet mit so ziemlich jedem Album ein neues Alter Ego. Der Unterschied von Lana zum Rest der Pop-Gang: Sie ist Pop-Art, wo der Rest schlicht Fahrstuhl-Pop ist.

Es sind jene seltsamen Brüche, die das Phänomen Lana del Rey so faszinierend machen. Die 28-Jährige ist alles und nichts – das süße Nichts. Die perfekte Projektionsoberfläche für das moderne, vor allem aber das alte, längst mythisch verklärte Amerika der Kennedy-Ära.

Sie bedient Klischees, nach denen Amerika seit Marilyn Monroe dürstet – das verhuschte Babe, das doch immer bei den falschen Männern landet und das Sex als selbstverständliche Währung für das wilde, echte Leben einsetzt – und wie in Ride am Ende des Tages kein Problem damit hat, sich von widerlichen, bierbäuchigen Motoradrowdies am Flipperautomaten nehmen zu lassen, solange sie dafür auf einer Harley mit ausgestreckten Armen mitfahren und Blödsinn verbreiten darf, der besser auf dem republikanischen Nominierungsparteitag aufgehoben wäre:

„I believe in the Country America used to be“

Hat sich Lana, nachdem sie sich auf Born to die und der Nachschlag-EP Paradise über 20 Songs in rot-weiß-blauen Klischees zwischen Elvis, Marylin Monroe, JFK und sogar John Wayne abgearbeitet hat, nun auf Ultraviolence weiterentwickelt? Natürlich nicht, wie Songtitel wie Old Money, The other Women, West Coast, Brooklyn Baby oder Guns and Roses schon vermuten lassen  – und das ist vollkommen ok so.

So wenig, wie wir nach der ersten Staffel von Mad Men einen Bruch erwartet, ja erhofft haben, so stilsicher bietet uns Lana del Rey mit Ultraviolence die zweite Staffel kalkulierter Little Girl lost-Widersprüche mit melodramatischer Intensität, wie man sie aus den besseren Norman Mailer-Romanen der 60er-Jahre kennt. Und ja: Das ist schließlich genau das, was wir wollen!


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